Wenn selbständige Künstler*innen engagiert werden, ist die Künstlersozialabgabe an die Künstlersozialkasse (KSK) zu zahlen. Luise erklärt in Folge 12, wie die Abgabe bei NEUSTART KULTUR – Programm abgerechnet werden kann.


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Auf der Website der KSK findet ihr eine beispielhafte Aufzählung von abgabepflichtigen künstlerischen und publizistischen Tätigkeiten.

Wer bei NEUSTART KULTUR – Programm gefördert wird, kann anteilig Grundkosten für das geförderte Vorhaben abrechnen. Wie das funktioniert, erklärt Luise in Folge 11 des Förder-ABC.


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Das Musterformular für den Nachweis von Ausgaben für Grundkosten findet ihr im Downloadbereich.

 

Künstler*innen verzweifeln an der schlechten Auftragslage, Spielstätten am anhaltenden Publikumsschwund. Der Kultur stehen schwierige Zeiten bevor. Wir haben mit Ulrich Bildstein und Franck-Thomas Link vom Hamburger Kammerkunstverein e. V. über Klassik an ungewöhnlichen Orten, das Auslaufen der Corona-Förderprogramme und über die Entwöhnung von Kultur gesprochen.

Robert Schumanns Klavierstück Vogel als Prophet erklingt aus einem geöffneten Fenster im Hamburger Oberhafen und wird von einer leichten Augustbrise über der Hafencity verteilt. Vor dem Fenster steht in einem zweckmäßig eingerichteten Aufenthaltsraum des Hamburger Kammerkunstvereins Geschäftsführer Ulrich Bildstein mit, für ein Ensemblemitglied der Berlin Comedian Harmonists ungewohntem, windzerzausten Haar. Auf der beigen, leicht abgenutzten Couch vor ihm sitzt Pianist und künstlerischer Leiter „Thommy“ Franck-Thomas Link, der mit seiner ruhigen Art die Emotionalität seines Kompagnons bestens ergänzt.

GruppenbildNEUSTART KULTUR zu Besuch beim Hamburger Kammerkunstverein

Zum Feierabend Klassik

Der Verein bewegt sich abseits des subventionierten Klassikbetriebs. Kammermusik, Gesang, Theater, Lesungen sind Bestandteil des Programms. Ein kürzlich abgeschlossenes Projekt widmete sich Texten des französischen Schriftstellers Marcel Proust. „Daraus haben wir eine Lesung gemacht und das ist bei Proust immer viel verbunden mit Musik“, erinnert sich Link an das Programm, bei dem sich wiederentdeckte und 2019 veröffentlichte Texte des Autors mit Gesang und Geige verwoben.

Die Kammerkunst-Familie begegnet ihrem Publikum auf Augenhöhe; will Kunst und Kultur möglichst Vielen erlebbar machen und in Austausch treten. Mit den Lunch- und Feierabendkonzerten organisiert der Verein monatlich zwei beliebte, niedrigschwellige Reihen an ungewöhnlichen Orten: zur Mittagszeit – bei freiem Eintritt – in der geschichtsträchtigen Handelskammer Hamburg, in den Abendstunden in einer Industrielagerhalle unweit ihres Vereinssitzes im Oberhafen. Während das 401te Lunchkonzert wegen Umbauarbeiten noch auf seine Aufführung warten muss, laufen die Feierabendkonzerte auch dank der Förderung von NEUSTART KULTUR nach der Corona-Pause weiter. „Wir versuchen, die Hochkultur in diesem Clash mit der Industriekulisse zu verbinden und das mögen die Leute“, sagt Bildstein und sein Kollege Link fügt hinzu: „Viele Leute, die sonst vorher nichts mit klassischer Musik zu tun gehabt haben, werden bei uns angefixt.“

FeierabendkonzertZum Feierabend Klassik im Hamburger Kreativ- und Kulturquartier Oberhafen

© Hamburger Kammerkunstverein

Förderprogramme laufen aus

Die Klaviermusik, die zart aus einem benachbarten Raum durch die Vereinsräume flattert, wird abrupt vom Rattern eines vorbeifahrenden Zuges erstickt. Bildstein schließt das Fenster und prophezeit: „Die saure Gurkenzeit kommt erst noch.“ Bildstein ist Schauspieler, Sänger und Kulturmanager, ein Kenner der Kulturszene. Ihn erreichen in diesen Wochen Anrufe von überforderten Künstler*innen, die an der schlechten Auftragslage verzweifeln. Die Corona-Hilfen hatten nach dem Ende der kulturellen Zwangspause bei vielen Kulturschaffenden für gut gefüllte Auftragsbücher gesorgt. Vieles konnte nachgeholt werden, was die Pandemie verschoben hatte. „Was nicht bei drei auf den Bäumen war, wurde gefördert. Was auch gut war“, sagt Bildstein begleitet von Schumanns Vogelgezwitscher. Doch die Förderprogramme laufen aus. Zahlreiche Projekte, die durch die Corona-Programme angestoßen wurden, suchen nach einer Weiterfinanzierung, Künstler*innen nach Aufträgen.

Diese Entwicklung konterkariert, was Förderprogramme wie NEUSTART KULTUR während der vergangenen zwei Jahre für den Erhalt der kulturellen Vielfalt geleistet haben. Dies muss auch nach dem Auslaufen der Programme Bestand haben. Denn ein Weniger an kultureller Vielfalt schadet dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Widerstandsfähigkeit gegenüber allgegenwärtigen Krisen.

Entwöhnung von Kultur

Zusätzlich bereitet der anhaltende Publikumsschwund große Probleme. Spielstätten, selbst große Häuser, verzeichnen einen fünfzigprozentigen Rückgang der Zuschauer*innenzahlen. Auch bei den Konzerten des Kammermusikvereins bleibt die Hälfte der Plätze immer noch leer. „Die Leute trauen sich nicht. Die Oma, die zwei Jahre nicht im Konzert war, kommt nicht mehr, hat ihr Abo gekündigt“, erklärt sich Bildstein die Situation und fährt fort: “Es ist nicht wie Brot essen, wenn diese Idee von ‚Ich geh ins Konzert‘ mal abbaut, dann verkümmert die auch, auch das soziale Miteinander verkümmert.“ Diese Entwöhnung von Kultur betrifft alle Kulturveranstalter*innen. Ob in Konzertsälen, Theatern, Kinos und Kulturzentren: überall bleiben Plätze leer. Für Bildstein stehen die Konsequenzen für die kulturelle Vielfalt fest: „Dann fliegt halt raus, was kein Erfolgsgarant ist.“ Weniger Stücke, mehr Mainstream – nicht nur Bildstein und Link muss das missfallen. Bleibt zu hoffen, dass der Publikumsschwund nur eine vorübergehende Begleiterscheinung der anhaltenden Pandemie ist.

Wenige Schritte vom Aufenthaltsraum entfernt, den schmalen, mit grauem Linoleum ausgelegten Gang hinunter, sitzt Pianist Nicholas Ashton am Flügel. Mit britischem Akzent kündigt er sein nächstes Stück an: „Ich spiele gerade ein Stück von Dauquin, ein französischer Barockkomponist. Ein ganz schönes Stück. Es heißt Le Coucou, Der Kuckuck.“ Der Kuckuck gilt als Wahrsager unter den Tieren.

Nicholas Ashton spielt einen Ausschnitt aus „Vogel als Prophet“

Wenn ihr Musik öffentlich nutzt, müsst ihr Veranstaltungen bei der GEMA anmelden und Gebühren bezahlen. Wenn diese in Verbindung mit eurem geförderten Projekt anfallen, könnt ihr sie abrechnen. Luise erklärt in Folge 10 des Förder-ABCs, worauf dabei zu achten ist.

Wie rechne ich Personalkosten ab? Was bedeuten Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit in der Praxis? Welche Fristen muss ich beachten? Diese und weitere Fragen, die sich unseren geförderten Projektakteur*innen während der Projektdurchführung stellen, greifen wir in der monatlichen Infoveranstaltung „Fragen rund ums Geld“ auf.

In der zweistündigen Videokonferenz werden Fragen zur Förderung bei Programm 2 und Zentren 2 von den jeweiligen Projektteams besprochen. Zudem können Projektakteur*innen individuelle Fragen stellen.
Den Einladungslink erhalten Geförderte bei Programm 2 und Zentren 2 ca. eine Woche vor der jeweiligen Veranstaltung.

Kommende Termine:

6. Oktober 2022 | 16-18 Uhr

Begleitend zur Veranstaltung veröffentlichen wir das Förder-ABC. In den kurzen Video-Clips stellen wir einzelne Themen aus „Fragen rund ums Geld“ vor. Bisher sind folgende Clips verfügbar:

Folge 1: förderunschädlicher vorzeitiger Maßnahmebeginn

Folge 2: Vertragserhalt

Folge 3: Mittelabruf-Fristen Programm 2

Folge 4: Mittelabruf-Fristen Zentren 2

Folge 5: Erstattung von Vorleistung

Folge 6: Mittelabruf über Online-Antragsportal

Folge 7: Rückzahlung über Online-Antragsportal

Folge 8: Abrechnung von Ausgaben für Personalkosten

Folge 9: Lebenszykluskostenansatz

Folge 10: Abrechnung von GEMA-Gebühren

Franziska widmet sich in Folge 9 des Förder-ABCs dem Thema Nachhaltigkeit bei NEUSTART KULTUR – Zentren. Sie stellt den Lebenszykluskostenansatz vor, mit dem nachhaltige Produktentscheidungen getroffen und begründet werden können.

Bei NEUSTART KULTUR – Zentren können für geförderte Vorhaben ökologisch sinnvolle Produkte angeschafft werden. Mit dem Lebenszykluskostenansatz werden Produkte verglichen und berechnet, welches Produkt über die gesamte Nutzungsdauer – und nicht nur bei den Anschaffungskosten – günstiger ist. Diese Berechnung kann als Begründung für Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit bei der Anschaffung verwendet werden. Dieser Ansatz ist auch für kommende Förderungen ein nützliches Instrument, um nachhaltige Produktentscheidungen zu treffen und zu begründen.


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Excel-Tool Umweltbundesamt zur Berechnung von Lebenszykluskosten

Auf dem Sodenmattseefest im Bremer Stadtteil Huchting präsentieren ortsansässige Vereine und Einrichtungen am Samstag vor den Sommerferien sich und ihre Arbeit. Die m:edienwerkstatt Huchting ist mit einem Autoanhänger vor Ort, den sie zur Medienstation mit LED-Wand ausgebaut haben.

Über 150 Fragen zum Thema Würde sind in den Workshops zusammengekommen, die vom k:ulturladen und der m:edienwerkstatt Huchting in Kooperation durchgeführt wurden. Die Teilnehmenden haben sich dem Thema WÜRDE von unterschiedlichen Seiten angenähert. Aus der ganz persönlichen Fragestellung „Was bedeutet Würde für dich?“ sind schließlich Einzelportraits entstanden, die unterschiedliche Sichtweisen, Erfahrungen und Geschichten zum Ausdruck bringen. „Künstlerische Biographiearbeit“, fasst Vera Zimmermann vom k:ulturladen Huchting den Grundsatz der Arbeit im Quartier zusammen und Claudius Joecke von der m:edienwerkstatt fügt hinzu: „Dieses Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen unterschiedlicher Religions- und Kulturzugehörigkeit in ihrer Würde mit ihren Werten in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen.“

LED-WandDie geförderte LED-Wand macht Menschen in ihrer Würde sichtbar

Würde sichtbar machen

Unterstützt wird die Arbeit seit kurzem durch einen Medienanhänger, der unterschiedlich genutzt werden kann. Auf dem Stadtteilfest am Sodenmattsee kommt erstmalig auch die auf dem Anhänger installierte LED-Wand zum Einsatz, die mit der Unterstützung des Förderprogramms NEUSTART KULTUR – Zentren 2 angeschafft werden konnte. Die Festbesucher*innen können darauf die erarbeiteten Portraits mit persönlichen Statements zum Thema WÜRDE sehen. Wie zum Beispiel von der 1975 in Ghana geborenen Stella B. A.: „WÜRDE bedeutet für mich, meine WERTE leben zu können – Familie, Empathie und Respekt, aber auch selbst auf meine Bedürfnisse zu achten und mir meiner Kraft bewusst zu sein.“

Ein mobiler Ort im Außenraum

„Diese Bildqualität könnte von einem Beamer bei Tageslicht niemals erreicht werden“, erklärt Tristan Rusch von der m:edienwerkstatt. Der Anhänger hat aber noch mehr zu bieten: Module, die heute als Zuschauerbänke vor dem Anhänger stehen, können auch als Sitzgruppe im Anhänger aufgebaut werden, so dass hier ein kleiner Raum entsteht, in dem in Kleingruppen zusammengearbeitet werden kann. Ein mobiler Ort im Außenraum also, an dem Menschen zusammenkommen, diskutieren und neue Medienbeiträge entstehen können. Gerade die Nutzung des Außenraums wurde während der Corona-Pandemie notwendig – hier können Abstandsregelungen am besten eingehalten und die Ansteckungsgefahr reduziert werden.

Bühne SodenmattseefestDas Stadtteilorchester „insan…popular“ auf dem Sodenmattseefest, moderiert von Claudius Joeke

Vertrauen ermöglicht Begegnung

Das Netzwerk mit dem die m:edienwerkstatt in Huchting kooperiert, kommt nun schon seit 23 Jahren hier zum Sodenmattseefest zusammen. Eine langjährige Zusammenarbeit, die durch seine Kontinuität eine Vertrauensbasis geschaffen hat und gerade deshalb Begegnungen von Menschen mit unterschiedlicher Altersstruktur und Biographie unkompliziert ermöglicht. Heute spielt z. B. das interkulturelle Stadtteilorchester des k:ulturladen „insan…popular“, das mit verschiedenen Musiker*innen im Quartier kooperiert und damit Lieder aus unterschiedlichen Kulturen und Sprachen auf die Bühne bringt. Auch der Ortsamtsleiter Christian Schesselmann ist regelmäßiger Gast beim Musizieren. Einen besonderen Vertrauensbeweis erbringt an diesem Tag die Ayasofya Moschee von Huchting, die trotz des Opferfestes, das traditionell innerhalb der Familie gefeiert wird, mit einem Stand vertreten ist und Leckereien anbietet. Die Qualität der Zusammenarbeit im Quartier wird auch durch die Vielstimmigkeit deutlich, die in den Medienbeiträgen der m:edienwerkstatt entsteht: Hier kommen Neubremer*innen ebenso zu Wort wie Akteur*innen der Lokalpolitik.


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Wer mehr von der m.edienwerkstatt hören möchte, ist eingeladen, sich die Podcastreihe (R)EINHÖREN eine interkulturelle Podcastreihe von, mit und für Migrant:innen anzuhören, die im Rahmen von NEUSTART KULTUR-Programm 2 entsteht.

Vom 25.8. bis zum 4.9.2022 veranstaltet der k:ulturladen Huchting eine Ausstellung zum Thema WÜRDE, in der 103 Menschen porträtiert werden.

tanzbar_bremen e.V. ist ein inklusives Kollektiv für zeitgenössischen Tanz. Sie tanzen überall: auf der Straße, der Bühne, überregional und international. Und das auf Augenhöhe. Auch während Corona.

„Blitzlichter“ entstand als kreative Antwort auf die Corona-Pandemie. Dabei war das künstlerische Format gar nicht als solches geplant, sondern entstand durch die äußeren Gegebenheiten. „Es ging erstmal darum, wie können wir überhaupt weiterarbeiten“, erinnert sich Adriana Könnemann, freie Mitarbeiterin von tanzbar_bremen. Verfügbare Möglichkeiten wurden ausgelotet und genutzt, damit weitergetanzt und performt werden konnte. Für regelmäßige Treffen stand der öffentliche Raum zur Verfügung, das allerdings nur auf Abstand und zeitweise nur zu zweit. Kurze Choreographien sind so entstanden, die eine besondere Nähe zum Alltag der Menschen im Bremer Stadtraum erzeugten. „Es ging nicht um einen Unterhaltungsfaktor, sondern um ein Auftauchen, ein ‚Blitzlicht‘ im Alltag der Menschen“, erklärt Teamleiterin Corinna Mindt.

Begegnung auf Augenhöhe

Corinna Mindt und Günther Grollitsch gehören zu den Gründungsmitgliedern von tanzbar_bremen, ein inklusives Kollektiv für zeitgenössischen Tanz in Bremen, das inzwischen auf ein über fünfzehnjähriges Bestehen zurückblicken kann. Hier entstehen große und kleine Bühnentanzproduktionen, Straßentheaterstücke und Performances im öffentlichen Raum. Zusätzlich gibt es Aufführungen von und für Kinder und Projekte mit Laiendarsteller*innen. Leitbild des künstlerischen Prozesses und der Zusammenarbeit ist dabei die Begegnung auf Augenhöhe, auf dieser Grundlage werden Projekte seit der Gründung in 2009 regelmäßig realisiert, aktuell besteht tanzbar_bremen aus einem mixed-abled Kernteam von acht festangestellten Mitarbeiter*innen sowie einem großen Pool aus freien Mitarbeiter*innen.

Verlässliche Strukturen

Für den Verein war es von Beginn an  eine große Herausforderung , seine Angebote nur dezentral durchzuführen, da keine eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung standen. Proberäume mussten temporär angemietet werden. „Barrierefreie Proberäume in Bremen zu finden ist gar nicht so einfach“, erzählt Günther Grollitsch, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Kompanie. Denn häufig sind zwar die Veranstaltungsräume barrierefrei zugänglich, nicht aber die Räumlichkeiten, die zum Training und zur Probe genutzt werden. Gerade für niedrigschwellige Kulturangebote ist es jedoch ein wichtiger Faktor, dass verlässliche Strukturen vorhanden sind, dazu gehören ganz praktisch zum Beispiel gleichbleibende Wege zum Training. Verlässliche Strukturen hat tanzbar_bremen aber trotz der prekären Lage auf einer anderen Ebene aufbauen können: Durch die Umsetzung und Konzeption von Modellprojekten im kulturellen Bereich ist ein beständiges Netzwerk aus Tänzer*innen mit und ohne Behinderung gewachsen, das wiederum eigene Themen setzt, neue Projekte entwickelt und damit die Teilhabe stärkt.

Anerkennung und Selbstbewusstsein

Beispielhaft ist da das Bremer Modellprojekt „KompeTanz“ zu nennen, das in den Jahren 2015 bis 2018 durchgeführt werden konnte. Hier wurden junge Menschen mit kognititiver Beeinträchtigung durch Tanz, Sprache und persönliche Coachings begleitet, um auf dem Arbeitsmarkt einen passgenauen Arbeitsplatz zu finden. Zu den Produktionen, die in diesem Rahmen entstanden sind, gehört auch „Ballroom Busters“, die Premiere war 2018 auf dem La Strada International street performance festival in Bremen zu sehen.

BallroombustersBallroom Busters zeigt zeitgenössische Straßentanzkunst über das miteinander Tanzen

© Daniela Buchholz

Der Erfolg des Projekts spiegelt sich auch in dem Selbstbewusstsein, mit dem die Künstler*innen ihrer Umwelt entgegentreten. Neele Buchholz wagte nach der Teilnahme am Projekt den Schritt in die Selbstständigkeit und ist nun als selbstständige Tänzerin aktiv, die in unterschiedlichen Ensembles mitwirkt. Auch Tänzer Oskar Spatz berichtet davon, inzwischen in unterschiedlichen Produktionen mitzuwirken: „Ich finde es schön, wenn man mich als Tänzer anerkennt.“ Und Günther Grollitsch fasst den Prozess zusammen: „Die Professionalisierung geschieht im Tun.“

Niedrigschwelliger Zugang

Dabei ist es eine besondere Aufgabe, potentiellen Förderer*innen die Kulturarbeit mit niedrigschwelligem Zugang zu vermitteln „Ist das, was ihr macht, Kultur oder Soziales?“ ist da häufig die Rückfrage. Auch die Tanzexpertin und Journalistin Elisabeth Nehring benennt dieses eingeschränkte Verständnis der Kulturproduktion in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur: „Während es in Großbritannien eine breite inklusive Tanz-, Theater- und Performanceszene mit verschiedenen Festivals und vor allem einer nennenswerten Förderung gibt, wird in Deutschland das Bühnenschaffen von Menschen mit Behinderungen häufig noch immer als soziale oder therapeutische Arbeit eingestuft.“

Förderprogramme sind wichtige Säule

Passende Förderprogramme sind eine wichtige Säule für die Entwicklung und Umsetzung neuer Projekte, beständigster Partner ist bisher Aktion Mensch. Während der Corona-Pandemie wurde außerdem der Bedarf deutlich, die zusätzlichen Belastungen aufzufangen. tanzbar_bremen beantwortete diesen Umstand mit eigenwilligen künstlerischen Formaten wie den „Blitzlichtern“.

Zusätzlich unterstützten verschiedene Programmteile des Förderprogramms NEUSTART KULTUR, die von unterschiedlichen Richtungen ansetzten, um eine Weiterführung des Kulturbetriebs während der Pandemie zu ermöglichen. Im Rahmen des Hilfsprogramms Tanz konnten über TANZPAKT – RECONNECT die Grundkosten des Vereins gesichert werden. Der lange gehegte Traum einer festen Örtlichkeit ist damit ein Stück näher gerückt. Es konnten vorerst Probenräume in nächster Nachbarschaft der bisherigen Trainingsorte angemietet werden. Das Investitionsprogramm Zentren 2 verbessert dabei mit der Anschaffung von z. B. mobilen Rampen die Zugänglichkeit der Räumlichkeiten. Die Mobilität der Bühnenelemente und des Equipments ermöglicht außerdem einen vielfältigen Einsatz drinnen und draußen, je nach aktueller Pandemielage.

Bei aller Flexibilität ist es dennoch wünschenswert, dass tanzbar_bremen nun auch einen Ort zum Bleiben gefunden hat. So bleibt mehr Energie für die vielen künstlerischen Ideen, die noch auf ihre Umsetzung warten.


Weitere Informationen

Der Artikel beruht auf einer Unterhaltung mit Günther Grollitsch und dem Video kollektiv inklusiv.

 

 

 

In unserer Videoreihe Förder-ABC präsentieren wir euch wissenswerte und hilfreiche Informationen rund um die Förderung. In Folge 8 des Förder-ABCs erklärt Luise, welche und wie Ausgaben für Personalkosten bei uns abgerechnet werden können.

Das Portal für die Eingabe des Verwendungsnachweises steht geförderten Projektakteur*innen bei Programm 2 voraussichtlich ab 1. Oktober 2022 zur Verfügung. Den Zugangslink finden sie dann unter dem Menüpunkt Förderportal.

Sie können sich schon jetzt darauf vorbereiten, indem sie ihre Belegliste fortlaufend pflegen, Belege sortieren und ihre Vergabedokumentationen erstellen. Weitere Informationen finden sie in den „Informationen zur Erstellung des Verwendungsnachweises“ im Downloadbereich.