Das paho. Zentrum für Papier wurde als Plattform für Künstler*innen und Kunstinteressierte gegründet, die sich den vielen Facetten des Themas Papier widmen. In Workshops und partizipativen Angeboten wird Kindern sowie Erwachsenen der Werkstoff und das Handwerk dahinter nähergebracht. Claudia hat das Zentrum besucht und ist mit Gründerin Ute in die Welt des Papierschöpfens eingetaucht.

Donnerstagvormittag in Großderschau, einem brandenburgischen Dorf. Drei Künstlerinnen sitzen konzentriert im Garten, sammeln Holzstückchen aus Stroh und diskutieren die nächsten Schritte. Das „Stroh“ stellt sich auf Nachfrage als Hanfstroh heraus. 3.000 Quadratmeter haben sie von der benachbarten Agrargenossenschaft anbauen und mähen lassen. „Das war gar nicht so leicht. Hanf hat sehr lange Fasern und niemand wollte sich das Mähwerk ruinieren. Zum Glück haben sie noch einen alten Scheibenmäher gefunden“, erzählt Ute Fürstenberg, die Vierte der Runde, Gründerin des paho. Zentrum für Papier und Leiterin des Projekts Faserwerkstatt.


Anke Meixner vom Projekt Faserwerkstatt begutachtet und bearbeitet das Hanfstroh

Papierforschung im paho

„Aber das reicht ja nicht. Um Papier herzustellen, muss der Hanfstängel noch zerkleinert und entholzt werden und solche Geräte hat niemand mehr im Gebrauch.“ Aber auch hier hatten sie Glück. Bei einem Vortag in Wismar sprechen sie den Dozenten Dr. Hans-Jörg Gusovius an, der am Institut für Agrartechnik und Bioökonomie in Potsdam die Maschinen einer Pilotanlage zur Verfügung stellt. Säcke voller Hanfstroh werden durch Guillotine und Extruder gejagt, unterschiedlichste Varianten hergestellt, damit weitergeforscht werden kann, wie aus den Zwischenprodukten feines und langlebiges Papier hergestellt werden kann. Denn das ist das Ziel ihres gemeinsamen Projektes, welches am Wochenende zum Tag des offenen Ateliers auch interessierten Besucher*innen zugänglich gemacht werden soll.


Das Hanfstroh kommt durch die „Guillotine“ © Petra Walter-Moll

Eine Region mit Tradition im Papierhandwerk

Während die Künstlerinnen weiterarbeiten, führt Ute mich durch das paho. Das Haus samt Garten hat sie vor einigen Jahren erworben, um eine Basis für ihre Kulturarbeit zu schaffen und ein bundesweites Netzwerk Gleichgesinnter aufzubauen. Unzählige verschiedene Papiere sind hier zu finden, Siebe und altes Gerät, welches früher zur Papierherstellung genutzt wurde. „Havelland und Prignitz waren bekannt für Papier- und Textilherstellung, hier gab es viel Wasser, das braucht man dazu. Im Nachbarort ist auch die alte Papierfabrik, mit der wir kooperieren.“ Das historische Gebäudeensemble in Hohenofen ist heute ein technisches Denkmal von überregionaler Bedeutung.


Die ersten Versuche: geschöpftes und getrocknetes Papier

Eine Pflanzenkläranlage für das paho-Gelände

Viel ist noch zu tun auf dem paho-Gelände, das sieht man, aber Ute ist voller Tatendrang. „So nach und nach wird das schon. Ich bin froh, dass wir jetzt unser Badehaus in Betrieb haben, sonst wären solche Projekte hier gar nicht möglich.“ Badehaus? Tatsächlich, im Garten wurde ein alter Schuppen umgebaut. WCs und Waschmöglichkeiten finden sich jetzt dort und geben Besucher*innen die Möglichkeit, Sanitäranlagen außerhalb des Wohnhauses zu nutzen.


Das „Badehaus“ für Besucher*innen und Workshopteilnehmende

Wir gehen weiter und bleiben vor einer noch spärlich bewachsenen Kiesfläche stehen. „Das ist das Beste“, freut sich Ute, „eine Pflanzenkläranlage.“ Als unwissende Städterin frage ich genauer nach. „Wir hatten hier nur eine Einkammergrube. Bei solchen Veranstaltungen muss die alle paar Tage abgepumpt werden. Das kann ja niemand bezahlen!“ Nun gibt es vier Kammern, durch die das Abwasser fließt, dabei gefiltert und anschließend mittels Pumpe zum Schilfbeet transportiert wird. Durch Verteilerrohre gelangt es auf die Beetoberfläche, durchströmt das Kiesbett und wird von den Schilfwurzeln verstoffwechselt – die biologische Reinigung beginnt. Möglich waren beide Investitionen durch NEUSTART KULTUR-Fördergelder, die 2020 vom paho. beantragt wurden. Für das Kulturzentrum wäre es ohne Weiteres nicht möglich gewesen, die Mittel dafür aufzutreiben. Durch den Umbau kann der Garten nun gut als Werkstattgelände genutzt werden, steht für Workshops zur Verfügung und dient gleichzeitig als Ausstellungsfläche.


Ausstellung zum Hanf

Papierschöpfen und Gautschen

Drei Tage später bin ich erneut da. Schließlich möchte ich sehen, ob das Experiment funktioniert hat und sich nun Papier schöpfen lässt. Ich darf sogar selbst zur Tat schreiten, tauche ein Sieb in die grau-weiße Pulpe, füge Blütenblätter aus dem Garten hinzu, stülpe das Sieb auf ein Wollfilz und löse es durch vorsichtiges Hin- und Herbewegen. Gautschen nennt sich dieser Schritt. Gar nicht genug kann ich davon kriegen, denn auch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Anderen Besucher*innen geht es ähnlich, so dass viele feine, durchscheinende Blätter entstehen.


Claudia beim Papierschöpfen

Mit vereinten Kräften hieven wir den Stapel in die altertümliche Schlagpresse und drücken noch ordentlich Wasser raus. Mehrere Tage muss das Papier hier nun trocknen. Ich werde wohl noch einmal wiederkommen müssen, um das endgültige Ergebnis betrachten zu können. Welch Freude!

Für alles muss es Beauftragte geben – jetzt auch noch jemanden für die Nachhaltigkeit? Wie soll das im Alltag einer Einrichtung mit ohnehin knappen Ressourcen funktionieren? Den Arbeitsalltag gemeinsam Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten, ist allerdings gar nicht so kompliziert, wie es manchmal scheint. Das zeigen wir euch in unseren Schwarmwissen-Workshop am 9. Mai und 7. September 2023.

Die Klimakatastrophe überlagert alles

Das Jahr 2022 war wieder eines der wärmsten Jahre seit der Aufzeichnung von Klimadaten. Noch nie war die Konzentration an Kohlendioxid in der Atmosphäre so hoch wie heute. Klima-forscher*innen, unter anderem der Gründer des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) Hans Joachim Schellnhuber, mahnen bereits an, dass das 1,5 Grad-Ziel nicht mehr gehalten werden könne. Wir können aber nur in einer klimafreundlichen Gesellschaft sozial gerecht leben. Daher ist der beste Zeitpunkt für Maßnahmen gegen den Klimawandel: Jetzt!

Nachhaltiges Organisationshandeln

Die aktuellen Krisen haben verdeutlicht, dass Organisationen lernen müssen, mit einem hohen Maß an Unsicherheit umzugehen. Nichtwissen leitet unsere Handlungen und zwingt uns, das Unvorhergesehene einzukalkulieren und unseren Pfad stetig zu korrigieren. Nicht die 100 Prozent-Lösung ist gefragt, sondern der Mut zum Unperfekten. Nachhaltiges Organisationshandeln kann in diesem Zusammenhang als ein andauernder Prozess verstanden werden, der zum neuen Normal werden muss.
Der Zyklus zum Einführen von Nachhaltigkeit in Organisationen: Der Zyklus beginnt rechts oben mit dem Einholen von Unterstützung und wird im Uhrzeigersinn umgesetzt, Illustration: Bundesverband Soziokultur

Die Phasen eines Transformationsprozesses.
Eigene Darstellung nach Gruber & Brocchi 2021 und Stiftung Niedersachsen 2021

Anfangen…

Die Abbildung oben stellt einen typischen Ablauf zur Implementierung dar. Eine Organisation braucht als Erstes eine gemeinsame Entscheidung und das Mandat der Geschäftsführung. Elementarer Baustein ist eine feste Struktur, zum Beispiel mit eine*einem Beauftragten oder einer AG. Aufgaben und Verantwortlichkeiten sind transparent und eindeutig verteilt. In den Managementprozess sollten alle Bereiche der Organisation eingebunden werden. Das systematische Vorgehen ist dabei zentral. Hinter der strategischen Analyse verbirgt sich die gemeinsame Erörterung der Frage, welche Potenziale und Herausforderungen für die Organisation in Bezug auf Nachhaltigkeit existieren: Welche Handlungsfelder – etwa Beschaffung, Energie und Gebäude, Gesundheit oder Inklusion – hat die Organisation und welchen sollte sie sich als erstes widmen? Diese grundsätzliche Richtung sollte die Organisation in Form von möglichst konkreten Leitlinien festhalten und anschließend zentrale Handlungsfelder benennen, für die sie Maßnahmen identifiziert. Managementthemen wie die Einführung eines indikatorengestützten Monitorings und Berichterstattung kann die Organisation dann angehen, wenn sie erste Prozesse etabliert hat und ihre Mitarbeiter*innen bestimmen können, welche Kennzahlen sich für die Überwachung ihrer Ziele gut eignen. Stehen Ziele, Maßnahmen und Indikatoren fest, ergibt sich Berichterstattung als nächster logischer Schritt.

… und weitermachen.

Am Anfang steht also die Einbindung des Teams: Macht gemeinsam eine Bestandsaufnahme davon, was ihr bereits in puncto Nachhaltigkeit unternommen habt und wo Handlungsbedarf besteht. Nehmt euch einen halben Tag Zeit, um entlang eurer Handlungsfelder einen Maßnahmenplan zu entwickeln. Geht schrittweise vor und vertraut auf die Ideen des Teams. Beginnt bei der Umsetzung mit den Dingen, die schnell und einfach zu erledigen sind – z.B. Stromanbieterwechsel oder Umstellung auf nachfüllbare ökologische Reinigungsmittel.

Fester Bestandteil der Teamsitzungen

Nachhaltiges Organisationshandeln erhält am besten einen festen Platz in euren Teamsitzungen: Reserviert jeweils 15 Minuten, in denen der Maßnahmenplan überprüft wird, Hemmnisse erörtert und neue Aufgaben verteilt werden. So wird Nachhaltigkeit zur Routine.

Workshop für Geförderte bei NEUSTART KULTUR

Im Schwarmwissen-Workshop Nachhaltiges Organisationshandeln werden wir euch einen Einblick in die Grundzüge des Nachhaltigkeitsmanagements geben, mögliche Maßnahmen in den einzelnen Handlungsfeldern vorstellen und einen Prozess zur Einführung eines Nachhaltigkeitsmanagements in einer Organisation skizzieren. In den angesetzten zwei Stunden ist genug Zeit für Fragen und Anregungen sowie für einen Austausch von Ideen.

Der nächste Workshop findet am 9. Mai 2023 von 14 bis 16 Uhr statt. Da die Zahl der Teilnehmer*innen begrenzt ist, bitten wir Euch um eine Anmeldung.

Am 7. September 2023 von 10 bis 12 Uhr bieten wir den Workshop nochmals an. Auch hier bitten wir um eine Anmeldung.


Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form im stadtkultur magazin der STADTKULTUR HAMBURG am 23.12.2022.

Auch ein Toilettengang kann nachhaltig sein! Mit einer Trockentoilette wird nicht nur jede Menge Wasser gespart, sie kommt auch völlig ohne Chemie aus und die Überreste können mit Hilfe von Sägespänen zum Kompostieren verwendet werden. Der GutAlaune e.V. bei Petersberg in Sachsen-Anhalt hat eine solche Trockentoilette neu herrichten lassen, um – gemeinsam mit der ebenfalls von uns geförderten Draußenküche – weiterhin kreative Projekte unter dem Motto „FreiRaum an FreiLuft!“ stattfinden zu lassen.

Vor sieben Jahren hat der gemeinnützige Verein begonnen eine Freifläche in einem Landschaftsschutzgebiet herzurichten und sie nachhaltig und kreativ zu nutzen. Mit Fokus auf Naturschutz und Landschaftspflege, sowie auf Kunst und Kultur finden hier sozial-ökologische Projekte statt und wird ein Raum für Austausch und kulturelle Teilhabe hergestellt.

Der inklusive und offene Projektort bietet Werkstätten, einen Gemeinschaftsgarten, Repair-Cafés, Nachbarschaftstreffen, Gesangs- oder Akrobatikkurse, Festivals oder Seminare zur nachhaltigen Selbstorganisation. Dabei arbeiten Kulturschaffende und Akteur*innen aus Ökologie und Sozialwesen zusammen und richten ihre Angebote vor allem an junge Menschen aus der Region, Menschen mit niedrigem Einkommen und Geflüchtete.

Auf dem Gut Alaune wird stetig renoviert, gegärtnert, geforscht und gebastelt – und Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht!

Unsere Referentin für Nachhaltigkeit Franziska Mohaupt gibt Empfehlungen, wie Energie sofort und ohne oder mit geringen Investitionen eingespart werden kann.

Heizen

Heizkörper

Heizen und Lüften

Warmwasser

Durchlauferhitzer

Im Gastrobereich

Fenster und Türen


Weitere Informationen

Energieberatung ist der erste Schritt und Voraussetzung für weitere Förderungen: Bei der Bundesförderung für Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlagen und Systeme werden Energieberatungen zur Erstellung von energetischen Neubau- und Sanierungskonzepten, Energieaudits sowie Contracting-Orientierungsberatungen für Nichtwohngebäude von Kommunen, gewerblich tätigen Unternehmen, freiberuflich Tätigen und gemeinnützigen Organisationen gefördert. Hier geht es zur Beratung.

Franziska Mohaupt ist Referentin für nachhaltige Entwicklung. In ihren Blogbeiträgen geht sie darauf ein, wie bei NEUSTART KULTUR – Zentren bei Investitionen auf Nachhaltigkeit geachtet werden kann. In ihrem zweiten Beitrag widmet sich Franziska der Fragestellung, wie sich Nachhaltigkeit schrittweise integrieren lässt und welche Vorüberlegungen hilfreich sind.

In diesem Beitrag stellen wir euch vor, wie ihr Nachhaltigkeit von Anfang an berücksichtigt. Wenn wir über Investitionen sprechen, wie ihr sie bei NEUSTART KULTUR beantragt, sprechen wir über Entscheidungen, die ihr bereits getroffen habt. Die Entscheidungen leiten sich aus euren Zielen und Planungen ab. Um nachhaltige Entscheidungen für Investitionen zu treffen, müssen wir also an den Anfang eurer Planung zurückgehen und schauen, welche Fragen ihr euch bei der Planung stellt und wie ihr das Thema Nachhaltigkeit systematisch in eure Planungen und Entscheidungen integrieren könnt.

Nachhaltige Entwicklung ist ein fortdauernder Prozess, den man besser gemeinsam im Team angeht. Dafür ist es hilfreich, sich bewusst dafür zu entscheiden, diesen Prozess anzugehen. Ihr könnt eure Entscheidung gemeinsam schriftlich ausformulieren. Damit geht ihr sicher, dass alle Bescheid wissen und die Entscheidung wirklich eine gemeinsame ist. Habt ihr eine Nachhaltigkeits-AG oder eine Person, der ihr die Aufgabe übertragen habt, diesen Prozess zu koordinieren? Denn auch wenn Nachhaltigkeit am Ende von allen gemeinsam umgesetzt wird, ist es wichtig, dass eine AG oder eine Person die Verantwortung für diesen Prozess hat und darauf achtet, dass Nachhaltigkeitsaspekte bei allen euren Aktivitäten berücksichtigt werden. Dieses Mandat sollte die AG oder Person von der Geschäftsführung erhalten.

Franziska Mohaupt
Franziska Mohaupt ist Referentin für nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit ist kein Fass ohne Boden!

Sicher, man kann nicht alles auf einmal anpacken. Aber man kann anfangen. Am besten geht ihr schrittweise und systematisch vor:

Als erstes braucht ihr eine Übersicht darüber, wo durch eure Arbeit Ressourcen verbraucht werden und Kohlendioxid und Abfälle entstehen. Diese Bestandsaufnahme ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Nachhaltigkeitsmanagements. Wenn ihr einen Überblick habt, könnt ihr besser entscheiden, mit welchen Maßnahmen ihr beginnen wollt. Am besten geht ihr dafür die verschiedenen Tätigkeitsbereiche eurer Arbeit nacheinander durch. Welche Tätigkeitsbereiche es gibt, hängt davon ab, was ihr macht und wie ihr arbeitet. Für die verschiedenen Kulturbereiche gibt es in Handlungsleitfäden Vorschläge und Investitionen, wie ihr eure Organisation in Tätigkeitsbereiche unterteilen könnt. Diese findet ihr unter anderem beim Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien unter der Rubrik „Wissen“. Mögliche Tätigkeitsbereiche sind: Energie und Gebäude, Ressourcen, Catering, Mobilität, Abfall, Kommunikation. Vielleicht kommen bei einigen von euch noch Künstler*innenbetreuung oder Requisiten dazu. Die AG kann die Kolleg*innen in den verschiedenen Arbeitsbereichen bitten, zu prüfen, wo ökologisches Verbesserungspotenzial besteht. In diesem Prozess werden auch Entscheidungen für nachhaltige Investitionen vorbereitet. Ihr merkt schon, Investitionen sind ein Teil des Nachhaltigkeitsmanagements, aber ein wichtiger.

Ein Beispiel ist die Fete de la Musique, die jedes Jahr am 21. Juni stattfindet. Die Veranstalter*innen haben beschlossen, dass sie eine grünere Fete haben wollen, und sich sowohl fachliche als auch organisatorische Unterstützung gesucht. In einem ersten Schritt wurden die Musiker*innen, die diesem großen dezentralen Musikevent auftreten, gefragt, welche Themen sie bei der Umsetzung der Idee einer grüneren Fete de la Musique wichtig finden. Aufbauend auf der Umfrage hat das Nachhaltigkeitsteam Handlungsfelder festgelegt und eine Handreichung mit vielen guten Beispielen und Checklisten erarbeitet, die konkret zum Handeln anregt.

Schritt für Schritt – das ist wichtig: nehmt euch erst einmal eine Maßnahme vor, setzt sie um und überprüft den Effekt. Tatsächlich werden Nachhaltigkeit und die damit verbundenen Veränderungen in den verschiedenen Bereichen eine Daueraufgabe sein. Dieser Prozess wird euch mit der Zeit immer leichter fallen – denn ihr werdet mit jeder gelösten Aufgabe kompetenter.

Was hat dies nun mit Beschaffung zu tun?

Investitionen im Rahmen von NEUSTART KULTUR dienen dafür, Kulturangebote pandemiesicher zu machen. Trotzdem könnt ihr euch zu zwei Zeitpunkten Fragen aus Nachhaltigkeitsperspektive stellen – bei der Planung von Maßnahmen, also am Anfang eures Prozesses, und bei der Auswahl der Dinge, in die ihr investieren wollt.

Bei der Planung der Maßnahmen solltet ihr prüfen, welche Investitionen wofür gebraucht werden und wie und wie oft ihr die Anschaffungen tatsächlich nutzen werdet. Eine wichtige Frage ist auch, ob ihr die Investitionen auch dann nutzen könnt, wenn es keine Pandemieauflagen mehr gibt.

Bei der Auswahl der Dinge, die ihr am Ende beschaffen wollt, könnt ihr auf Produkteigenschaften achten wie z.B. Langlebigkeit, Energieverbrauch oder Inhaltsstoffe. Hier helfen Ökosiegel, Angaben zur Energieeffizienz zum Herkunftsland bei der Entscheidung.

Franziska Mohaupt ist Referentin für nachhaltige Entwicklung. In ihren Blogbeiträgen geht sie darauf ein, wie bei NEUSTART KULTUR – Zentren bei Investitionen auf Nachhaltigkeit geachtet werden kann und welche Informationen und Managementkompetenzen hierfür hilfereich sind. Ihren ersten Beitrag widmet sie dem ökologischen Fußabdruck.

Beim Förderprogramm NEUSTART KULTUR – Zentren könnt ihr Zuwendungen für Investitionen beantragen, die unter Nachhaltigkeitskriterien ausgesucht wurden. Dies ist ein Novum in der Kulturförderung. In der Förderrichtlinie steht, dass zur Umsetzung der Maßnahmen ökologisch sinnvolle Möglichkeiten zu wählen sind. Diese sollen dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck bei euch zu verbessern. Die ist eine Chance: Das Programm ermöglicht es euch, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Franziska Mohaupt
Als Referentin für nachhaltige Entwicklung hat Franziska Mohaupt die Aufgabe, Themen wie den ökologischen Fußabdruck und faire Produkte im Rahmen des Investitionsprogramms NEUSTART KULTUR wie auch im Bundesverband Soziokultur systematisch zu verankern.

Indikatoren bieten Orientierung für nachhaltige Entscheidungen

Lebensmittelproduktion, die Herstellung von Konsumgütern, Energiegewinnung, Transport und Reisen: Bei allem, was wir konsumieren oder beschaffen, hinterlassen wir einen ökologischen Fußabdruck. Der Fußabdruck ist eine Messeinheit für die Ressourcen, die zur Herstellung des Produktes verbraucht wurden; beim Nachhaltigkeitsmanagement nennen wir solche Messegrößen Indikatoren, weil sie etwas anzeigen, was wir steuern wollen. Der ökologische Fußabdruck gibt an, wie viel Fläche – also Wald, Weideland, Ackerland und Meeresfläche – ein Mensch oder eine Organisation benötigt, um verbrauchte Ressourcen zu erneuern. Der kleine Bruder des ökologischen Fußabdrucks ist der CO2-Fußabdruck. Er gibt an, wie viele CO2-Emissionen ein Mensch in einer bestimmten Zeit verursacht. Beide Indikatoren bieten uns Orientierung, um nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Folgen des Konsumverhaltens greifbar machen

Ein Begriff, der mit dem Ökologischen Fußabdruck eng verknüpft ist, ist der sogenannte Erdüberlastungstag. Dieser gibt an, wann im Jahr die erneuerbaren Ressourcen der Erde verbraucht sind. Für das Jahr 2019 wurde der 29. Juli berechnet – ein paar Tage früher als im Jahr davor. Klar ist: Der Fußabdruck ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern besonders hoch – wir verbrauchen ungefähr das Dreifache von den Ressourcen, die uns eigentlich zur Verfügung stehen. Oder anders gesagt: Würden alle Menschen so konsumieren wie wir in Deutschland, würden wir die ökologische Kapazität von drei Erden brauchen. Der ökologische Fußabdruck ist damit vor allem eine Möglichkeit, die Folgen unseres Konsumverhaltens greifbar zu machen. Unübersehbar ist, dass wir unseren Ressourcenverbrauch deutlich senken müssen.

Den ökologischen Fußabdruck verringern

In den Anträgen, die ihr im Rahmen von Investitionsprogrammen wie NEUSTART KULTUR einreicht, habt ihr eine ganze Reihe von Entscheidungen getroffen: für die Anschaffung von Dingen und Materialien. Diese Entscheidungen beruhen auf euren Überlegungen dazu, was ihr in den nächsten Jahren benötigt, um trotz Corona Kultur zu schaffen. In weiteren Beiträgen stelle ich euch verschiedene Ansätze zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks vor, die an verschiedenen Stellen eures Entscheidungsprozesses ansetzen.

Das Förderprogramm NEUSTART KULTUR – Zentren 2 bietet die Möglichkeit, nachhaltige Produkte anzuschaffen. Der Bundesverband Soziokultur steht den Antragsteller*innen dabei beratend zur Seite. Nachhaltigkeits-Expertin Franziska Mohaupt erklärt, worauf beim nachhaltigen Kauf zu achten ist und welche Hilfestellungen es gibt.

Beim Kauf einer Spülmaschine wird es deutlich: Maschinen mit den besten Verbrauchswerten kosten deutlich mehr als Geräte, die mehr Strom und Wasser verbrauchen. Solche hochwertigen Produkte sind zwar in der Anschaffung teurer, gleichen dies jedoch durch geringere Kosten im Betrieb wieder aus. Das Problem ist: In Beschaffungsrichtlinien gilt häufig der günstigste Preis als maßgebliches Entscheidungskriterium. Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien hat nun in fast allen Förderangeboten Nachhaltigkeit als ein wichtiges Bewilligungskriterium eingeführt. Kulturelle Einrichtungen sollen durch NEUSTART KULTUR nachhaltigere Produkte anschaffen können, auch wenn diese teurer in der Anschaffung sind.

Zur Umsetzung der Maßnahmen sind ökologisch sinnvolle Möglichkeiten zu wählen (wiederverwendbare Materialien und Ausstattung, möglichst geringer Energie- und Ressourcenverbrauch, nachhaltige Veranstaltungen und Mobilitätskonzepte etc.), die möglichst auch dazu beitragen sollen, den ökologischen Fußabdruck beim Antragsteller zu verbessern.

Der Passus aus den Fördergrundsätzen zu NEUSTART KULTUR im Bereich Zentren 2, der vom Bundesverband Soziokultur durchgeführt wird, ermöglicht den Antragsteller*innen, Anträge für Investitionen in nachhaltigere Produkte einzureichen, wenn sie nachweisen können, dass diese ökologisch nachhaltiger sind.

Öko-Label bieten Orientierung

„Die beste Orientierung für die aus ökologischer Sicht bessere Alternative liefern Öko-Label“, empfiehlt Franziska Mohaupt. Die erfahrene Ingenieurin für technischen Umweltschutz hat gemeinsam mit dem Team von NEUSTART KULTUR – Zentren 2 Kriterien für eine nachhaltige Beschaffung für das Förderprogramm erarbeitet. Sie berät potenzielle Antragsteller*innen und schult die Förderreferent*innen in Fragen der nachhaltigen Beschaffung. Sie weiß um die Schwierigkeiten, die viele Verbraucher*innen mit den Kennzeichnungen haben: „Es gibt unendlich viele Labels und es stellt sich die Frage, was es mir sagt und ob es ein glaubwürdiges ist.“

Das Internet-Portal label-online.de vom Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. gibt Orientierung im Label-Dschungel. Anhand von Produktkategorien sind hier alle Umweltkennzeichen aufgelistet und bewertet. Ein vertrauenswürdiges Öko-Label ist beispielsweise Der Blaue Engel, das Umweltzeichen der Bundesregierung. Auf blauer-engel.de sind konkrete Produkte aufgelistet, die das Umweltkennzeichen tragen.

Franziska Mohaupt ist Referentin für nachhaltige Entwicklung bei NEUSTART KULTUR - Zentren 2 Franziska Mohaupt ist Referentin für nachhaltige Entwicklung bei NEUSTART KULTUR – Zentren 2

Foto © Fotomanufaktur Schnittfincke

Lebenszykluskostenansatz als Grundlage

Bei Produkten, die kein Öko-Label besitzen, bietet der Lebenszykluskostenansatz eine Berechnungsgrundlage bei der Suche nach dem ökologischeren Produkt. Den Geförderten dient er als Vergleichsinstrument und Begründung ihrer nachhaltigen Produktwahl. „Mit dem Lebenszykluskostenansatz können Einrichtungen berechnen, welches Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus, also vor allem unter Berücksichtigung der Nutzungsphase, weniger Kosten generiert“, sagt Mohaupt.

War es in der Vergangenheit allein der Anschaffungswert, der als Richtline für förderfähige Produkte galt, sind Lebenszykluskosten die Kosten, die über die gesamte Lebensdauer des Produkts anfallen. Sie beinhalten für Konsument*innen die Kosten der Anschaffung, für Betrieb und Wartung sowie für die Entsorgung. „Wichtig ist, dass die Nutzungsdauer einbezogen wird“, sagt Mohaupt. „Bei einer Spülmaschine macht es einen gewaltigen Unterschied bei den Betriebskosten, ob die Nutzungsdauer drei oder zehn Jahre beträgt.“ Betriebskosten fallen höher ins Gewicht, je höher die Nutzungsdauer angelegt ist. Dabei gilt, dass geringere Betriebskosten einhergehen mit einem geringeren Ressourcenverbrauch während der Nutzung.

Ein weiterer Aspekt, der bei der Berechnung der Lebenskosten ins Gewicht fällt, ist die Langelebigkeit. Denn Produkte, die über eine Nutzungsdauer von sieben oder zehn Jahren nicht durch ein Neues ersetzt werden müssen, sparen viele Ressourcen, die sonst für die Herstellung verbraucht worden wären.

Dieser Ansatz ist besonders für solche Produkte sinnvoll, für die ein großer Teil der Kosten während der Nutzung oder Entsorgung zu erwarten sind. So kann sich ein höherer Kaufpreis amortisieren und Emissionen können eingespart werden. Für die Berechnung und den Vergleich der Lebenszykluskosten verschiedener Produktgruppen stellt das Umweltbundesamt ein Tool zur Verfügung. In den Excel-Tabellen sind auch Formulare zur Angebotseinholung enthalten, die von den Händler*innen ausgefüllt werden können und alle Informationen enthalten, die für den Kostenvergleich notwendig sind.

Steckbriefe für einzelne Produktgruppen

Leider steckt der Teufel im Detail. So gibt es für viele Produktgruppen noch keine verlässliche Umweltzertifizierung, auch weil diese mit den schnellen Entwicklungszyklen nicht mithalten kann. Für einzelne Produktgruppen, die bereits bei NEUSTART KULTUR – Zentren 1 häufig beantragt wurden, hat Franziska Mohaupt allgemeine Hinweise in kurzen Steckbriefen zusammengefasst, die die Suche nach ökologisch nachhaltigeren Produkten erleichtern.

Bei Laptops zum Beispiel werden bei der Herstellung viele Ressourcen verbraucht. Daher sind langlebige oder refurbished (= generalüberholte) Notebooks vorzuziehen. Für die Nutzungsphase gilt: Prozessor, Grafikkarte, Bildschirm und Netzteil haben den größten Einfluss auf den Stromverbrauch. „Bei der Beschaffung muss ich also zuallererst überlegen, was ich eigentlich mit dem Gerät machen möchte“, gibt Mohaupt zu Bedenken. „Ist es ein Bürocomputer, auf dem hauptsächlich Word-Dokumente bearbeitet werden sollen, oder benötige ich einen Multimedia-Computer, auf dem audiovisuelle Inhalte produziert werden.“ Je nach Nutzung werden unterschiedlich leistungsstarke Komponenten benötigt, die einen entsprechenden Stromverbrauch nach sich ziehen.

Steckbriefe

Die Steckbriefe und weitere Dokumente sind im Downloadbereich abrufbar.

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