Geförderte Projektakteur*innen im Bereich Programm 2 können ihren Verwendungsnachweis über unser Förderportal einreichen.

Um die Arbeit im Rahmen der Einreichung des Verwendungsnachweises zu vereinfachen, haben wir ein Video-Tutorial erstellt. Darin zeigen wir Schritt für Schritt, wie der Verwendungsnachweis über das Antragsportal erstellt werden kann und erläutern wichtige Informationen und Hinweise zur Eingabe und Einreichung des Nachweises.

Das Tutorial zum Einreichen des Verwendungsnachweises (Link zu YouTube) ist in 4 Kapitel unterteilt, die separat angewählt werden können:

Bei Fragen zum individuellen Fall, bitte an den*die zuständige(n) Förderreferent*in wenden.

Transkript

Die verschriftlichte Fassung des Tutorials ist hier als PDF herunterzuladen.


Ergänzende Informationen:

 

 

 

 

Übernachten im Heu, Pferde und gemeinsames künstlerisches Schaffen. Für 35 junge Menschen bereitete das Kultur- und Theaterensemble Stage Divers(e) e.V. mit der NEUSTART KULUR Förderung eine unvergessliche Ferienfreizeit auf der Schwäbischen Alb. Ein Gastbeitrag der künstlerischen Leiterin Babette Ulmer.

Der Esslinger Verein Stage Divers(e) Forum für JugendTheaterKultur e.V. ist eine ehrenamtlich organisierte Plattform für junge Menschen, die künstlerisch tätig werden wollen. Wir arbeiten interdisziplinär und transkulturell, schließen Bewegung und Sport ebenso ein wie Musik und bildende Kunst. Wir haben kein eigenes Haus, sind jedoch fest eingebettet in örtliche und bundesweite Netzwerke der Kultur- und Jugendarbeit. Stage Divers(e) e.V. finanziert sich ausschließlich aus Projektmitteln. Wir bemühen uns sehr darum, junge Menschen aus prekären Situationen zu erreichen. Mit unseren internationalen Workshopleiter*innen finden wir viele neue Wege, um junge Menschen aus aller Welt in das gemeinsame künstlerische Experimentieren zu inkludieren. Unser Arbeitsprinzip ist einfach: jede*r die*der etwas kann, bringt es den anderen bei. Auf dieses Weise entstehen unsere künstlerischen Ergebnisse immer auf der Grundlage der gelebten Alltagswelt aller Mitwirkenden und den vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Das Projekt „Zauberhafte Pferdebande“: ein Bauernhof als soziokultureller Ort

Um unerwartete Anreize zur gemeinsamen künstlerischen Arbeit für Kinder und Jugendliche zu bieten, setzen wir sechs besonders ausgebildete Pferde ein. Auf dem landwirtschaftliche Betrieb Hofgut Uhenfels auf der Schwäbischen Alb gestalteten wir im August das einwöchige Projekt Zauberhafte Pferdebande mit jungen Menschen von 10 – 17 Jahren. Eigentlich ist dieser Hof kein klassischer Ort der Kulturproduktion. Für diese Woche wurde jedoch der reguläre Betrieb zugunsten der gemeinsamen künstlerisch-kulturellen Aktivitäten eingestellt. Der Kuhstall verwandelte sich zum Übernachtungs-Heulager. Zwei kleine Ferienwohnungen wurden zu Büro und Notfallstation. Die Festscheune des Hofes wurde zum Zentrum der umfangreichen Angebote, die sich über das gesamte Gelände des Anwesens zogen. Gleichzeitig diente sie, mit Küche und selbst gekochtem Essen, als Speiseraum und Treffpunkt für das Beisammensein mit Tanz und Teamspielen.

Auf der Pferdewanderung durch die Schwäbische Alb

© Stage Divers(e) e.V.

Workshops und Highlights

Unsere 35 Teilnehmer*innen durchliefen fünf Workshops mit qualifizierten Honorarkräften: Filmemachen, Bühnenkampf, Zirkus und Theater sowie Landwirtschaft und Kommunikationsarbeit mit den Pferden. Hierfür waren individuelle Stundenpläne in einem ausgefeilten Ablaufplan notwendig. Am Ende der Freizeit standen drei Highlights: die erste Uhenfels Fight night, eine Bühnenkampfshow in einem improvisierten Kampfring mit entsprechenden Zweikampf-Choreografien, Ringrichtern und Einlaufmusik. Zum zweiten wurden die in der Woche selbst gedrehte Filme gezeigt, deren Genres sich von Crimestories über Fantasy- und Horrorgeschichten über Familienfilme und Tierabenteuergeschichten erstreckten. Eigentlich stand auf dem Plan noch eine luftakrobatische Stuntshow mit Pferd – aber leider war dafür die Woche zu kurz. Stattdessen unternahmen alle zusammen mit den Pferden eine Wanderung, um Natur und Landschaft in Ruhe gemeinsam zu genießen. Zwischen den fünf Workshops gab es die Woche über viele Zeitfenster, in welchem Schmuck hergestellt oder einfach nur geredet wurde. Eine tägliche halbe Stunde spontane „Speedkunst“ gab Raum für die Entstehung flüchtiger Kunstwerke aus Naturmaterialien. Die ganze Zeit über war es möglich, mit Schminke das eigene Erscheinungsbild für die geplanten Highlights selbst auszuprobieren und die Rollen damit zu entwickeln.

Schmuck basteln

© Stage Divers(e) e.V.

Der Alltag

Mit dem gemeinsamen Fitness-Groove begannen die Tage noch vor dem Frühstück. Es wurden drei Gruppen gebildet, die täglich wechselten: Küchendienst, Reinigungs- und Mülldienst sowie Büro- und interner Pressedienst. Letztgenannter sammelte Informationen über besondere Abenteuer des Tages und stellte sie beim abendlichen stündlichen Uhenfels-TV mit Improtheater dar. Auch moderierte diese Gruppe jeweils die täglichen Feedbackrunden, die sich aus den „Mir stinkts“, „Ich bin glücklich“ und Ideenwänden speiste. Das für die Freizeit erstellte Jugendschutzkonzept half dem Betreuungsteam, bei der Vielzahl an Aktivitäten das Wohl der Teilnehmenden nicht aus dem Auge zu verlieren. Ein Krankenpfleger und eine Sozialpädagogin begleiteten stets das oft wilde Spiel und achteten auf seelische und körperliche Gesundheit. Mit der abendlichen Vorleserunde zum Einschlafen neigte sich dann jeder aufregende Tag einem glücklichen Ende.

Übernachtungslager im Heu

© Stage Divers(e) e.V.

Fazit

Im Projekt Zauberhafte Pferdebande widmeten wir alle Aktivitäten dem Empowerment. Es ging uns darum, dass alle spielerisch in ihrem Standing gefördert werden sollten. Da der Team-Prozess sowohl bei den unterschiedlichen Workshops als auch im Alltag im Vordergrund stand, war genügend Raum und Flexibilität zur aktuellen Anpassung an Wünsche, Kritik oder neue Ideen. Dass ausnahmslos alle Teilnehmer*innen und auch das Betreuungsteam das Projekt im kommenden Jahr fortsetzen wollen, macht uns sehr glücklich.

Wer bei NEUSTART KULTUR – Programm gefördert wird, kann anteilig Grundkosten für das geförderte Vorhaben abrechnen. Wie das funktioniert, erklärt Luise in Folge 11 des Förder-ABC.


Weitere Informationen

Das Musterformular für den Nachweis von Ausgaben für Grundkosten findet ihr im Downloadbereich.

 

Wenn ihr Musik öffentlich nutzt, müsst ihr Veranstaltungen bei der GEMA anmelden und Gebühren bezahlen. Wenn diese in Verbindung mit eurem geförderten Projekt anfallen, könnt ihr sie abrechnen. Luise erklärt in Folge 10 des Förder-ABCs, worauf dabei zu achten ist.

Das LOLA Kulturzentrum sorgt seit 30 Jahren für soziokulturelle Unterhaltung im Hamburger Bezirk Bergedorf. Mitgründerin Petra Niemeyer erzählt über ihre linken Anfänge, die Schwierigkeiten der Pandemie und den Wert kultureller Arbeit.

Das Kulturzentrum LOLA feiert im September sein 30-jähriges Jubiläum. Genauso lange ist auch Mitgründerin Petra Niemeyer schon dabei. Ihr soziokulturelles Engagement begann 1979, als die studierte Bekleidungsingenieurin gemeinsam mit Freund*innen das Wutzrock-Festival organisiert hat. Anschließend gründete die Freundesgruppe – allesamt Autodidakt*innen – ein selbstverwaltetes Jugendzentrum, das heute nach über 40 Jahren ebenso noch besteht. „Dort haben wir die Grundlagen für unsere Arbeit in der Soziokultur gelernt“, erzählt Niemeyer stolz. Bestens gerüstet waren sie also, um schließlich eine der leerstehenden Bergedorfer Polizeiwachen in die LOLA zu verwandeln. Bis heute residiert die LOLA auf drei Etagen im roten Backsteingebäude. Über die Zukunft macht sich Petra Niemeyer trotzdem Sorgen.

Schwierigkeiten in der Pandemie

Derzeit leidet die LOLA weiterhin unter den Folgen der Pandemie. Trotz Wegfall der Einschränkungen bei Veranstaltungen ist man hier noch vorsichtig. Anstelle von 700 Gästen werden zur Disco nur 400 Menschen reingelassen. Und bei Theaterveranstaltungen, die indoor stattfinden, reduziert sich das Publikum leider von selbst. Die Auslastung bei Veranstaltungen liegt im Vergleich zu 2019 oftmals bei unter 50 Prozent. Viele Gäste haben anscheinend immer noch Angst, sich anzustecken, und nach der langen Pause werden Familienfeiern, Geburtstage etc. nachgeholt, von dem Besuch einer Kulturveranstaltung jedoch oftmals abgesehen.
Auch Mitarbeiter*innen für die Veranstaltungen zu finden, war für Petra Niemeyer sehr schwer: „Alle Türsteher waren auf einmal weg! Ganz Deutschland ist ja auf der Suche nach geeignetem Personal, vor allem in der Gastronomie.“ Auch die Auszubildenden in der Veranstaltungstechnik, mit denen sie früher viel zusammengearbeitet haben, sind weggefallen, weil weniger bis gar nicht ausgebildet wurde. Erfahrene Techniker*innen mit freien Kapazitäten sind in diesem Sommer, wie so vieles, eher rar gesät und müssen außerdem höher entlohnt werden.

LED-WandFür gut klingende Veranstaltungen braucht es gute Veranstaltungstechniker*innen

© LOLA Kulturzentrum

Hamburger Engagement gegen die Mangelverwaltung in der Soziokultur

Hinzu kommen die ganz „normalen“ Alltagsprobleme in der Soziokultur: Zu wenig Personal, zu geringe Gehälter, gerade auch für Berufsanfänger*innen und damit einhergehende Nachwuchsprobleme sowie befristete Verträge aufgrund von Projektlaufzeiten. In Hamburg haben sich die soziokulturellen Institutionen nun im Bündnis KulturWert – Faire Tarife für alle zusammengeschlossen und wollen durch Öffentlichkeitsarbeit und Aushandlung mit der Politik, bessere Bedingungen für die Szene schaffen.
Petra Niemeyer kennt diese Probleme aus der Praxis nur zu gut: „Wir betreiben seit 30 Jahren eigentlich Mangelverwaltung. Finanziell und personell. Grundsätzlich brauchen wir mehr Geld. Und auch eine Verstetigung. Also wenn ein Projekt gut läuft, soll es verstetigt werden, anstatt dass immer neue Anträge geschrieben werden müssen.“ Niemeyer merkt an: „Es gibt so viele Erwartungen an uns. Der Stadtteilkultur wird eine große Bedeutung beim Einsatz gegen das Auseinanderdriften der Gesellschaft zugeschrieben, weil sie in der Lage ist, Brücken zu bauen. Doch diese Bedeutung findet sich leider oftmals nicht in der Entlohnung der Mitarbeiter*innen wieder.“

LED-WandSonnengelber Schutz bei jedem Wetter: Die neue Hof-Überdachung in der LOLA

© Pia Sollmann

Förderanträge und Bauchschmerzen

Durch die allgemeine Überlastung und die Personalknappheit waren auch die umfangreichen Anträge für die Mittel von NEUSTART KULTUR nicht immer einfach zu bewältigen. „Bundesrecht ist viel schärfer als Landesrecht.“, sagt Petra Niemeyer. Wegen des Vergaberechts hatte das Team oftmals Bauchschmerzen, weil immer die Sorge dagewesen sei, nicht alles richtig zu machen. Zudem war es nicht möglich, verbindliche Kostenvoranschläge zu bekommen, da weder Preise konstant noch Lieferzeiten bekannt waren und sind. Die pandemiebedingte Senkung der Schwellwerte für eine erforderliche Vergabe hat hier offenbar nur wenig geholfen, ursprüngliche Kostenplanungen waren sehr schnell hinfällig, der Eigenmittelanteil dadurch automatisch höher.
Das bei staatlichen Mitteln alles ordentlich kontrolliert und abgerechnet wird, findet Niemeyer richtig, aber der Aufwand stehe oftmals nicht im Verhältnis.
Mit dem Bundesverband Soziokultur als mittelausgebende Stelle war Petra Niemeyer aber dennoch sehr zufrieden: „Das war besser als jede Bundesbehörde oder das Finanzamt. Sie haben ja ein Gefühl für die Arbeit, die wir machen und haben uns stets bestens informiert.“

Auch über die geförderte Hofüberdachung sind Petra Niemeyer und das LOLA Team sehr glücklich. Mit der Bühne können Veranstaltungen jetzt auch bei schlechtem Wetter draußen stattfinden und man kann auch kurzfristig umdisponieren: „Da lacht natürlich mein Herz als Veranstalterin, wenn man alles ganz flexibel und kreativ bespielen kann.“
Die nächsten Probleme wie Inflation und Energiekosten stehen schon vor der Tür. Niemeyer glaubt, dass ihre zehn letzten Berufsjahre die schwersten sein werden. Aber trotz aller Schwierigkeiten, macht die Arbeit ihr und den Kolleg*innen einfach auch extrem viel Spaß – sonst würde das einfach niemand machen.

 

In unserer Videoreihe Förder-ABC präsentieren wir euch wissenswerte und hilfreiche Informationen rund um die Förderung. In Folge 7 demonstriert Hanna, wie Rückzahlungen über das Online-Antragsportal getätigt werden können.

Der Bundesverband Soziokultur unterstützt nach Abschluss der Antragsprüfung von NEUSTART KULTUR 1737 Kulturprojekte mit 73,2 Millionen Euro. 784 Projekte erhalten eine Förderung in Höhe von 39,7 Millionen Euro für investive Maßnahmen. Für eine pandemiegerechte und zukunftsweisende Programmarbeit gehen an 953 Projekte 33,5 Millionen Euro. Weitere Zahlen und Informationen zu NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur unter soziokultur.neustartkultur.de.

Der Bundesverband Soziokultur hat 2020 und 2021 zwei Ausschreibungen für NEUSTART KULTUR durchgeführt. Die Antragsprüfung der zweiten Ausschreibung ist seit Juli 2022 abgeschlossen. Damit befinden sich alle geförderten Projekte in der Durchführung beziehungsweise Abrechnung.

Georg Halupczok, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Soziokultur: „NEUSTART KULTUR hat in den letzten zwei Jahren Großes für den Erhalt der Kultur geleistet. So auch für die stark vom Ehrenamt geprägte Soziokultur, die durch die Pandemie besonders belastet und gefährdet war – und es noch immer ist. Die bereitgestellten investiven Mittel sind in soziokulturellen Zentren mit ihren besonderen baulichen Herausforderungen genauso bedeutsam wie die Sicherung der Programmarbeit, nicht zuletzt um die Eigenerwirtschaftung zu stabilisieren.“

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) stellt für das Rettungs- und Zukunftsprogramm NEUSTART KULTUR zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Umgesetzt wird das Förderprogramm von rund 40 Kulturverbänden, -fonds und weiteren Organisationen in 74 spartenspezifischen Einzelprogrammen.

Der Bundesverband Soziokultur führt für den Programmteil „Pandemiebedingte Investitionen in Kultureinrichtungen zur Erhaltung und Stärkung der bundesweit bedeutenden Kulturlandschaft“ und den Programmteil „Erhaltung und Stärkung der Kulturinfrastruktur und Nothilfen“ zwei Förderungen durch:
In NEUSTART KULTUR – Zentren werden soziokulturelle Zentren, Kulturzentren und Literaturhäuser bei pandemiebedingten Umbau-, Modernisierungs- und Ausstattungsmaßnahmen unterstützt.
NEUSTART KULTUR – Programm richtet sich an soziokulturelle Zentren, Kulturzentren und Initiativen, um die Programmarbeit während der Pandemie aufrechtzuerhalten und die Resilienz gegenüber Pandemien zu stärken.

Beispiele für geförderte Projekte sind in Wort, Bild, Film und Ton auf Instagram, Facebook und hier im Blog zu finden.

Von der betreuten Google-Suche über gemeinsames Gurkenschnibbeln bis hin zu Yoga auf Englisch und Ukrainisch – das alles ist Soziokultur beim Drop In e.V. Förderreferentin Pia hat den Verein für Jugendarbeit auf dem Berliner RAW-Gelände besucht. Dort hat sie erfahren, was die Mitarbeitenden mit den NEUSTART KULTUR-Mitteln für ein tolles Programm auf die Beine gestellt haben.

Es knirscht unter den Reifen, als ich mit dem Fahrrad über die mit Scherben übersäten Pflastersteine auf dem Berliner RAW-Gelände rolle. Wo nachts überschwänglich miteinander angestoßen wird und dabei ab und zu eine Flasche zu Bruch geht, kann man tagsüber ganz viel Soziokultur und Sport erleben.

Der Drop In e.V., den ich heute besuche, liegt etwas versteckt zwischen der Skatehalle und einem Klangkunstmuseum. Die soziokulturellen Einrichtungen auf dem RAW-Gelände sind in L-Form angesiedelt. Sie werden auch als ‚Soziokulturelles L‘ bezeichnet. Viele der kulturellen Mieter*innen auf dem Areal müssen ab 2024 neuen Bebauungsplänen weichen. Das ‚Soziokulturelle L‘ konnte glücklicherweise ein Bleiberecht für die nächsten 30 Jahre erwirken.

Willkommen im offenen Jugendtreff

Die Mitarbeiter*innen Jens Lewandowski, Dominik Aurbach und Kristina Werth empfangen mich im liebevoll und bunt gestalteten Innenhof der Räumlichkeiten des Vereins. „Hier, das haben wir alles im Upcycling-Workshop mit den Jugendlichen so toll hergerichtet. Wurde auch von euch, von NEUSTAT KULTUR gefördert“, erklärt Jens und zeigt auf die mit Blumen bepflanzten Paletten vor einer frisch gestrichenen weißen Wand. „Und hier ist dann auch noch Platz für den Graffiti-Workshop, der noch ansteht“.

LüftungsanlageDiese Wand wurde im von NEUSTART KULTUR geförderten Workshop upgecycelt

© NEUSTART KULTUR

Der Drop In e.V. ist ein offener Jugendtreff. Ab 13 Uhr können Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 26 Jahre hier vorbeikommen und ihre Freizeit verbringen. Dafür steht ihnen ein Wohnzimmer mit Kicker, Sofa, einem gefüllten Bücherregal und ein Fernseher, auf dem Skate-Tricks gezeigt werden, zur Verfügung. Daneben gibt‘s einen Sportraum mit Boxsack und Yogamatten und unterm Dach einen Arbeits- und Workshopraum mit Kamin. Im Winter kann man hier ganz gemütlich bei Feuerknistern Filme auf der Leinwand schauen. Und natürlich gibt’s nebenan die Skatehalle, mit der der Verein kooperiert und in der die Jugendlichen auch immer willkommen sind.

LüftungsanlageIm Winter kann das gemütliche Wohnzimmer mit Kicker und Couch hoffentlich weiter genutzt werden

© NEUSTART KULTUR

„Da wir ein offener Treff sind, weiß man nie was passiert“, sagt Jens. Manche Jugendliche wollen einfach den Raum nutzen, andere brauchen Hilfe bei den Hausaufgaben. „Manchmal machen wir dann auch eine betreute Google-Suche, das ist für einige gar nicht so einfach“. Auch beim Vereinbaren von Terminen bei Ärzt*innen leisten die Sozialarbeiter*innen Unterstützung. „Manchmal trauen sich die Jugendlichen wegen ihrer Deutschkenntnisse nicht, selbst dort anzurufen, obwohl das Deutsch meistens schon total gut ist“, bemerkt Dominik. Viele der Besucher*innen des Jugendtreffs haben eine Flucht- oder Migrationsgeschichte und nutzen auch gerne die angebotenen Deutschkurse des Drop In e.V.

Neues Angebot für Jugendliche aus der Ukraine

„Heute, am Mittwoch, ist zum Beispiel Ukraine-Tag“, betont Jens. „Wir haben das Glück, Sveta, eine ukrainische Übersetzerin bei uns zu haben, die selbst auch erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen ist. Wir sind zwar vernetzt im Sozialraum, aber dass die neu angekommenen Jugendlichen zu uns finden, ist oft nur über direkte Kontakte möglich. Viele sind ja noch gar nicht angebunden und warten auf Schulplätze.“ Mittwochs bringt Sveta nun oft neue Interessierte mit zum Drop In e.V., hilft ihnen sprachlich und gibt auch Yogakurse auf Englisch und Ukrainisch.

Jugendarbeit in der Pandemie

Die digitalen Angebote des Drop In e.V. während der coronabedingten Einschränkungen wurden leider nicht gut angenommen. Jens erklärt, dass es vor allem daran lag, dass die niedrigschwellige Komponente, die die Jugendarbeit ausmacht „Einfach vorbeikommen und mitmachen“ nicht mehr gegeben war. Außerdem fehle vielen Jugendlichen, von denen einige in Gemeinschaftsunterkünften wohnen, die Infrastruktur – ein ruhiger Ort und ein PC – um an solchen Angeboten teilzunehmen.
Durch NEUSTART KULTUR hat der Drop In e. V. nun verschiedene mehrwöchige Workshops gefördert bekommen, die den Jugendlichen – zurück im Offline-Jugendtreff vor Ort! – nun den Sommer verschönern sollen: einen Foto- und einen Podcast-Workshop, einen zu Upcycling, zu Graffiti sowie einen Ernährungsworkshop.

LüftungsanlageIm Innenhof ist Platz für Austausch, Lernen und gemeinsames Essen

© NEUSTART KULTUR

Gesundes Kochen – für Austausch und Spracherwerb

Der Ernährungsworkshop jeden Dienstag kommt richtig gut an. „Kochen ist die einfachste und schönste Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Zugang zur Kultur und Gesellschaft zu bekommen“, schwärmt Dominik. „Wir versuchen grundsätzlich alles vegan und vegetarisch zu machen, dann ist alles koscher und halal und wir müssen uns darüber erst einmal nicht auseinandersetzen.“
Im Workshop lernen die Jugendlichen, was gesunde Ernährung ausmacht, was man zusammen kocht, was zusammenpasst, wie man eine Gurke schneidet und warum am Ende noch Salz ans Essen kommt. Krisi berichtet: „Wir sprechen auch über saisonales Essen, also was gibt es jetzt gerade in Deutschland. Da kann man zu Zeit ganz viel mit Erdbeeren und Spargel machen. Und Mülltrennung ist auch immer ein Thema, das gibt es ja nicht überall“.

Der Ernährungsworkshop ergänze sich auch toll mit den Deutschkursen, berichtet Dominik: „Wir erzählen den Lehrkräften, was wir kochen und die können das dann im Unterricht vorab einbauen und Wortfelder üben – auf mehreren Ebenen lernt es sich viel besser“. Aber Interdisziplinarität hin oder her: Das tollste ist natürlich, wenn später dann alle zusammensitzen und essen und merken, wie gut das gesunde Essen schmeckt.
„Wir sind so glücklich, dass jetzt alles so gut läuft“, sagt Jens abschließend. „Das wollen wir und die Teilnehmer jetzt den Sommer über ausnutzen und genießen. Wer weiß was im Winter wieder kommt.“

In unserer Videoreihe Förder-ABC präsentieren wir euch wissenswerte und hilfreiche Informationen rund um die Förderung. In Folge 6 demonstriert Anna, wie Fördermittel über das Online-Antragsportal abgerufen werden können.

Wo früher Steinkohle gefördert wurde, locken heute zahlreiche Kulturveranstaltungen Besucher*innen auf das Gelände des Kulturreviers Radbod. Die ehemalige Zeche ist seit 2001 ein Ort des künstlerischen Schaffens und kulturellen Austausches. Förderreferent Ingo hat das soziokulturelle Zentrum im westfälischen Hamm besucht.

Als ich im Kulturrevier Radbod eintreffe, empfängt mich ein reges Treiben. Die Vorbereitungen für ein Street Food Festival laufen. Die Essensstände sind im Aufbau oder heizen schon die Öfen vor. Das alte Backsteingebäude mit Industriecharme wirkt robust, aber durch große Fenster und viel Freifläche drum herum sehr freundlich und einladend. Man spürt sofort, hier ist ein Ort für Partys, Kultur und alle möglichen Veranstaltungen. In strahlendem Sonnenschein, der alte Förderturm wirft seinen Schatten auf das Gelände, werde ich sehr herzlich von den Betreibern Lisa Wothe und Sven Kirner begrüßt. Bei lockerer Gesprächsatmosphäre und Kaffee vergeht die Zeit wie im Flug.

Förderatelier mit Entfaltungsmöglichkeiten

Ich bin sehr neugierig auf die geförderten Investitionen. Nach einem kurzen Kennenlernen gehen wir durch das alte Gebäude voller interessanter Ecken und Winkel. Im Erdgeschoss betrachten wir die Veranstaltungsräume und Gastronomie. „Hier werden regelmäßig Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Partys, Aufführungen und Workshops angeboten“, berichtet Sven Kirner.

LüftungsanlageBei „Radbod liest!“ verwandelt sich die Gastronomie des Kulturreviers in ein schummrig-schönes Wohnzimmer

© Jugend und Kultur e.V.

In der oberen Atelieretage betrachten wir – oder betrachten uns – großformatige Portaits, die noch von der letzten Ausstellung dort aufgehängt sind. Hier arbeiten mehrere namhafte lokale Künstler*innen. In regelmäßigen Abständen finden Ausstellungen statt und einmal im Jahr laden die Künstler*innen interessierte Besucher*innen zum „Tag der Offenen Ateliers“ ein. Besonders stolz ist man im Kulturrevier auf das „Förderatelier“, in dem aufstrebende Künstler*innen vollkommen miet- und kostenfrei Entfaltungsmöglichkeiten finden. Leider sind die Räume während meines Besuchs unbenutzt, aber die Schilderungen Kirners von erfolgreichen Ausstellungen und Workshops in dieser Etage lassen mich die Stimmung bei Normalbetrieb erspüren.

Radbod rockt!

Jeder Winkel des Baus wird genutzt, nicht zuletzt als Proberäume für Bands der Region. Regelmäßig präsentieren sich die ansässigen Bands bei Konzerten der Reihe „Radbod Rockt“ auf der Bühne
Unser Rundgang endet auf dem Außengelände auf dem sich mittlerweile ein buntes kulinarisches Angebot und erste Besucher*innengruppen tummeln. Hier locken verschiedene Feste, Festivals oder auch Märkte Besucher*innen an.

Open Air-Festival Run for CoverDie AC/DC-Coverband „AB/CD“ beim Open Air-Festival „Run for Cover“

© Jugend und Kultur e.V.

Bei kalten Getränken im Sonnenschein erfahre ich von Lisa Wothe noch mehr über die Arbeit des Kulturreviers Radbod: „Wir legen Wert darauf, Besucher jeden Alters anzusprechen und auf Abwechslung und Vielfalt. Etwa 15.000 Besucher*innen nehmen an den jährlich über 100 Veranstaltungen des Kulturreviers teil. Vom Heavy Metal-Nachwuchskonzert bis hin zum Seniorentanz, es ist für jede*n etwas dabei“. Da man mich hier so entspannt empfängt und Wetter und Gerüche passen, kommt bei mir tatsächlich Festival-Atmosphäre auf. Und es freut mich, dass wir über NEUSTART KULTUR – Programm das Kulturzentrum dabei unterstützen, den Veranstaltungen nach der Corona-Pause neues Leben einzuhauchen und neue Formate zu entwickeln.

Pandemie bedeutet auch: Man weiß nie, was als nächstes kommt

Wie überall hat auch hier die Pandemie große Probleme mit sich gebracht. Mit viel Engagement und Herzblut wird hier Kultur gemacht und die Herausforderungen schienen vorerst übergroß. Es konnten jedoch durch den Erstantrag NEUSTART KULTUR – Zentren u. a. Bühnenelemente finanziert werden, die flexibel die vorhandene Bühne ergänzen oder auch für Veranstaltungen in den Außenbereich nutzbar sind. Auf dieser Veranstaltungsfläche bieten seitdem Tische und Stühle feste Sitzplätze und damit genügend Abstände zwischen den Besucher*innen. Im Sommer draußen – an kühleren Tagen drinnen – können alle Neuanschaffungen flexibel genutzt werden und für jedes Veranstaltungsformat passend arrangiert werden. Die schlauen Konzepte und kreativen Lösungen des Teams machten mit überschaubaren Investitionen vieles möglich. Die Arbeit und verschiedene Veranstaltungen konnten weitergehen.

Dennoch brachte die Pandemie eine sich ständig verändernde Situation hervor und dauert schlicht viel länger, als zu erwarten war. Das bringt auch neue Schwierigkeiten und erfordert weitere Investitionen. Deshalb nutzte das Kulturrevier die Möglichkeit einer Aufstockung bei NEUSTART KULTUR – Zentren, um die Beleuchtung des Außengeländes zu optimieren. Nun sind mehr Veranstaltungen auch schon im Frühjahr und Spätherbst auf dem Außengelände möglich, da für sichere und ansprechende Beleuchtung in allen Ecken gesorgt ist.

Trotz guter Kooperation ist die finanzielle Ausstattung des Kulturreviers nie fürstlich gewesen. Deshalb freut es mich, dass wir diesen besonderen Kulturort – soweit im Rahmen von NEUSTART KULTUR möglich – unterstützen können. Mit ihrer Professionalität und immer der richtigen Idee zur richtigen Zeit werden die Betreibern bestimmt noch lange viele schöne Erlebnisse ermöglichen. Ich bin sicher, der Optimismus und die Tatkraft werden hier nicht so schnell ausgehen.

Ein Herzlicher Dank gilt dem Team für ihr Engagement und ihre Freundlichkeit bei meinem Besuch.


Autor: Ingo Nachtigall