27. Mai 2021
#neustartkultur, #portrait

Neue Wege in digitale Welten – der Felsenkeller im Aufbruch

Von:  Ingo Nachtigall

Der Haus Felsenkeller e.V. ist eine feste Instanz des soziokulturellen Lebens im ländlichen Raum im nördlichen Rheinland-Pfalz und arbeitet seit 1986 in den Bereichen Kultur und Bildung. Die Pandemie stellt das Team des Hauses vor große Herausforderungen. Lockdown bedeutet im Felsenkeller: Keine Kurse, keine Veranstaltungen, keine Menschen im Haus. Doch die Akteur*innen des Zentrums verzweifeln nicht, sondern richten den Blick nach vorn. Improvisation, Innovation und die Digitalisierung von Bildung stehen auf dem Plan. Die Förderung von NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur sorgt für die nötige Unterstützung und macht viele neue Wege begehbar.

Der Verein „anderes lernen – Haus Felsenkeller – Soziokulturelles Zentrum e.V.“ lebt von seinen Fördermitgliedern, Netzwerken und den regionalen Betrieben – vor allem aber von den Besucher*innen, Teilnehmer*innen und Gästen. Die naturnahe Lage im grünen Westerwald, am Rand des Kleinstädtchens Altenkirchen, macht das Haus auch zum Anziehungspunkt für viele überregionale Gruppen, die die gemütlichen Übernachtungszimmer nutzen und Haus und Außengelände beleben.

Blick über Altenkirchen – am Rand der Kleinstadt in Rheinland-Pfalz befindet sich das „Haus Felsenkeller.

Foto © Haus Felsenkeller / Ingo Nachtigall

Traditionell bietet das Team im Bereich der Bildungsarbeit ein sehr breites Spektrum an Themen für sehr unterschiedliche Zielgruppen an. Die bunte Angebotspalette reicht von Fortbildungen, die im persönlichen und beruflichen Alltag Entwicklungsspielräume öffnen (Alphabetisierung, Kommunikation, Fortbildungen für Pädagog*innen) bis zu Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung (auch spirituelle und erlebnisorientierte Angebote). Für Körper und Geist sind Kurse in Tai Chi und Yoga im Programm, ebenso sind Freizeitangebote konstant nachgefragte Bestandteile des Angebots.

Das Team des Felsenkellers greift in der Auswahl der Themen und Inhalte immer wieder das aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehen auf. Vortrags- und Diskussionsabende mit namhaften Referenten sind seit je her ein integraler Bestandteil der Bildungsarbeit im soziokulturellen Zentrum. Daneben nutzen verschiedene unabhängige Gruppen die Räume: Stammtische, Vereine und Initiativen treffen sich ganzjährig regelmäßig im Felsenkeller und auch Selbsthilfegruppen finden hier Raum. Gelegentliche Kunstausstellungen oder Lesungen runden das Programm ab.

Die Corona-Krise und die mit der Pandemie einhergehenden Beschränkungen haben das kulturelle Leben im Felsenkeller grundlegend verändert. Im letzten Jahr konnten nur wenige Kurse und Veranstaltungen stattfinden. Seit dem zweiten Lockdown im November letzten Jahres steht die soziokulturelle Arbeit im Felsenkeller still. Doch das Team des Felsenkellers ist im Umgang mit existenziellen Herausforderungen geübt. Mit finanziellen Engpässen konfrontiert zu werden, gehörte von Beginn an zur Geschichte des Hauses. Schon häufiger mussten Inhalte neu erfunden, unbekannte Wege beschritten und bestehende Strukturen neu gestaltet werden, um die Erfolgsgeschichte des Zentrums weiter zu schreiben.

Das Haus um die Jahrhundertwende erbaute Haus Felsenkeller liegt für sich allein am Waldrand, umgeben von einem 8000 qm großen Gelände mit alten Obstbäumen und Wiesen.

Foto © Haus Felsenkeller / Ingo Nachtigall

Auch in der aktuellen Situation versucht das Team des Felsenkellers, die Krise als Chance zur Erneuerung zu begreifen. Die Vision: Auf Basis der bestehenden Bildungsangebote neue Inhalte, Themen und Formate entwickeln, um diese über das Internet anzubieten. Die Übersetzung der Bildungsangebote in die digitale Sphäre verspricht Unabhängigkeit von den aktuell schwierigen Bedingungen für Präsenzveranstaltungen. Dabei sollen die Online-Angebote die klassischen Präsenzveranstaltungen nicht ersetzen, sondern perspektivisch ergänzen und erweitern, sobald die Bildungsarbeit auch im Haus wieder wie gewohnt stattfinden kann.

Getragen wird diese Vision von der Idee der Digitalisierung und Dezentralisierung von Bildung. Das Internet macht es möglich, das bestehende Bildungsangebot mit Referent*innen aus der Region durch andere, überregionale Bildungsinhalte zu ergänzen. Überregionale Themen aufzugreifen und als Bildungsangebot im Felsenkeller zu verankern eröffnet gleichzeitig die Chance, das Angebot des Felsenkellers auch über die Region hinaus bekannt zu machen und somit neue Zielgruppen zu erreichen.

Das Förderprogramm NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur kam für den Felsenkeller gerade im richtigen Moment. Ohne die finanzielle Unterstützung durch die Förderung im Bereich „Programm“ wäre die Umsetzung des Projekts nicht möglich gewesen.

Aufgrund der Corona-Krise arbeitete zuletzt nur noch ein stark verkleinertes Kernteam für das soziokulturelle Zentrum. Um weitere Helfer*innen für die Umsetzung des Projekts und die inhaltliche Weiterentwicklung des Programms zu finden, startete das Team einen Rundruf im weit verzweigten Kontaktnetzwerk des Hauses.

Mit Erfolg: Mit neuer Dynamik im erweiterten Projektteam machten sich die Akteur*innen an die Aufgaben. Um frischen Wind in Prozesse und Arbeitsabläufe zu bringen, modernisierte das Team zunächst die internen Strukturen. Parallel dazu begann das Team mit der Neugestaltung der Bildungsangebote für die digitale Sphäre. Die ToDo-Liste der hierfür neu zusammengestellten Arbeitsgruppe war lang: Da Online-Formate von Bildungsveranstaltungen neue Anforderungen mit sich bringen, musste zunächst die Homepage des Felsenkellers erneuert werden. Daneben konzipierten die Akteur*innen neue Formate für E-Learnings, kümmerten sich um die Prozessgestaltung zur Entwicklung und Umsetzung von Inhalten und Themen und machten sich auf die Suche nach Referent*innen, die auch für das digitale Lernen zu begeistern sind.

Die neue Webseite ist inzwischen fertig und bietet Besucher*innen die Möglichkeit, Bildungsangebote direkt zu buchen.

Screenshot © Bundesverband Soziokultur e.V.

Inzwischen konnte das Team viele Ziele erreichen. Die neue Homepage strahlt heute in neuem Glanz und präsentiert das runderneuerte, digitale Bildungsprogramm. Ein neues Programmheft ist in der Vorbereitung für den Druck und viel Spannendes wird darin zu finden sein. Ab Juli 2021 werden viele neu entwickelte Inhalte im und mit dem Felsenkeller erlebbar sein. Es gibt Online-Kreativangebote und neue Bewegungskurse, an denen Besucher von zuhause aus teilnehmen können. Und nicht zuletzt gibt es viele neue Menschen, für die und mit denen das Angebot des Hauses lebendig bleibt.

Der Stillstand im Haus hat sich dadurch noch nicht aufgelöst. Der Übernachtungsbetrieb konnte unter Pandemiebedingungen nicht wieder anlaufen, da die Verordnungen es nicht zulassen. Präsenzveranstaltungen im Rahmen der Bildungsangebote sind vorerst nicht möglich. Doch die Akteur*innen des Felsenkellers bleiben optimistisch und setzen auf die Mischung aus Glück, Zusammenhalt und Durchhaltevermögen, die sie bis hier getragen hat.


Anderes lernen – Haus Felsenkeller – Soziokulturelles Zentrum e.V.
Heimstraße 4
57610 Altenkirchen

Website: www.haus-felsenkeller.de
Facebook: www.facebook.com/Haus-Felsenkeller-eV-anderes-lernen-852158364804488/

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13. September 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

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1. September 2021
#neustartkultur, #pressemeldung

Pressemeldung – Bundesverband Soziokultur fördert erneut pandemiegerechte Programmarbeit

Berlin, 01.09.21: Heute hat der Bundesverband Soziokultur die Ausschreibung von NEUSTART KULTUR in der Fördermaßnahme Programm 2 veröffentlicht. Die Antragstellung für NEUSTART KULTUR - Programm 2 ist ab dem 15.09.2021 möglich. Im Vorfeld bietet der Bundesverband öffentliche Videokonferenzen zur Antragsberatung an und hilft bei Fragen zur Antragstellung per E-Mail und Telefon weiter. Die Ausschreibung sowie weitere Informationen zu NEUSTART KULTUR - Programm 2 gibt es unter soziokultur.neustartkultur.de/programm2. Bundesgeschäftsführerin Ellen Ahbe erwartet großes Interesse: „Die erneute Ausschreibung bildet voraussichtlich die letzte Möglichkeit für finanzielle Unterstützung der Programmarbeit im Jahr 2022 durch unseren Verband. Ich hoffe, dass diesmal auch kleinere Einrichtungen die Entwicklung neuer, pandemiegerechter Formate und die Anpassung bestehender Angebote über NEUSTART KULTUR fördern lassen. Gerade in überwiegend ehrenamtlich geführten Organisationen erfordern die interne Abstimmung und die Beratung zu förderrechtlichen Bestimmungen seitens unseres Verbandes zeitlichen Vorlauf, den wir diesmal einräumen konnten.“ Programm 2 ist die Neuauflage der im vergangenen Jahr vom Bundesverband Soziokultur durchgeführten NEUSTART KULTUR Förderung zur Stärkung kultureller und soziokultureller Programmarbeit unter Pandemiebedingungen. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) stellt dafür erneut 15 Millionen Euro zur Verfügung. Antragsberechtigt sind Kulturzentren, soziokulturelle Zentren und weitere Einrichtungen und Initiativen mit kulturellem Schwerpunkt und entsprechendem Aktivitätsprofil – auch dezentrale Träger. Einzelunternehmer*innen, die eine entsprechende Kultureinrichtung betreiben, können ebenfalls einen Antrag stellen. Die Förderung der Programmarbeit umfasst einzelne Veranstaltungen sowie kontinuierliche Angebote wie Kurse, Workshops und offene Treffs. Dabei werden Grundkosten, aktivitätsbezogene Kosten und Personalkosten für die Planung, Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Programmarbeit unter Pandemiebedingungen gefördert. Einrichtungen, die bereits eine NEUSTART KULTUR Förderung erhalten haben, können erneut eine Förderung ihrer Programmarbeit beantragen.
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23. August 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Das Jugendzentrum Aurich

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Sandra Grau | Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR Das Jugendzentrum Aurich - Schlachthof besteht seit 1980 in der heutigen Form und ist seit jeher wegen seines vielfältigen Veranstaltungs- und Kulturangebots überregional bekannt. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit Aurich setzt sich für Toleranz und Gleichberechtigung ein. Fremdenfeindliche, rassistische, homophobe und undemokratische Strukturen werden nicht geduldet, im Gegenteil sind interkulturelle sowie toleranzfördernde Angebote die Regel. Partizipation und Bürger-/Jugenbeteiligung stehen im Vordergrund. Das Jugendzentrum fungiert als Teil des Familienzentrum Aurich, welches im Förderprogramm Mehrgenerationenhaus und als Ehrenamtsagentur aktiv ist. Hier engagieren sich mehr als 60 Vereine, Gruppen, Initiativen, Selbsthilfegruppen, Kulturangebote und Bündnisse in den Handlungsfeldern Begegnung, Bildung, Beratung und Betreuung. Von: Sandra Grau, Leitung Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR Die Veranstaltungshalle des JUZ bietet unter normalen Bedingungen Raum für eine Vielzahl von Events für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen. Aufgrund der Corona-Krise ergibt sich nun jedoch die Notwendigkeit, auch alternative Veranstaltungsorte - vor allem Outdoor - zu erschließen, um den unterschiedlichen pandemiebedingten Vorgaben gerecht werden zu können und Kultur dennoch zu leben. Der schöne Innenhof des Jugendzentrums bietet hierfür durch seine charmante Atmosphäre genau den richtigen Rahmen. Unser Konzept macht aus unserem Hof einen Outdoor-Veranstaltungsbereich, der durch flexible und mobile Gestaltungsmöglichkeiten (Möbel, Bühne, Licht und Technik) ein breites Spektrum an neuen und alten Veranstaltungsformaten ermöglicht. [caption id="attachment_1588" align="aligncenter" width="929"] Der charmante Innenhof mit Baumbestand bietet vielfältige Möglichkeiten für Outdoor-Veranstaltungen.Foto © Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR[/caption] NEUSTART direkt nach dem Lockdown – Aktionstage Mehrgenerationenhaus mit "Puppets in Minutes" und "La Jazz" Eingeweiht wurde der neue Innenhof schließlich bei den bundesweiten „Aktionstagen Mehrgenerationenhaus“ im Jugend-und Familienzentrum Aurich. Am Samstag, dem 29. Mai 2021 wurden am Morgen die Loungemöbel mit den orangefarbenen Sitzkissen aufgebaut, die Stehtische und Hocker im Innenhof verteilt und die mobilen Bühnenelemente für die Eröffnungsshow platziert. Pünktlich mit den ersten Lockerungen nach dem Lockdown, der die erste Jahreshälfte 2021 überschattet hatte, konnte somit der neu gestaltete Innenhof endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Bühnenprogramm wurde von den „Puppets in Minutes“ gestaltet - einem ebenfalls über NEUSTART KULTUR geförderten, pandemiegerechten mobilen Figurentheaterprogramm aus Aurich - gemeinsam mit dem Ensemble „La Jazz“, die eine bunte Show mit Marionetten und Musik zeigten. Das altersgemischte Publikum zeigte sich begeistert: Von der Möglichkeit, endlich wieder zusammenkommen zu dürfen, von der unterhaltsamen Mischung aus Poesie und Comedy des Programms und vom neuen Charme des Innenhofs des Jugendzentrums Aurich. An diesem Nachmittag zeigten sich nun erstmals die vielfältigen Perspektiven für einen NEUSTART KULTUR im Jugendzentrum Aurich, der insbesondere Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien zu Gute kommen soll. [caption id="attachment_1583" align="aligncenter" width="949"] Auftritt der „Puppets in Minutes“ bei der Eröffnungsveranstaltung des neu gestalteten Innenhofs.Foto © Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR[/caption] NEUSTART der offenen Kinder- und Jugendarbeit am 01.06.2021 – Begeisterung durch chilligen Loungeflair im Außenbereich Das neue Außenmobiliar kam bei den Besucher*innen sehr gut an: „Nach dem langen Lockdown wirkt das wie ein kleiner Urlaub“. Ein Bestuhlungsmix aus Sitzhockern, Lounge- Ecken und verschiedene Sitzkissen ermöglichen den Kindern und Jugendlichen, sich in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen, Freunde zu treffen, neue (kulturelle) Ideen zu entwickeln und ein wenig Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen. NEUSTART Jugendbeteiligung JUGA - Jugend gestaltet Aurich Auch bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „JUGA – Jugend gestaltet Aurich“ am 25.06.2021 kam das flexibal nutzbare zum Einsatz. Paletten Möbel, Stehtische, Hocker und verschiedene Sitzkissen ermöglichten es Jugendlichen, in gemütlicher Atmosphäre über ihre individuellen Vorstellungen, Sorgen und Wünsche für die Zukunft der Stadt Aurich zu sprechen. Gerade nach bzw. in der Corona-Krise sind neue Ideen und Beteiligungsformate relevant, um Entwicklungsmöglichkeiten kennenzulernen und zu nutzen. Kulturelles Entwicklungspotential stand bei der Ideenentwicklung im Vordergrund. [caption id="attachment_1589" align="aligncenter" width="854"]Auch das Format "JUGA - Jugend gestaltet Aurich" wurde durch das über NEUSTART KULTUR geförderte Mobiliar wieder möglich.Foto © Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR[/caption] JUGA - Jugend gestaltet Aurich geht am 16.07.2021 in die nächste Runde Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung „JUGA – Jugend gestaltet Aurich“ wurde bereits im Anschluss an den Termin ein neues Treffen vereinbart, bei welchem sich die interessierten Jugendlichen speziell zu dem Thema Kultur und Freizeitangebote austauschen sollten. Neben dem bereits erprobten Mobiliar, welches sowohl Outdoor als auch Indoor eingesetzt wurde, kamen – passend zum inhaltlichen Schwerpunkt der Veranstaltung – auch erstmalig die aufblasbare Kinoleinwand sowie der Beamer zum Einsatz. Dank NEUSTART KULTUR konnten alle Beteiligten diesen produktiven und kreativen Tag bei einem gemeinsamen Filmabend ausklingen lassen. Geplant sind viele weitere Angebote und Veranstaltungen, bei denen auch noch weiteres angeschafftes Ausstattungsmobiliar wie die Outdoor-Lichtanlage, das Outdoor-Thekenhäuschen, die Feuerschalen und die Pelletheizöfen eingesetzt werden. Wir freuen uns über die Möglichkeiten, die sich uns durch die Förderung im Rahmen des Förderprogramms NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur eröffnen und sagen auch im Namen unserer Besucher*innen und Gäste DANKE!!! Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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16. August 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Das KOMM-Haus in Leipzig

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Birgit Grunewald | KOMM-Haus Leipzig Das KOMM-Haus ist ein soziokulturelles Zentrum im Wohnkomplex 8 in Leipzig Grünau. Das Zentrum ist offen für alle Menschen unabhängig von ihrer sozialen, kulturellen oder religiösen Herkunft und versteht sich als ein Begegnungs- und Kommunikationsort für Bürger, Familien, Vereine und Institutionen aus Grünau und darüber hinaus. Ziel ist die Schaffung eines Orts für Kunst, Kultur und Bildung. Ebenso bietet das Zentrum einen Nachbarschaftstreff, den Freizeittreff »Wilde 11« und einen Treffpunkt für Selbsthilfegruppen. Das Soziokulturelle Zentrum "KOMM-Haus" wird betrieben durch die VILLA gGmbH für Jugend, Kultur & Soziales in Leipzig. Von: Birgit Grunewald, Öffentlichkeitsarbeit Soziokulturelles Zentrum "Die VILLA" Unser Soziokulturelles Zentrum »KOMM-Haus« in Leipzig Grünau, einem Sozialen Brennpunkt ganz im Westen von Leipzig, steht für Gemeinschaft, Kultur und Engagement. Der Stadtteil leidet unter mehreren Herausforderungen. Eine davon: Im Umkreis gibt es keine Gaststätte oder ähnliches. Diesen Mangel thematisieren unsere Besucher*innen und die Bewohner*innen des Stadtteils immer wieder. Mit unserer Mitmach-Pizzeria gingen wir dieses Thema an. Unsere Idee: Zusammen mit den Bewohner*innen organisieren wir einen temporären Gemeinschaftsort in Grünau. So verwandelte sich im Juni 2021 wieder eine Brachfläche in eine Freiluft-Pizzeria mit traditionellem holzbefeuerten Pizzaofen. An einer Theke belegte sich jeder seine Pizza und ließ diese backen. Die originelle Gestaltung des Ofens und die bunten Sitzmöglichkeiten luden zum Kontakt und Gespräch zwischen den Besucher*innen ein. Die Freiluft-Pizzeria ist dabei auch ein prima Ort für kulturelle Aktivitäten: Konzerte, Lesungen und Workshops fanden hier statt und erreichten Menschen, welche sonst vielleicht das KOMM-Haus nicht besuchen. Die Rollen der Organisatoren und Besucher*innen waren fließend: Bewohner*innen übernahmen das Pizza backen; wir kamen ins Gespräch mit anderen Akteur*innen. Die Pizza und deren Belag sowie die Getränke konnten gegen eine Spende erworben werden. [caption id="attachment_1567" align="aligncenter" width="886"] Zahlreiche Künstler*innen spielten 2021 bei der Mitmach-PizzeriaFoto © KOMM-Haus Leipzig[/caption] Warum wählten wir als Mittel Pizza? Pizza bietet viele Anschlussmöglichkeiten: Alle mögen sie, sie lässt sich individuell belegen und eine Pizza wird gern geteilt. Dadurch ist es möglich, mit einfachen Mitteln und ohne mitgebrachte Fähigkeiten etwas zum Gemeinschaftserlebnis beizutragen. Das gemeinsame Kochen und Essen ist ein ideales Werkzeug für niederschwellige und gemeinschaftliche Erlebnisse im öffentlichen Raum. Es ist anknüpfungsfähig für jede Altersstufe, benötigt keine Sprachkenntnisse und weist im Falle der auf Spendenbasis basierenden Pop-Up Pizzeria keine monetäre Einschränkung auf. Unser Anliegen ist es, Impulse für Grünau zu setzen. Wir greifen den Bedarf der Bewohner*innen nach einer Gastronomie auf und geben einen temporären Lösungsvorschlag. Wir beziehen die Besucher*innen direkt in die Arbeit ein und lassen sie erleben, dass Engagement etwas verändern kann. Mit einem Pop-Up-System laden wir innerhalb des Stadtteils zum Begegnen und Verweilen ein und ermöglichen auf diese Weise Kultur. Wir gestalten öffentliche Orte und erreichen niederschwellig die vielfältigen Bewohner*innen von Grünau. Bereits im vergangenen Jahr fand die Mitmach-Pizzeria an einem anderen Ort in Grünau zum ersten Mal statt. Damals noch etwas improvisierter. Es zeigte sich, dass die Idee sehr großen Anklang fand und sehr gut in die Corona-Situation passte. Die Open-Air Situation auf einer vergleichsweise großen Fläche ermöglicht Aktivitäten mit wenigen Pandemie-Einschränkungen. Auch in diesem Jahr war unsere Mitmach-Pizzeria eine der ersten größeren kulturellen Aktivitäten in Grünau. [caption id="attachment_1568" align="aligncenter" width="886"] Die mobile Pizzeria ist auf einem umgebauten PKW-Anhänger installiert, auf dem Pizza-Ofen, Kühlschrank und Waschbecken Platz finden.Foto © KOMM-Haus Leipzig[/caption] Dafür entwickelten wir mithilfe der Förderung im Rahmen des Förderprogramms NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur unsere Idee noch einmal weiter. Entstanden ist eine mobile Pizzeria. Auf einem PKW-Anhänger installierten wir einen robusten Pizzaofen, welcher zünftig mit Holz geheizt wird. Dazu gibt es Kühlschränke für den Teig, ein Waschbecken und die Möglichkeit, einiges an Material zu verstauen. Zusammen mit einem mobilen Tresen für das Belegen der Pizzen und flexibler Möblierung können wir die Pizzeria mit relativ geringem Aufwand wieder aktivieren. So machte die Förderung unsere Mitmach-Pizzeria fit für die Zukunft. Zahlreiche Künstler*innen spielten 2021 bei der Mitmach-Pizzeria. Wir eröffneten feierlich bei Pizza und Getränk den Grünauer Kultursommer, ein großes Angebot, an welchem wir uns mit beteiligen. Neben unterschiedlichen Workshops zu Umweltthemen oder Nachhaltigkeit gab es in den Tagen der Pizzeria Musik von Thomas Katrozan, Franz Belger & Isabel Korda, Markus Dietrich, Carolin Greiner, CarPoSol, Mayakan, Savannah Soul, Maria Schüritz und Weltwärts. Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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