Artikel der Kategorie: #neustartkultur

22. November 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Das Kilombo Kleinow

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Susanne Oesterreicher | Capoeira Angola e.V. Der Verein Capoeira Angola e. V. wurde 1993 gegründet und ist Trägerverein der 1997 eröffneten Academia Jangada, Europas erster Akademie für Capoeira Angola. Heute trainieren über 150 Schüler, darunter viele Kinder und Jugendliche, regelmäßig in der Akademie. Zahlreiche ehemalige Schüler der Akademie geben mittlerweile selbst Kurse oder unterrichten Capoeira Angola in Kindergärten und Jugendeinrichtungen in ganz Europa und tragen so zu einer einzigartigen Bereicherung der Kultur- und Sportlandschaft bei. Entsprechend der Historie der Capoeira als Kampf gegen Ausgrenzung, Benachteiligung, Unterdrückung und Ausbeutung, hat sich der Verein das Ziel gesetzt, Capoeira als Möglichkeit zur Integration von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster kultureller und sozialer Herkunft erfahrbar zu machen. Von: Susanne Oesterreicher, Capoeira Angola e.V. NEUSTART KULTUR in der Natur - Das Kilombo Kleinow Das „Kilombo Kleinow“ ist ein soziokulturelles Zentrum mit Schwerpunkt integrativer Kinder- und Jugendförderung auf dem ehemaligen Gutshof Kleinow in der Uckermark. Entstanden aus der jahrelangen Arbeit mit sozialbenachteiligten Kindern und Jugendlichen des Capoeira Angola e.V., bietet es heute einer Vielzahl an disziplinübergreifenden Kunst- und Kulturformen Raum und Zeit für Begegnung, Erholung sowie naturnahe Erlebnisse, die verzaubern und inspirieren. [caption id="attachment_2413" align="aligncenter" width="1024"] In den vergangenen Jahren wurde der Gutshof Kleinow schrittweise saniert und beherbergt heute das soziokulturelle Zentrum "Kilombo Kleinow".Foto © Susanne Oesterreicher / Capoeira Angola e.V.[/caption] Wir sehen uns als Brückenbauer und möchten mit unseren Projekten und Angeboten unterschiedliche Alters- und Gesellschaftsschichten erreichen und verbinden. Die behutsame und nachhaltige Begegnung mit Tier und Natur bildet dabei den Rahmen für diverse interkulturelle und interdisziplinäre Aktivitäten und Projekte. Vielfalt statt Monokultur auf allen Ebenen ist unser Motto. Von Capoeira Angola, Tanz, Theater, Fotografie, Film, Malen, Bildhauern, über Reiten, Naturwanderungen, Handwerken, Re- und Upcycling von Möbeln und Gebrauchsgegenständen bis Gärtnern, Grillen im Begehbaren Kamin oder Pizzabacken im Lehmziegel-Pizzaofen oder einfach nur „chillen“, ist so ziemlich alles möglich und erwünscht. Eingebettet in die ländliche und dünn besiedelte Landschaft der Uckermark an einem malerisch gelegenen Ort in der Natur eignet sich das ehemalige Gut Kleinow (UM) ausgezeichnet, um Jugendlichen und Kindern aus der Stadt eine Lernerfahrung abseits ihres alltäglichen sozialen Kontextes zu vermitteln. [caption id="attachment_2414" align="aligncenter" width="1024"]Der ehemalige Gutshof ist umringt von Tieren und einem kleinen Biotop mit eigenem See, Wald, und Pferdekoppeln.Foto © Susanne Oesterreicher / Capoeira Angola e.V.[/caption] Der „Shutdown der Kulturszene“ und damit das „Auf-Eis-Legen“ unserer geplanten Projekte sowie der offiziellen Eröffnung und Präsentation unseres soziokulturellen Zentrums „Kilombo Kleinow“, traf uns inmitten von Um-, Aus- und Vorbereitungsarbeiten in Mark und Bein. Erst die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung durch NEUSTART KULTUR und die sich damit neu ergebenden Möglichkeiten gab uns wieder Auftrieb, an neuen Ansätzen zu arbeiten, um uns auf die Wiedereröffnung vorzubereiten. Im Zentrum unserer Bemühungen nach den pandemiebedingten Schließungen von Kultureinrichtungen stand, neben einem ausgearbeiteten Hygienekonzept und der Schulung unseres Personals, vor allem das Bestreben, auf „Kilombo Kleinow“ dank der Weitläufigkeit des 3,5 ha großen Außengeländes neue Orte für Produktion und Präsentation zu schaffen, um so die Fläche auf der sich Menschen begegnen zu dezentralisieren und entzerren. [caption id="attachment_2419" align="aligncenter" width="1024"] Das weitläufige Außengelände des alten Gutshofs bietet viel Platz für eine dezentrale Nutzung.Foto © Susanne Oesterreicher / Capoeira Angola e.V.[/caption] Neben dem Hauptgebäude wurden Außenbühnen erweitert, Atelier- und Wohneinheiten in Form von Wohn-, Bau- und Zirkuswägen und mongolische Jurte aufgebaut und dezentral auf dem Gelände verteilt. Um das soziokulturelle Zentrum „Kilombo Kleinow“ wiedereröffnen zu können und auf die neuen Anforderungen eingehen zu können, wurden auch neue Kunstformate entwickelt, die stärker als zuvor die digitalen Medien und Möglichkeiten miteinbeziehen. Wir können nun stolz auf das Jahr 2021 zurückblicken: Wir haben unsere Sommertanz-Camps 'Kilombo on Tour' und 'N'golo Camps' mit über 80 Kindern durchgeführt. Wir hatten zwei externe Filmcamps und ein Tanzcamp bei uns im Sommer zu Gast. Eine Grundschule, ein Gymnasium aus dem Prenzlauer Berg und eine Waldorfschule haben erstmalig ihre Klassenfahrten auf „Kilombo Kleinow“ verbracht. Und im September fand hier die erste Europäische Jugendbegegnung 'KILOMBO Europe' statt. [caption id="attachment_2420" align="aligncenter" width="1024"] Dank der Förderung durch NEUSTART KULTUR konnten in diesem Jahr wieder viele Kinder und Jugendliche das „Kilombo Kleinow“ besuchen.Foto © Susanne Oesterreicher / Capoeira Angola e.V.[/caption] Doch was uns die letzten Monate im Würgegriff der Pandemie ( Maßnahmen ) am meisten gelehrt haben, ist der unbezahlbare Wert der Natur und ihr heilender Einfluss auf die menschliche Psyche. Daher freuen wir uns mit UckTopia den Auftakt für eine Reihe an LandArt-Projekten auf unserem Gelände initiiert zu haben. Das von Auf!leben geförderte Capoeira- und Tanzprojekt auf der Outdoor-Bühne umgeben von Natur und Tieren war eine kleine Wiedergutmachung für die Kinder, die in besonderem Maße unter den Einschränkungen der vergangenen Monate gelitten haben. Erste Schritte wurden unternommen um die Sanierung des „Schrotbodens“, eines bisher ungenutzten Nebengebäudes, in Angriff zu nehmen. Es soll ein Multifunktionsgebäude mit Keramik-, Holz-,Digitalwerkstatt und weiteren Proberäumen entstehen. Viel Arbeit liegt hinter und noch mehr vor uns, aber wir freuen uns darauf mit unserem „Kilombo Kleinow“ in der Zukunft vielen weiteren Kindern und Jugendlichen einen Ort bieten zu können, der ihre freie Entfaltung fördert, ihre Kreativität weckt und ihrer kindlichen Entwicklung positive Impulse setzt und Lernerfahrungen vermittelt, die für einen Großteil heutzutage nicht mehr möglich sind. Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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16. November 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Der Eidelstedter KulturContainer

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Verena Reygers | Eidelstedter KulturContainer Der Verein Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus e.V. betreibt in Hamburg-Eidelstedt das soziokulturelle Zentrum „Eidelstedter KulturContainer“. Der KulturContainer ist ein offenes Haus, das ein kulturelles Veranstaltungsangebot bietet, sowie niedrigschwellig Beratungs-, Bildungs- und stadtteilbezogene Informationsmöglichkeiten bereitstellt. Dies auch insbesondere für sozial benachteiligte Menschen im Stadtteil. Der KulturContainer stellt für alle Menschen in Eidelstedt einen Raum der Kommunikation dar, an dem Kultur- und Freizeitinteressen geweckt werden, wo ihnen nachgegangen werden kann und wo die aktive Beteiligung an der Gestaltung der lokalen Lebenssituation gefördert wird. Von: Verena Reygers, Eidelstedter KulturContainer Eidelstedt bleibt in Verbindung Das Eidelstedter Stadtteilkulturzentrum liegt im Herzen des Stadtteils – am Eidelstedter Markt. Eigentlich. Denn seit September 2020 entsteht dort ein neues Haus mit Kulturzentrum, Bücherhalle und Elternschule. Bis zur Fertigstellung arbeitet das Team vom Stadtteilkulturzentrum in einem etwas versteckt gelegenen Container neben der Sporthalle, dem KulturContainer. Von dort mit den Menschen im Stadtteil in Verbindung zu bleiben, ist eine besondere Aufgabe. Erst Recht, wenn dann noch eine Pandemie mit monatelangem Lockdown dazu kommt. Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Kreativworkshops mussten genauso pausieren wie die zahlreichen Beratungsangebote und Gruppen - von den handarbeitenden Wollmäusen über die Mieter*innenberatung bis zur Parkinson Selbsthilfegruppe. Nichts konnte stattfinden. Phasenweise schien der KulturContainer deshalb stark verwaist und die Mitarbeiter*innen beschäftigte durchweg die Frage: Wie bleibt Eidelstedt in Verbindung? Unter diesem Motto entstand dann auch die Projektreihe KulturConAction, die mit Hilfe von Fördergeldern aus NEUSTART KULTUR ein Angebot für die Zeit nach der Wiedereröffnung schaffen sollte. Doch die Wiedereröffnung blieb für lange Zeit unmöglich. Der KulturContainer wurde trotzdem aktiv und schuf ein Kulturangebot, das je nach Inzidenzlage und Wetterbedingungen online, live oder als Hybridveranstaltung angeboten werden konnte. Doch egal ob als Zoom-Talkrunde, Open-Air-Kino oder aufgezeichnete Video-Lesung: KulturConAction ermöglichte endlich wieder Begegnung und Gemeinschaft im Stadtteil. [caption id="attachment_2690" align="aligncenter" width="1024"]Bei der Talkrunde zur Auftaktveranstaltung diskutierten die Teilnehmer*innen die Frage, wie Solidarität im Stadtteil gelingen kann.Foto © ekulturell[/caption] Fragte der KulturContainer bei der Talkrunde zur Auftaktveranstaltung noch, wie Solidarität im Stadtteil gelingt, gelang das Miteinander in Eidelstedt mit jeder Woche mehr. Die mehrsprachige Kinderbuchlesung „Das Kleine WIR“ erfolgte in Kooperation mit dem Spielhaus Eidelstedt. Auf Deutsch, Türkisch und Nepali erfuhren die Kinder, was das Kleine WIR ausmacht, was es mag und was hilft, wenn es traurig ist. Im Anschluss organsierte das Team noch mehrere Lesungen als Videoaufzeichnung, unter anderem auf Russisch, Plattdeutsch, Dari und Spanisch – die in einer Woche des Hamburger Lesefestes für Kinder und Jugendliche „Seiteneinsteiger“ als tägliches Video auf den Social-Media-Kanälen des KulturContainers hochgeladen wurden. Abgeschlossen wurde die Kinderbuchreihe von einer Live-Lesung in Gebärdensprache. Während das kleine WIR in Eidelstedt immer bekannter wurde, bat die Fotografin Janina Wick Menschen aus dem Stadtteil vor ihre Kamera. Zusammen mit Nina Reiprich und Ishaq Quaraishi entstanden außergewöhnliche Portraits ganz „gewöhnlicher“ Eidelstedter*innen. Die „Gesichter Eidelstedts“ wurden als Freiluftausstellung konzipiert und waren über zwei Monate hinweg an unterschiedlichen Orten im Stadtteil zu sehen. Ein QR-Code verband die Fotos der Ausstellung mit einem Link zur Webseite des KulturContainers, wo neben der Ausstellung auch die Interviews mit den Porträtierten zu lesen waren und weiterhin zu lesen sind. Die Vernissage zur Ausstellung war eine der ersten Gelegenheiten, um endlich wieder mit Gästen im KulturContainer zusammenzukommen. Der zum Projekt entstandene Film von Sayad Aga Zekri zeigt die zugewandte Stimmung, die trotz Masken und Abstand herrschte. [caption id="attachment_2693" align="aligncenter" width="1024"]Bis zur Fertigstellung eines neuen Bürgerhauses mit Kulturzentrum, Bücherhalle und Elternschule arbeitet das Team vom Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus e.V. vom "KulturContainer" aus.Foto © ekulturell[/caption] Warmherzig ging es auch bei den Open-Air-Kinoabenden zu: Der Film „Hidden Figures – unerkannte Heldinnen“ lockte zahlreiche Besucher*innen auf den Parkplatz des KulturContainers. Der zwei Wochen später gezeigte Trickfilm „Zoomania“ erreichte als ausgewiesener Familienfilm ein noch größeres Publikum. Ein Gewinn war auch das Wetter, das an beiden Abenden eine Pause vom regnerischen Sommer machte. Nach dem Erfolg und dem regen Austausch der ersten Talkrunde zum Thema „Solidarität im Stadtteil“ fand eine weitere digitale Gesprächsrunde statt, um den Eidelstedterinnen und Eidelstedtern die Fortschritte der Baustelle am Markt zu erläutern. Dort, wo 2022 das Stadtteilkulturzentrum zusammen mit der Bücherhalle und der Elternschule unter der Dachmarke steeedt einziehen wird, gab es einigen Erläuterungsbedarf, nachdem der Name des neuen Hauses im Stadtteil für Kritik gesorgt hatte. Der Eidelstedter KulturContainer nutzte das digitale Format, um in den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern zu treten, aber auch, um die Pläne und Aufgaben für die kommenden Monate zu präsentieren und um für Teilhabe an dem Projekt zu werben. Die Stadtteilerhebung zur inhaltlichen Ausrichtung des steeedt lief kurz nach der Veranstaltung an. Für Auflockerung in den doch sehr redelastigen Gesprächsrunden sorgte Pianist Barbod Soleymany mit seinem abwechslungsreichen Repertoire. [caption id="attachment_2696" align="aligncenter" width="1024"]Die mehrsprachige Kinderbuchlesung „Das Kleine WIR“ begeisterte Kinder live und als Videoaufzeichnung - unter anderem auf Deutsch, Türkisch, Nepali, Russisch, Plattdeutsch, Dari und Spanisch. Foto © ekulturell[/caption] Da der Corona-Lockdown sehr viel länger anhielt als erwartet, hat das Team des Eidelstedter KulturContainers die Reihe KulturConAction bis weit in den Herbst geplant. In der benachbarten Sporthalle fanden an den letzten Oktober-Samstagen noch Konzerte statt: Kreativ als Sockenkonzerte beworben – die Turnhalle darf nicht mit Straßenschuhen betreten werden – traten sowohl überregionale Bands als auch Musiker*innen aus dem Stadtteil auf. Auch hier bot sich durch die Fensterfront der Turnhalle ein hybrides Format an, für den Fall, dass eine steigende Inzidenz in Hamburg die Zugangsregeln wieder verschärft hätte. In diesem Fall wäre das Konzert drinnen gestreamt und draußen als Schaufenster-Konzert konzipiert worden. Gerade diese Planungsunsicherheit, teilweise bis kurz vor den Veranstaltungen, hat die Flexibilität des KulturContainer-Teams herausgefordert und es darüber hinaus beflügelt, mit Kreativität und Improvisationslust Veranstaltungen zu organisieren, Kultur im Stadtteil über alle Hindernisse hinweg aufrecht zu erhalten und eine Anlaufstelle für die Menschen im Stadtteil zu sein. Es war nicht immer alles perfekt, manches knapp am Chaos vorbei, aber der viele positive Zuspruch, die dankbaren Gesichter der Kinobesucher*innen, die leuchtenden Augen der Kinder bei den Lesungen oder die berührenden Geschichten und das Engagement der Menschen hinter den „Gesichtern Eidelstedts“ haben das alles wett gemacht und bewiesen: Eidelstedt ist in Verbindung. Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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8. November 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Die Horner Freiheit in Hamburg

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Alexander Wilke | Horner Freiheit e.V. Die "Horner Freiheit" ist soziokulturelles Zentrum, Stadtteilkultureinrichtung und Stadtteiltreff - und der einzige Ort in Hamburg-Horn, wo niedrigschwellige, kostengünstige Kulturveranstaltungen angeboten werden. Mitglieder des Vereins und des Hauses sind soziale, soziokulturelle und kirchliche Einrichtungen, die eigene Aufgaben im Haus wahrnehmen – von der kleinen Geschichtswerkstatt bis zur Arbeiterwohlfahrt. Der Trägerverein Horner Freiheit e.V. ist soziokulturell ausgerichtet. Die Aufgaben des Horner Freiheit e.V. sind, neben der Koordinierung aller gemeinsamen Aufgaben im Haus, die Planung, Organisation und Durchführung des kulturellen Programms. Alle Programmangebote entstehen aber kooperativ unter Berücksichtigung der beruflichen Schwerpunkte und Interessensgebiete einzelner Mitstreiter*innen (Sozialarbeit, Psychologie, Kulturelle Bildung, Erziehung, Kirche und Religion, Kulturmanagement, usw.). Von: Alexander Wilke, Horner Freiheit e.V. NEUSTART KULTUR in Hamburg Horn - Die Horner Freiheit Horner Freiheit ist ein kleines Stadtteilhaus im lange von Politik und Medien stiefkindlich behandelten Hamburg-Horn, das sich seit 2016 für starke Nachbarschaften, Diversität und Inklusion einsetzt und mit kleinem, von Jahr zu Jahr besser werdendem Programm auch über die Stadtteilgrenzen hinaus von sich reden macht. Vor der Pandemie haben wir jährlich knapp 50 Veranstaltungen im und am Zentrum organisiert und durchgeführt, die meisten zusammen mit unseren im Haus ansässigen Einrichtungen. Das Angebot des Hauses ist ein Spiegel unserer eigenen Vielfalt: Soziale Arbeit, Kulturelle Bildung, Geschichtsverein, Bücherhalle, Gastronomie – die Mitarbeiter*innen und Freiwilligen bringen ihre Lebensgeschichten und -erfahrungen in das Angebot der Horner Freiheit ein. Gemeinsam schaffen wir so einen Ort für Gemeinschaft und Begegnung, Beratung und Unterhaltung – vom Singabend bis zum Stadtteilfest. Gleichzeitig lebt das Haus von der Inspiration und dem Feedback der Nachbarschaft im kleinen Kosmos Hamburg-Horn. [caption id="attachment_2431" align="aligncenter" width="551"] Alexander Wilke koordiniert seit 2016 das Programm der "Horner Freiheit".Foto © Alexander Wilke[/caption] 2019 hatten wir uns in Workshops strategisch neu aufgestellt und hatten uns für unser Programm der kommenden Jahre viel vorgenommen. Doch dann schickten uns die pandemiebedingten Lockdowns 2020 in eine lange Zwangspause. NEUSTART KULTUR öffnete für 2021 neue Perspektiven für die Horner Freiheit. Mit Hilfe der Förderung wollten wir in diesem Jahr endlich wieder richtig durchstarten. Als es zur Mitte des Jahres losgehen sollte, stellte sich allerdings heraus, dass es schwer war, unsere hauptamtlichen und freiwilligen Mitarbeiter*innen zu reaktivieren. Der Kontakt zur Horner Freiheit war während der Lockdown-Phasen brüchig geworden und viele haben sich verständlicherweise in ihren privaten Mikrokosmos zurückgezogen. Als wir versuchten, den Kontakt wiederherzustellen, wurde uns bewusst, wie groß die durch die Pandemie gewachsene Verunsicherung war. Die Vereinzelung und die Sorge um Ansteckung hatten über ein Jahr lang auf die Menschen rund um das Stadtteilhaus gewirkt und Spuren hinterlassen. So wurde unser Neustart zu einem mühsamen Prozess, der unglaublich viel Kraft gekostet hat. Wir begannen unter anderem mit kleinen Küchenkonzerten befreundeter Musiker über unseren YouTube Channel und mit Nachbarschaftsmärkten. So haben wir uns Schritt für Schritt wieder eine Routine erarbeitet. Allmählich wuchs das Vertrauen in die zum Schutz vor Ansteckung installierten Sicherheitsmaßnahmen des Hauses, die über NEUSTART KULTUR und das NEUSTART Sofortprogramm finanziert werden konnten. Die Sicherheit, Kultur ausprobieren zu können, ohne sich finanziell aufgrund reduzierter Besucher*innen zu ruinieren, hat uns kreativen Rückenwind gegeben. Wann werden sonst schon Gagen, Reinigungsaufwand oder interne Digitalisierungsprozesse gefördert? Mit diesem wiedergewonnenen Vertrauen gewinnen unsere Leute inzwischen nach und nach auch ihr kreatives Selbstbewusstsein als Teil der Horner Freiheit zurück. [caption id="attachment_2724" align="aligncenter" width="1024"]Unter dem Label "Kultur im Salon" streamte das Team der Horner Freiheit kleinere Küchenkonzerte über YouTube. Im Bild: Michael KnubbeFoto © Horner Freiheit e.V.[/caption] Im Sommer konnten wir spannende Formate wie „Horn to Go“ nutzen, ein Kult-Stadtteilspaziergang des kleinsten Hamburger Theaters „Das Zimmer“, bei dem versteckte Orte, kulinarische Köstlichkeiten, musikalische Highlights und jede Menge Überraschungen auf die Besucher warten. Über solche Formate werden Räume geschaffen, in denen die Menschen aus der Gemeinschaft heraus neue Stärke entwickeln können. Das ist nach den trennenden Erfahrungen während der Pandemie besonders wichtig. Seit Juni 2021 werden wir von Colleen Marie Livingston im Koordinationsbüro und bei der Raumvermietung unterstützt. Als selbständige Musikerin war sie dieses Jahr auch bei „Horn to Go“ dabei und kann daher die Perspektive der Musiker*innen aufzeigen: „Vor allem der Kontakt zum Publikum und der menschliche Austausch fehlte während der Pandemie. Umso wertvoller war es für mich und meinen Gitarristen Jonathan Brett, bei „Horn To Go“ endlich wieder live vor Publikum handgemachte Songs spielen zu dürfen. Die Resonanz war groß und hat uns sehr bewegt. Man kann nur hoffen, dass die während der Pandemie wiederentdeckte Wertschätzung für Live-Musik uns auch weiter begleitet, wenn wir die Pandemie endlich überwunden haben. Mithilfe einer staatlichen Förderung für Selbstständige konnte ich mir ein Heimstudio einrichten und so während der Pandemie auf Onlinemusik umschwenken. Das dadurch erlangte Tontechnik - und Produktionswissen kommt mir jetzt zugute und hat mich als Songwriterin und Künstlerin viel unabhängiger gemacht. Dieses Wissen möchte ich gerne mit jungen Mädchen und Frauen teilen, da Frauen in der Musikbranche nach wie vor unterrepräsentiert sind – vor allem in den Bereichen Tontechnik und Produktion. Für nächstes Jahr planen wir, hier in der Horner Freiheit Producing Workshops für Mädchen anzubieten.“ [caption id="attachment_2428" align="aligncenter" width="1024"]In Ihrem Heimstudio hat Colleen Livingston während der Pandemie viel zum Thema Musikproduktion gelernt. Dieses Know-How möchte sie im nächsten Jahr im Rahmen von Workshops mit anderen teilen.Foto © Colleen Livingston[/caption] Es sind solche kleinen Geschichten und persönlichen Erlebnisse, die unser kleines Haus zu einem Stadtteilzentrum machen. Wir sind stolz wie Bolle auf unsere Leute, aber auch auf die Nachbarschaft, die wieder herkommt, sich mit uns austauscht, sich bewegen, bilden und unterhalten lässt. Ohne die Förderung aus NEUSTART KULTUR hätten wir vermutlich unsere Besucher*innen und ebenso unseren Zusammenhalt verloren. Die Pandemie hat uns gelehrt, dass wir uns neu erfinden müssen, um in harten Zeiten zu bestehen. Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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3. November 2021
#neustartkultur, Zentren 2

Nachhaltig investieren bei Zentren 2

Das Förderprogramm NEUSTART KULTUR - Zentren 2 bietet die Möglichkeit, nachhaltige Produkte anzuschaffen. Der Bundesverband Soziokultur steht den Antragsteller*innen dabei beratend zur Seite. Nachhaltigkeits-Expertin Franziska Mohaupt erklärt, worauf beim nachhaltigen Kauf zu achten ist und welche Hilfestellungen es gibt. Beim Kauf einer Spülmaschine wird es deutlich: Maschinen mit den besten Verbrauchswerten kosten deutlich mehr als Geräte, die mehr Strom und Wasser verbrauchen. Solche hochwertigen Produkte sind zwar in der Anschaffung teurer, gleichen dies jedoch durch geringere Kosten im Betrieb wieder aus. Das Problem ist: In Beschaffungsrichtlinien gilt häufig der günstigste Preis als maßgebliches Entscheidungskriterium. Die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien hat nun in fast allen Förderangeboten Nachhaltigkeit als ein wichtiges Bewilligungskriterium eingeführt. Kulturelle Einrichtungen sollen durch NEUSTART KULTUR nachhaltigere Produkte anschaffen können, auch wenn diese teurer in der Anschaffung sind. Zur Umsetzung der Maßnahmen sind ökologisch sinnvolle Möglichkeiten zu wählen (wiederverwendbare Materialien und Ausstattung, möglichst geringer Energie- und Ressourcenverbrauch, nachhaltige Veranstaltungen und Mobilitätskonzepte etc.), die möglichst auch dazu beitragen sollen, den ökologischen Fußabdruck beim Antragsteller zu verbessern. Der Passus aus den Fördergrundsätzen zu NEUSTART KULTUR im Bereich Zentren 2, der vom Bundesverband Soziokultur durchgeführt wird, ermöglicht den Antragsteller*innen, Anträge für Investitionen in nachhaltigere Produkte einzureichen, wenn sie nachweisen können, dass diese ökologisch nachhaltiger sind. Öko-Label bieten Orientierung „Die beste Orientierung für die aus ökologischer Sicht bessere Alternative liefern Öko-Label“, empfiehlt Franziska Mohaupt. Die erfahrene Ingenieurin für technischen Umweltschutz hat gemeinsam mit dem Team von NEUSTART KULTUR - Zentren 2 Kriterien für eine nachhaltige Beschaffung für das Förderprogramm erarbeitet. Sie berät potenzielle Antragsteller*innen und schult die Förderreferent*innen in Fragen der nachhaltigen Beschaffung. Sie weiß um die Schwierigkeiten, die viele Verbraucher*innen mit den Kennzeichnungen haben: „Es gibt unendlich viele Labels und es stellt sich die Frage, was es mir sagt und ob es ein glaubwürdiges ist.“ Das Internet-Portal label-online.de vom Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. gibt Orientierung im Label-Dschungel. Anhand von Produktkategorien sind hier alle Umweltkennzeichen aufgelistet und bewertet. Ein vertrauenswürdiges Öko-Label ist beispielsweise Der Blaue Engel, das Umweltzeichen der Bundesregierung. Auf blauer-engel.de sind konkrete Produkte aufgelistet, die das Umweltkennzeichen tragen. [caption id="attachment_2151" align="aligncenter" width="654"] Franziska Mohaupt ist Referentin für nachhaltige Entwicklung bei NEUSTART KULTUR - Zentren 2Foto © Fotomanufaktur Schnittfincke[/caption] Lebenszykluskostenansatz als Grundlage Bei Produkten, die kein Öko-Label besitzen, bietet der Lebenszykluskostenansatz eine Berechnungsgrundlage bei der Suche nach dem ökologischeren Produkt. Den Geförderten dient er als Vergleichsinstrument und Begründung ihrer nachhaltigen Produktwahl. „Mit dem Lebenszykluskostenansatz können Einrichtungen berechnen, welches Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus, also vor allem unter Berücksichtigung der Nutzungsphase, weniger Kosten generiert“, sagt Mohaupt. War es in der Vergangenheit allein der Anschaffungswert, der als Richtline für förderfähige Produkte galt, sind Lebenszykluskosten die Kosten, die über die gesamte Lebensdauer des Produkts anfallen. Sie beinhalten für Konsument*innen die Kosten der Anschaffung, für Betrieb und Wartung sowie für die Entsorgung. „Wichtig ist, dass die Nutzungsdauer einbezogen wird“, sagt Mohaupt. „Bei einer Spülmaschine macht es einen gewaltigen Unterschied bei den Betriebskosten, ob die Nutzungsdauer drei oder zehn Jahre beträgt.“ Betriebskosten fallen höher ins Gewicht, je höher die Nutzungsdauer angelegt ist. Dabei gilt, dass geringere Betriebskosten einhergehen mit einem geringeren Ressourcenverbrauch während der Nutzung. Ein weiterer Aspekt, der bei der Berechnung der Lebenskosten ins Gewicht fällt, ist die Langelebigkeit. Denn Produkte, die über eine Nutzungsdauer von sieben oder zehn Jahren nicht durch ein Neues ersetzt werden müssen, sparen viele Ressourcen, die sonst für die Herstellung verbraucht worden wären. Dieser Ansatz ist besonders für solche Produkte sinnvoll, für die ein großer Teil der Kosten während der Nutzung oder Entsorgung zu erwarten sind. So kann sich ein höherer Kaufpreis amortisieren und Emissionen können eingespart werden. Für die Berechnung und den Vergleich der Lebenszykluskosten verschiedener Produktgruppen stellt das Umweltbundesamt ein Tool zur Verfügung. In den Excel-Tabellen sind auch Formulare zur Angebotseinholung enthalten, die von den Händler*innen ausgefüllt werden können und alle Informationen enthalten, die für den Kostenvergleich notwendig sind. Steckbriefe für einzelne Produktgruppen Leider steckt der Teufel im Detail. So gibt es für viele Produktgruppen noch keine verlässliche Umweltzertifizierung, auch weil diese mit den schnellen Entwicklungszyklen nicht mithalten kann. Für einzelne Produktgruppen, die bereits bei NEUSTART KULTUR - Zentren 1 häufig beantragt wurden, hat Franziska Mohaupt allgemeine Hinweise in kurzen Steckbriefen zusammengefasst, die die Suche nach ökologisch nachhaltigeren Produkten erleichtern. Bei Laptops zum Beispiel werden bei der Herstellung viele Ressourcen verbraucht. Daher sind langlebige oder refurbished (= generalüberholte) Notebooks vorzuziehen. Für die Nutzungsphase gilt: Prozessor, Grafikkarte, Bildschirm und Netzteil haben den größten Einfluss auf den Stromverbrauch. „Bei der Beschaffung muss ich also zuallererst überlegen, was ich eigentlich mit dem Gerät machen möchte“, gibt Mohaupt zu Bedenken. „Ist es ein Bürocomputer, auf dem hauptsächlich Word-Dokumente bearbeitet werden sollen, oder benötige ich einen Multimedia-Computer, auf dem audiovisuelle Inhalte produziert werden.“ Je nach Nutzung werden unterschiedlich leistungsstarke Komponenten benötigt, die einen entsprechenden Stromverbrauch nach sich ziehen. Steckbriefe IT-Infrastruktur Beleuchtung Lufthygiene Sanitäranlagen Die Steckbriefe und weitere Dokumente sind im Downloadbereich abrufbar. Weiterführende Links UBA (2019): Schulungsskript des Umweltbundesamts zur Berechnung von Lebenszykluskosten: PDF zum Download Berechnungswerkzeug für Lebenszykluskosten verschiedener Produkte (LCC-Tool ): Excel-Tabelle zum Download Durchblick im Labeldschungel: www.label-online.de, www.siegelklarheit.de Neue Licht-Effizienzklassen der EU: PDF zum Download Prakash, S., Antony F., Köhler, A.R., Liu, R. und A. Schlösser (2016): Ökologische und ökonomische Aspekte beim Vergleich von Arbeitsplatzcomputern für den Einsatz in Behörden unter Einbeziehung des Nutzerverhaltens (Öko APC ). UBA Texte 66/2016: PDF zum Download
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1. November 2021
#neustartkultur, #pressemeldung

Bundesverband Soziokultur fördert pandemiebedingte Investitionen in soziokulturelle Zentren, Kulturzentren und Literaturhäuser

Der Bundesverband Soziokultur hat am 01. November 2021 die Ausschreibung zu NEUSTART KULTUR in der Fördermaßnahme „Zentren 2“ veröffentlicht. Antragsberechtigt sind soziokulturelle Zentren, Kulturzentren und Literaturhäuser – auch dezentrale Träger. Einzelunternehmer*innen, die eine soziokulturelle Einrichtung betreiben, können ebenfalls einen Antrag stellen. Gefördert werden pandemiebedingte Umbau-, Modernisierungs- und Ausstattungsmaßnahmen in einer Höhe von maximal 100.000 Euro. Ein Förderantrag kann ab dem 15. November bis spätestens zum 30. November 2021 online gestellt werden. Die Ausschreibung sowie weitere Informationen sind auf www.soziokultur.neustartkultur.de/zentren2 zu finden. „Zentren 2“ ist die Neuauflage der im vergangenen Jahr vom Bundesverband Soziokultur durchgeführten NEUSTART KULTUR Förderung für pandemiebedingte Investitionen in Kultureinrichtungen zur Erhaltung und Stärkung der bundesweit bedeutenden Kulturlandschaft. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) stellt dafür weitere 5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderung pandemiebedingter Investitionen umfasst beispielsweise Technik für Open-Air-Veranstaltungen, die Modernisierung sanitärer Anlagen, Klima- und Belüftungssysteme oder die Erweiterung von Nutzflächen. Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen ist nach Möglichkeit auf Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit zu achten. Um die nachhaltige Entwicklung kultureller Einrichtungen zu unterstützen, weitet der Bundesverband Soziokultur seine Beratungsangebote aus. „Nachhaltigkeit ist für unseren Verband ein zentrales Thema. Es freut mich deshalb besonders, dass wir erstmalig eine kompetente Beratung zur nachhaltigen Entwicklung im Rahmen von NEUSTART KULTUR anbieten können“, so Bundesgeschäftsführerin Ellen Ahbe. In einer öffentlichen Videokonferenz zum Thema „Wie kann ich den ökologischen Fußabdruck bei Investitionen berücksichtigen?“ am 8. November 2021 informiert der Bundesverband zur nachhaltigen Beschaffung im Rahmen von NEUSTART KULTUR - Zentren 2. Die Online-Beratungen zu allgemeinen Fragen zur Förderung finden am 4. und 9. November 2021 statt. Einrichtungen, die bereits eine Förderung im NEUSTART KULTUR Programmteil „Pandemiebedingte Investitionen“ in Anspruch genommen haben, sind nicht antragsberechtigt. Eine Kombination mit anderen Programmteilen aus NEUSTART KULTUR ist möglich.v
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19. Oktober 2021
#neustartkultur, #portrait

Der „Kuschelfaktor“ in der Pandemie – Die Urania Potsdam wagt den NEUSTART KULTUR: Digital und Open Air

Die Urania „Wilhelm Foerster“ in Potsdam existiert in ihrer jetzigen Form als gemeinnütziger Verein in freier Trägerschaft seit genau 30 Jahren. Kulturelle Bildungsveranstaltungen, Vorträge, Führungen, Kursangebote, Konzerte, einmalige Exkursionen, Planetariums-Events und Veranstaltungen im Rahmen der „Initiative Offene Gärten“ sind Teil des diversen Programmangebots, das sowohl die 500 Mitglieder des Vereins als auch Gäste aus Potsdam und Umgebung mit großem Interesse und in großer Zahl wahrnehmen. Prof. Karin Flegel, Geschäftsführerin der Urania, verweist auf die Bedeutung der sozialen Komponente: „Hier wird Bildung gemeinsam erlebt“. Das Publikum sucht im Teilen des gemeinsamen Interesses vor allem auch menschliche Nähe und Begegnung. Das Team der Urania nennt dies mit liebevollem Augenzwinkern auch den „Kuschelfaktor“ und sieht darin ein besonderes Merkmal des Zentrums, der einen großen Teil der Anziehungskraft ausmacht, die das Zentrum im holländischen Viertel Potsdams seit 30 Jahren auf das Publikum ausübt. Doch im Frühjahr 2020 kam mit der Corona-Pandemie der erste Lockdown und stoppte die Besucher*innenströme – und damit auch die Begegnungen. Am 11. März 2020 fand die letzte ausverkaufte Veranstaltung in der Urania statt – danach kam alles zum Stillstand. Die Türen der Urania wurden geschlossen – sowohl für das Publikum wie auch für fast alle der sieben angestellten Mitarbeiter*innen, die bis auf Weiteres in Kurzarbeit gehen mussten. [caption id="attachment_2286" align="aligncenter" width="1024"] Mit Hilfe der Förderung aus NEUSTART KULTUR hat sich die Urania Potsdam auf einen Betrieb unter Pandemiebedingungen eingestellt.Foto ©URANIA "Wilhelm Foerster" Potsdam e. V.[/caption] Im Sommer und Herbst 2020, als das Arbeiten durch Teil-Lockerungen wieder möglich war, konnte ein kleiner Teil des Programms wiederaufgenommen werden: Das Team der Urania konnte Führungen und Veranstaltungen im Freien für eine kleine Anzahl von Besucher*innen anbieten. Doch viele andere geplante Veranstaltungen konnten nicht stattfinden. Einerseits fehlten digitale Organisationsstrukturen, die notwendig wurden, um für die Mitarbeiter*innen ein sicheres Arbeiten unter Pandemiebedingungen zu ermöglichen. Andererseits fehlte es an Ausstattung für den Schutz von Teilnehmer*innen und Besucher*innen im Rahmen von Veranstaltungen. Schon zu normalen Zeiten gab es für Prof. Karin Flegel immer viel zu tun. Das jährliche Ziel der Urania lautet: "Ein Maximum an leistbarer allgemeiner, kultureller und politischer Bildung für alle Interessierten“. Daneben geht es der Geschäftsführerin auch immer um den Erhalt der Arbeitsplätze. Doch im Corona-Winter 2020/2021 ging es um mehr. Wie für viele andere Kulturzentren auch stellte der zweite Lockdown für die Urania eine existentielle Bedrohung dar. Das Förderprogramm NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur ermöglichte es der Urania, die Situation als Chance umzudeuten. Mit Hilfe der Fördergelder konnte das Team die Zeit des Lockdowns nutzen, um die IT-Infrastruktur zu erweitern und damit pandemiekonformes Arbeiten möglich zu machen. Daneben konnte Geld in Ausstattung investiert werden, die im Zuge einer Wiedereröffnung nach dem Lockdown Veranstaltungen im Freien möglich machen sollte. [caption id="attachment_2285" align="aligncenter" width="1024"]Unter Pandemiebedingungen fanden viele Kulturveranstaltungen der Urania Potsdam im Freien statt.Foto ©URANIA "Wilhelm Foerster" Potsdam e. V.[/caption] Die Erneuerung der IT-Infrastruktur stellte eine große Herausforderung dar. Viele Prozesse basierten auf analogen Arbeitsabläufen, die nicht ohne Weiteres in ein vorgefertigtes digitales System übertragen werden konnten. Auch das Thema Datenschutz war dem Team der Urania im Rahmen der Digitalisierung wichtig, brachte aber zusätzliche Hürden mit sich. Inzwischen sind die Mitarbeiter*innen begeistert von ihrem neuen digitalen Arbeitsumfeld. Mit nur wenigen „Klicks“ kann das Team nun auf alle wichtigen Informationen und Prozesse zugreifen. Einige gewohnte Arbeitsabläufe konnten in die digitale Welt übersetzt werden. So ist das routinierte Arbeiten trotz Kontaktaktvermeidung möglich. Darüber hinaus kann nun im Falle eines positiven Corona-Tests von Besucher*innen oder Mitarbeiter*innen eine schnelle Kontaktnachverfolgung gewährleistet werden. Um sich auf die Wiedereröffnung unter Pandemiebedingungen vorzubereiten, investierte die Urania außerdem in Open-Air-Equipment. Über die Fördermittel aus NEUSTART KULTUR konnten unter anderem ein Zeltdach, Außenbestuhlung, eine Soundanlage sowie Desinfektions-Stationen und Schutzaufsteller angeschafft werden, die nun für Veranstaltungen auf dem Hof der Urania oder bei Veranstaltungen in den „Offenen Gärten“ genutzt werden können. Heute sind die frisch gedruckten Programmhefte der Urania wieder voller attraktiver Veranstaltungen. Ein Besuch lohnt sich! Allein der „Kuschelfaktor“ ließ sich unter den derzeitigen Bedingungen noch nicht ganz wiederherstellen. Seit dem letzten Winter wird zwar ein kleines Ersatzprogramm für die Sinne geboten: „Urania zum Lesen“, „Urania zum Hören“ und „Urania zum Sehen“. Doch auf ein Programmangebot, in dessen Rahmen menschliche Begegnungen wieder wie zu Zeiten vor der Pandemie möglich sind – sozusagen „Urania zum Fühlen“ – müssen sowohl das Team wie auch das Publikum der Urania vermutlich noch einige Zeit warten. [caption id="attachment_2283" align="aligncenter" width="1024"]Das Team der Urania Potsdam.Foto ©URANIA "Wilhelm Foerster" Potsdam e. V.[/caption] URANIA "Wilhelm Foerster" Potsdam e. V. Gutenbergstraße 71-72 14467 Potsdam Tel.: +49 (0331) 29 17 41 Email: verein@urania-potsdam.de Website: www.urania-potsdam.de
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13. September 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Die SCHOTTE in Erfurt

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Juliane Kolata | Schotte e.V. Die SCHOTTE in Erfurt ist ein Kinder- und Jugendtheater mit angeschlossenem theaterpädagogischen Zentrum. Als kulturelle Bildungs- und Freizeiteinrichtung gibt sie Kindern ab 10 Jahren und Jugendlichen bis 27 Jahren die Möglichkeit, sich im Theaterspiel auszuprobieren. Mit ihren Spieler:innen arbeitet das Team der SCHOTTE künstlerisch und pädagogisch über viele Jahre hinweg und ermöglicht ihnen so, ihre kreativen und darstellerischen Fähigkeiten auf der Bühne in hoher Qualität und mit großem Spielspaß zu zeigen. Im Regelfall bestreiten bis zu 15 Inszenierungsgruppen den ganzjährigen Spielplan. Jede Inszenierung läuft etwa 3 Jahre. Jährlich sehen ca. 20.000 Zuschauer jeden Alters die Vorstellungen der SCHOTTE. Die SCHOTTE konnte sich deutschlandweit als anerkanntes Jugendtheater etablieren, ist im Bereich des Amateurtheaters ein gefragter Partner und unterstützt auf vielfältige Weise auch das Schultheater. Sie ist öffentlich anerkannt als Träger der freien Jugendhilfe. Von: Juliane Kolata, Schotte e.V. Auf eine Minute! – Das SCHOTTE- Minutentheater Seit Beginn der Pandemie konnten viele unserer Gruppen auf unserer Bühne im Haus nicht mehr aufführen – Uminszenierungen auf den nötigen Mindestabstand waren auf Grund der Gruppengröße nicht möglich. Um unsere Darsteller:innen dennoch wieder ins Spiel zu bringen und für sie das Theater als sinn- und selbstwertstiftendes Freizeitangebot zu erhalten, entwickelten wir im Rahmen der Förderung durch NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur verschiedene pandemiekonforme Spielformate. [caption id="attachment_2169" align="aligncenter" width="1024"] Die SCHOTTE in Erfurt ist ein Jugendtheater und theaterpädagogisches Zentrum, das auch soziokulturell wirkt.Foto © Schotte e.V.[/caption] Eines davon war das sogenannte "Minutentheater", ein Straßentheaterformat à la „delivery on demand“ – oder anders: „Die Zuschauer machen Pling - und dann startet das Ding!“ Alle interessierten Darsteller:innen ließen wir kurze Monologe oder Dialoge aus ihren Inszenierungen in ihrer jeweiligen Rolle zeigen - auf kleinen Bühnen, mit Abstand, unter freiem Himmel. Das vorbeischlendernde Publikum war aufgefordert, die jeweiligen Figuren per Fußklingel „zum Spielen zu bringen“. In der Mix-Version unseres Minutentheaters lieferten sich so zeitgleich zum Beispiel Sommernachtstraums Puck und Oberon ein zauberhaftes Wortgefecht, klagte Hamlets Ophelia den Zuschauern ihr Liebesleid oder holte Moby Dicks Kapitän Ahab zum vermeintlich letzten Schlag gegen den weißen Wal aus. [caption id="attachment_2150" align="aligncenter" width="1024"] Bei der Mix-Version des Minutentheaters ergaben sich spannende Wortgefechte zwischen berühmten Figuren der Theatergeschichte.Foto © Schotte e.V.[/caption] Die Zuschauer:innen schienen mal vergnügt, mal nachdenklich, auch ernsthaft bewegt ob dieser kleinen Theater-Kostproben. Deutlich zu spüren war, dass sowohl Spieler:innen als auch Zuschauer:innen die so lang entbehrte gegenseitige Anwesenheit sichtlich genossen. „Jetzt weiß ich, was die ganze Zeit gefehlt hat“, äußerte sich zum Beispiel eine gerührte Zuschauerin. Einer unserer Spieler gab zu: „Ich hatte ganz vergessen, dass Spielen so viel Spaß macht.“ Überraschend war die Resonanz auf das Projekt jedoch auch für uns, denn was wir als “Notlösung“ geboren hatten, entpuppte sich als hervorragende Möglichkeit, um auch „theaterfremdes“ Publikum zu erreichen. [caption id="attachment_2152" align="aligncenter" width="1024"]Die SCHOTTE möchte das Format "Minutentheater" auch in Zukunft auf den Straßen Erfurts zeigen.Foto © Schotte e.V.[/caption] Während unseres Antigone-Minutentheaters gab es solch ein Beispiel: Eine Gruppe von Jugendlichen lief vor der Aufführung an den bereits präparierten Minibühnen vorbei. Laut lasen sie sich die Namen der Figuren vor. Nur einer aus der Gruppe erinnerte sich dunkel, dass er in der Schule schon mal etwas über „dieses Antigone“ gehört hatte – kam bei der Nacherzählung jedoch ins Stocken und bemühte dann sogar sein Handy, um die Erinnerung wieder aufzufrischen. Wir rechneten nicht damit sie wiederzusehen, doch offensichtlich war ihr Interesse geweckt: Kurz nachdem die Minutentheater-Vorstellung begonnen hatte, kehrte die Gruppe zurück, um sich dann akribisch durch alle Monologe „hindurch zu klingeln“. Ein toller Erfolg. [caption id="attachment_2151" align="aligncenter" width="1024"] Die Zuschauer:innen reagierten mal vergnügt, mal nachdenklich, auch ernsthaft bewegt auf die kleinen Theater-Kostproben.Foto © Schotte e.V.[/caption] Und eine weitere kleine Beobachtung machten wir während dieses Minutentheaters: Ein älteres Pärchen klingelte mehrfach den Dialog zwischen Antigone und Kreon an. Die Figuren stritten darin um die Grundlage rechtschaffenden Handelns: Moral oder Gesetz?! Die Intimität und Nähe des Theatermoments und vielleicht auch das Thema selbst trieben den beiden Zuschauenden auf offener Straße die Tränen in die Augen. Auch für die beiden Darsteller war dies ein emotionaler Moment und eine kostbare Erfahrung, die sie so während einer Vorstellung im Haus, allein auf Grund der dortigen räumlichen Distanz, nicht gemacht hätten. Wir sind sehr dankbar dafür, dass sich unsere Minutentheater eines so großen Zuspruchs erfreuen und werden sie deshalb wohl auch in Zukunft immer mal wieder auf die Straße bringen – womöglich auch wenn der Spielbetrieb auf der Bühne wieder läuft. Die Förderungen im Rahmen von NEUSTART KULTUR machten die vielen zusätzlichen Proben – zunächst digital und später auch vor Ort – möglich. Die Alternative, gemeinsam auf der Straße zu agieren, wieder in ihre Rollen schlüpfen zu dürfen und die Aufregung vor und die Freude nach dem Auftritt zu teilen, hat unsere Darsteller:innen nach langer Pause wieder neu verbunden. Darüber sind wir wirklich froh. Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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1. September 2021
#neustartkultur, #pressemeldung

Pressemeldung – Bundesverband Soziokultur fördert erneut pandemiegerechte Programmarbeit

Berlin, 01.09.21: Heute hat der Bundesverband Soziokultur die Ausschreibung von NEUSTART KULTUR in der Fördermaßnahme Programm 2 veröffentlicht. Die Antragstellung für NEUSTART KULTUR - Programm 2 ist ab dem 15.09.2021 möglich. Im Vorfeld bietet der Bundesverband öffentliche Videokonferenzen zur Antragsberatung an und hilft bei Fragen zur Antragstellung per E-Mail und Telefon weiter. Die Ausschreibung sowie weitere Informationen zu NEUSTART KULTUR - Programm 2 gibt es unter soziokultur.neustartkultur.de/programm2. Bundesgeschäftsführerin Ellen Ahbe erwartet großes Interesse: „Die erneute Ausschreibung bildet voraussichtlich die letzte Möglichkeit für finanzielle Unterstützung der Programmarbeit im Jahr 2022 durch unseren Verband. Ich hoffe, dass diesmal auch kleinere Einrichtungen die Entwicklung neuer, pandemiegerechter Formate und die Anpassung bestehender Angebote über NEUSTART KULTUR fördern lassen. Gerade in überwiegend ehrenamtlich geführten Organisationen erfordern die interne Abstimmung und die Beratung zu förderrechtlichen Bestimmungen seitens unseres Verbandes zeitlichen Vorlauf, den wir diesmal einräumen konnten.“ Programm 2 ist die Neuauflage der im vergangenen Jahr vom Bundesverband Soziokultur durchgeführten NEUSTART KULTUR Förderung zur Stärkung kultureller und soziokultureller Programmarbeit unter Pandemiebedingungen. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) stellt dafür erneut 15 Millionen Euro zur Verfügung. Antragsberechtigt sind Kulturzentren, soziokulturelle Zentren und weitere Einrichtungen und Initiativen mit kulturellem Schwerpunkt und entsprechendem Aktivitätsprofil – auch dezentrale Träger. Einzelunternehmer*innen, die eine entsprechende Kultureinrichtung betreiben, können ebenfalls einen Antrag stellen. Die Förderung der Programmarbeit umfasst einzelne Veranstaltungen sowie kontinuierliche Angebote wie Kurse, Workshops und offene Treffs. Dabei werden Grundkosten, aktivitätsbezogene Kosten und Personalkosten für die Planung, Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Programmarbeit unter Pandemiebedingungen gefördert. Einrichtungen, die bereits eine NEUSTART KULTUR Förderung erhalten haben, können erneut eine Förderung ihrer Programmarbeit beantragen.
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23. August 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Das Jugendzentrum Aurich

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Sandra Grau | Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR Das Jugendzentrum Aurich - Schlachthof besteht seit 1980 in der heutigen Form und ist seit jeher wegen seines vielfältigen Veranstaltungs- und Kulturangebots überregional bekannt. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit Aurich setzt sich für Toleranz und Gleichberechtigung ein. Fremdenfeindliche, rassistische, homophobe und undemokratische Strukturen werden nicht geduldet, im Gegenteil sind interkulturelle sowie toleranzfördernde Angebote die Regel. Partizipation und Bürger-/Jugenbeteiligung stehen im Vordergrund. Das Jugendzentrum fungiert als Teil des Familienzentrum Aurich, welches im Förderprogramm Mehrgenerationenhaus und als Ehrenamtsagentur aktiv ist. Hier engagieren sich mehr als 60 Vereine, Gruppen, Initiativen, Selbsthilfegruppen, Kulturangebote und Bündnisse in den Handlungsfeldern Begegnung, Bildung, Beratung und Betreuung. Von: Sandra Grau, Leitung Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR Die Veranstaltungshalle des JUZ bietet unter normalen Bedingungen Raum für eine Vielzahl von Events für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen. Aufgrund der Corona-Krise ergibt sich nun jedoch die Notwendigkeit, auch alternative Veranstaltungsorte - vor allem Outdoor - zu erschließen, um den unterschiedlichen pandemiebedingten Vorgaben gerecht werden zu können und Kultur dennoch zu leben. Der schöne Innenhof des Jugendzentrums bietet hierfür durch seine charmante Atmosphäre genau den richtigen Rahmen. Unser Konzept macht aus unserem Hof einen Outdoor-Veranstaltungsbereich, der durch flexible und mobile Gestaltungsmöglichkeiten (Möbel, Bühne, Licht und Technik) ein breites Spektrum an neuen und alten Veranstaltungsformaten ermöglicht. [caption id="attachment_1588" align="aligncenter" width="929"] Der charmante Innenhof mit Baumbestand bietet vielfältige Möglichkeiten für Outdoor-Veranstaltungen.Foto © Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR[/caption] NEUSTART direkt nach dem Lockdown – Aktionstage Mehrgenerationenhaus mit "Puppets in Minutes" und "La Jazz" Eingeweiht wurde der neue Innenhof schließlich bei den bundesweiten „Aktionstagen Mehrgenerationenhaus“ im Jugend-und Familienzentrum Aurich. Am Samstag, dem 29. Mai 2021 wurden am Morgen die Loungemöbel mit den orangefarbenen Sitzkissen aufgebaut, die Stehtische und Hocker im Innenhof verteilt und die mobilen Bühnenelemente für die Eröffnungsshow platziert. Pünktlich mit den ersten Lockerungen nach dem Lockdown, der die erste Jahreshälfte 2021 überschattet hatte, konnte somit der neu gestaltete Innenhof endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Bühnenprogramm wurde von den „Puppets in Minutes“ gestaltet - einem ebenfalls über NEUSTART KULTUR geförderten, pandemiegerechten mobilen Figurentheaterprogramm aus Aurich - gemeinsam mit dem Ensemble „La Jazz“, die eine bunte Show mit Marionetten und Musik zeigten. Das altersgemischte Publikum zeigte sich begeistert: Von der Möglichkeit, endlich wieder zusammenkommen zu dürfen, von der unterhaltsamen Mischung aus Poesie und Comedy des Programms und vom neuen Charme des Innenhofs des Jugendzentrums Aurich. An diesem Nachmittag zeigten sich nun erstmals die vielfältigen Perspektiven für einen NEUSTART KULTUR im Jugendzentrum Aurich, der insbesondere Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien zu Gute kommen soll. [caption id="attachment_1583" align="aligncenter" width="949"] Auftritt der „Puppets in Minutes“ bei der Eröffnungsveranstaltung des neu gestalteten Innenhofs.Foto © Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR[/caption] NEUSTART der offenen Kinder- und Jugendarbeit am 01.06.2021 – Begeisterung durch chilligen Loungeflair im Außenbereich Das neue Außenmobiliar kam bei den Besucher*innen sehr gut an: „Nach dem langen Lockdown wirkt das wie ein kleiner Urlaub“. Ein Bestuhlungsmix aus Sitzhockern, Lounge- Ecken und verschiedene Sitzkissen ermöglichen den Kindern und Jugendlichen, sich in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen, Freunde zu treffen, neue (kulturelle) Ideen zu entwickeln und ein wenig Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen. NEUSTART Jugendbeteiligung JUGA - Jugend gestaltet Aurich Auch bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „JUGA – Jugend gestaltet Aurich“ am 25.06.2021 kam das flexibal nutzbare zum Einsatz. Paletten Möbel, Stehtische, Hocker und verschiedene Sitzkissen ermöglichten es Jugendlichen, in gemütlicher Atmosphäre über ihre individuellen Vorstellungen, Sorgen und Wünsche für die Zukunft der Stadt Aurich zu sprechen. Gerade nach bzw. in der Corona-Krise sind neue Ideen und Beteiligungsformate relevant, um Entwicklungsmöglichkeiten kennenzulernen und zu nutzen. Kulturelles Entwicklungspotential stand bei der Ideenentwicklung im Vordergrund. [caption id="attachment_1589" align="aligncenter" width="854"]Auch das Format "JUGA - Jugend gestaltet Aurich" wurde durch das über NEUSTART KULTUR geförderte Mobiliar wieder möglich.Foto © Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR[/caption] JUGA - Jugend gestaltet Aurich geht am 16.07.2021 in die nächste Runde Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung „JUGA – Jugend gestaltet Aurich“ wurde bereits im Anschluss an den Termin ein neues Treffen vereinbart, bei welchem sich die interessierten Jugendlichen speziell zu dem Thema Kultur und Freizeitangebote austauschen sollten. Neben dem bereits erprobten Mobiliar, welches sowohl Outdoor als auch Indoor eingesetzt wurde, kamen – passend zum inhaltlichen Schwerpunkt der Veranstaltung – auch erstmalig die aufblasbare Kinoleinwand sowie der Beamer zum Einsatz. Dank NEUSTART KULTUR konnten alle Beteiligten diesen produktiven und kreativen Tag bei einem gemeinsamen Filmabend ausklingen lassen. Geplant sind viele weitere Angebote und Veranstaltungen, bei denen auch noch weiteres angeschafftes Ausstattungsmobiliar wie die Outdoor-Lichtanlage, das Outdoor-Thekenhäuschen, die Feuerschalen und die Pelletheizöfen eingesetzt werden. Wir freuen uns über die Möglichkeiten, die sich uns durch die Förderung im Rahmen des Förderprogramms NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur eröffnen und sagen auch im Namen unserer Besucher*innen und Gäste DANKE!!! Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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16. August 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Das KOMM-Haus in Leipzig

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Birgit Grunewald | KOMM-Haus Leipzig Das KOMM-Haus ist ein soziokulturelles Zentrum im Wohnkomplex 8 in Leipzig Grünau. Das Zentrum ist offen für alle Menschen unabhängig von ihrer sozialen, kulturellen oder religiösen Herkunft und versteht sich als ein Begegnungs- und Kommunikationsort für Bürger, Familien, Vereine und Institutionen aus Grünau und darüber hinaus. Ziel ist die Schaffung eines Orts für Kunst, Kultur und Bildung. Ebenso bietet das Zentrum einen Nachbarschaftstreff, den Freizeittreff »Wilde 11« und einen Treffpunkt für Selbsthilfegruppen. Das Soziokulturelle Zentrum "KOMM-Haus" wird betrieben durch die VILLA gGmbH für Jugend, Kultur & Soziales in Leipzig. Von: Birgit Grunewald, Öffentlichkeitsarbeit Soziokulturelles Zentrum "Die VILLA" Unser Soziokulturelles Zentrum »KOMM-Haus« in Leipzig Grünau, einem Sozialen Brennpunkt ganz im Westen von Leipzig, steht für Gemeinschaft, Kultur und Engagement. Der Stadtteil leidet unter mehreren Herausforderungen. Eine davon: Im Umkreis gibt es keine Gaststätte oder ähnliches. Diesen Mangel thematisieren unsere Besucher*innen und die Bewohner*innen des Stadtteils immer wieder. Mit unserer Mitmach-Pizzeria gingen wir dieses Thema an. Unsere Idee: Zusammen mit den Bewohner*innen organisieren wir einen temporären Gemeinschaftsort in Grünau. So verwandelte sich im Juni 2021 wieder eine Brachfläche in eine Freiluft-Pizzeria mit traditionellem holzbefeuerten Pizzaofen. An einer Theke belegte sich jeder seine Pizza und ließ diese backen. Die originelle Gestaltung des Ofens und die bunten Sitzmöglichkeiten luden zum Kontakt und Gespräch zwischen den Besucher*innen ein. Die Freiluft-Pizzeria ist dabei auch ein prima Ort für kulturelle Aktivitäten: Konzerte, Lesungen und Workshops fanden hier statt und erreichten Menschen, welche sonst vielleicht das KOMM-Haus nicht besuchen. Die Rollen der Organisatoren und Besucher*innen waren fließend: Bewohner*innen übernahmen das Pizza backen; wir kamen ins Gespräch mit anderen Akteur*innen. Die Pizza und deren Belag sowie die Getränke konnten gegen eine Spende erworben werden. [caption id="attachment_1567" align="aligncenter" width="886"] Zahlreiche Künstler*innen spielten 2021 bei der Mitmach-PizzeriaFoto © KOMM-Haus Leipzig[/caption] Warum wählten wir als Mittel Pizza? Pizza bietet viele Anschlussmöglichkeiten: Alle mögen sie, sie lässt sich individuell belegen und eine Pizza wird gern geteilt. Dadurch ist es möglich, mit einfachen Mitteln und ohne mitgebrachte Fähigkeiten etwas zum Gemeinschaftserlebnis beizutragen. Das gemeinsame Kochen und Essen ist ein ideales Werkzeug für niederschwellige und gemeinschaftliche Erlebnisse im öffentlichen Raum. Es ist anknüpfungsfähig für jede Altersstufe, benötigt keine Sprachkenntnisse und weist im Falle der auf Spendenbasis basierenden Pop-Up Pizzeria keine monetäre Einschränkung auf. Unser Anliegen ist es, Impulse für Grünau zu setzen. Wir greifen den Bedarf der Bewohner*innen nach einer Gastronomie auf und geben einen temporären Lösungsvorschlag. Wir beziehen die Besucher*innen direkt in die Arbeit ein und lassen sie erleben, dass Engagement etwas verändern kann. Mit einem Pop-Up-System laden wir innerhalb des Stadtteils zum Begegnen und Verweilen ein und ermöglichen auf diese Weise Kultur. Wir gestalten öffentliche Orte und erreichen niederschwellig die vielfältigen Bewohner*innen von Grünau. Bereits im vergangenen Jahr fand die Mitmach-Pizzeria an einem anderen Ort in Grünau zum ersten Mal statt. Damals noch etwas improvisierter. Es zeigte sich, dass die Idee sehr großen Anklang fand und sehr gut in die Corona-Situation passte. Die Open-Air Situation auf einer vergleichsweise großen Fläche ermöglicht Aktivitäten mit wenigen Pandemie-Einschränkungen. Auch in diesem Jahr war unsere Mitmach-Pizzeria eine der ersten größeren kulturellen Aktivitäten in Grünau. [caption id="attachment_1568" align="aligncenter" width="886"] Die mobile Pizzeria ist auf einem umgebauten PKW-Anhänger installiert, auf dem Pizza-Ofen, Kühlschrank und Waschbecken Platz finden.Foto © KOMM-Haus Leipzig[/caption] Dafür entwickelten wir mithilfe der Förderung im Rahmen des Förderprogramms NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur unsere Idee noch einmal weiter. Entstanden ist eine mobile Pizzeria. Auf einem PKW-Anhänger installierten wir einen robusten Pizzaofen, welcher zünftig mit Holz geheizt wird. Dazu gibt es Kühlschränke für den Teig, ein Waschbecken und die Möglichkeit, einiges an Material zu verstauen. Zusammen mit einem mobilen Tresen für das Belegen der Pizzen und flexibler Möblierung können wir die Pizzeria mit relativ geringem Aufwand wieder aktivieren. So machte die Förderung unsere Mitmach-Pizzeria fit für die Zukunft. Zahlreiche Künstler*innen spielten 2021 bei der Mitmach-Pizzeria. Wir eröffneten feierlich bei Pizza und Getränk den Grünauer Kultursommer, ein großes Angebot, an welchem wir uns mit beteiligen. Neben unterschiedlichen Workshops zu Umweltthemen oder Nachhaltigkeit gab es in den Tagen der Pizzeria Musik von Thomas Katrozan, Franz Belger & Isabel Korda, Markus Dietrich, Carolin Greiner, CarPoSol, Mayakan, Savannah Soul, Maria Schüritz und Weltwärts. Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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26. Juli 2021
#neustartkultur

Finanzierungsvielfalt im Programm NEUSTART KULTUR

Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 2/21 des Magazins SOZIOkultur. Die Bedeutung von Drittmitteln und der Einsatz kommunaler Kulturförderung. Eine Analyse der Drittmittel im Förderprogramm NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur zeigt: Querfinanzierungen haben für Kultureinrichtungen eine große Relevanz. Mit Hilfe von Drittmitteln aus diversen Quellen entstehen Finanzierungsmodelle, die die Spielräume für Kultureinrichtungen im Rahmen bestehender Förderprogramme erweitern. Dabei spielt die kommunale Kulturförderung eine wichtige Rolle. Von: Jana Mießner und Tobias Voigt Das Förderprogramm Seit Mitte 2020 verwaltet der Bundesverband Soziokultur e.V. die beiden Fördermaßnahmen „Zentren“ (Programmteil „Pandemiebedingte Investitionen“) und „Programm“ (Programmteil „Erhaltung und Stärkung der Kulturinfrastruktur“) im Rahmen des von der Beauftragten für Kultur und Medien aufgelegten Förderprogramms NEU-START KULTUR. Mit Hilfe der Förderung werden (sozio-)kulturelle Einrichtungen und Initiativen bei Weiterbetrieb und Wiedereröffnung in Zeiten der Corona-Pandemie unterstützt. Während im Bereich „Zentren“ investive Maßnahmen wie der Einbau von Schutzvorrichtungen, der Ausbau der digitalen Infrastruktur oder die Modernisierung von Sanitäranlagen im Fokus stehen, sollen durch die Förderung im Bereich „Programm“ Kulturarbeit und -angebote auch unter unwirtschaftlichen Pandemiebedingungen ermöglicht werden. Festbetragsfinanzierung Das auf Bundesebene aufgelegte Förderprogramm NEUSTART KULTUR wird als nicht rückzahlbarer Zuschuss in Form einer Festbetragsfinanzierung gewährt. Bei dieser Form der Finanzierung wird im Zuge der Antragsprüfung ein fixer maximaler Förderbetrag bewilligt. Der entscheidende Vorteil für die Kultureinrichtungen ist, dass Erhöhungen der eigenen Deckungsmittel keine reduzierende Auswirkung auf die Zuwendungshöhe haben. Am Beispiel des Lagerhalle e.V. aus Osnabrück wird deutlich, was dies in der Praxis bedeutet: Im Bereich „Zentren“ hatte das soziokulturelle Zentrum einen Antrag für den Einbau einer Raumluftanlage gestellt und bewilligt bekommen. Die Anlage soll den regelmäßigen Luftaustausch in den Räumlichkeiten gewährleisten, zu einer Reduktion der Aerosole beitragen und damit einen sicheren Kulturbetrieb auch unter Pandemiebedingungen möglich machen. Die Kosten für eine Investition dieser Größenordnung überstiegen jedoch die im Bereich „Zentren“ mögliche Maximalfördersumme von 100 000 Euro. Die einzige Möglichkeit zur Umsetzung des Vorhabens war eine deutliche Erhöhung des Eigenanteils. Durch die Bedingungen des Förderprogramms war eine solche Erhöhung möglich – ohne Auswirkungen auf die Zuwendungshöhe. Eine Analyse der Daten zeigt: Unter den über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderten Projekten ist der Lagerhalle e.V. nicht das einzige Projekt mit erhöhtem Eigenanteil. Obwohl die geforderte Mindesthöhe des Eigenanteils bei zehn Prozent liegt, macht dieser im Bereich „Zentren“ durchschnittlich elf Prozent aus. Im Bereich „Programm“ werden durchschnittlich sogar knapp 15 Prozent Eigenanteil eingebracht. [caption id="attachment_1492" align="aligncenter" width="1024"] Dank der Drittmittel von Land und Kommune wurde die Finanzierung einer neuen Lüftungsanlage im Rahmen des Förderprogramms NEUSTART KULTUR erst möglich. Die Anlage soll einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz leisten, wenn sich die Türen der Lager-halle bald wieder für Besucher*innen öffnen.Foto © Jens Meier / Lagerhalle e.V.[/caption] Drittmittel zur Deckung des Eigenanteils Das Einbringen des Eigenanteils im Rahmen von Förderprogrammen stellt im soziokulturellen Bereich insbesondere kleinere Kultureinrichtungen und Initiativen in der Praxis oft vor große Herausforderungen. Eine Erhöhung des Eigenanteils aus Eigenmitteln ist für viele Einrichtungen erst recht nicht möglich. Für diese Projekte wird der Zugang zu Förderprogrammen mit Eigenanteil erleichtert, wenn dafür neben Eigenmitteln auch Drittmittel erlaubt sind. Für den Lagerhalle e.V. erklärte sich das Land Niedersachsen zur Kofinanzierung bereit und öffnete so den Weg zur Realisierung der neuen Lüftungsanlage. Insgesamt bringen 20 Prozent der Letztempfänger*innen Drittmittel ein und bestreiten damit knapp 25 Prozent des eingebrachten Eigenanteils. Drittmittel werden dabei auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene oder von weiteren Dritten wie Stiftungen sowie über Sponsoring oder zweckgebundene Spenden eingeworben. In vielen Bundesländern wurden sogar explizite Kofinanzierungsprogramme aufgelegt, um den Kultureinrichtungen beim Einbringen ihres Eigenanteils unter die Arme zu greifen. Die Bedeutung kommunaler Kulturförderung Kommunale Kulturförderung spielt für viele (sozio-)kulturelle Zentren eine wichtige Rolle, weil deren institutionelle Finanzierung auf kommunaler Ebene angesiedelt ist oder weil kommunale Kulturfördertöpfe oft mit einem geringeren verwaltungstechnischen Aufwand genutzt werden können. Bundes- und Landesförderungen sind, obwohl sie höhere Fördersummen versprechen, für kleinere Kultureinrichtungen wegen fehlender zuwendungsrechtlicher Kenntnisse, geringer personeller Ressourcen für die Antragstellung oder des oftmals zu hohen einzubringenden Eigenanteils oft nicht nutzbar. Das Förderprogramm NEUSTART KULTUR ist eine Unterstützung, die allen Einrichtungen in Zeiten der Corona-Pandemie zugutekommen soll. Dazu tragen die geringe Eigenanteilsquote ab zehn Prozent und die Möglichkeit, diese durch Drittmittel zu stemmen, bei. Die eingebrachten kommunalen Mittel beim Förderprogramm NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur stammen aus verschiedenen Töpfen. Neben institutionellen oder allgemeinen Projektfördertöpfen sind das auch spezielle Förderungen für beispielsweise investive Maßnahmen, Corona-Hilfeprogramme der Kommune oder Kofinanzierungen. [caption id="attachment_1490" align="aligncenter" width="1024"] Am 10. Juni 2021 wurde das Kernstück der Lüftungsanlage geliefert und mit Hilfe eins Krans auf das Dach des Hauses gehoben.Foto © Mieke Winkler / Lagerhalle e.V.[/caption] Beim Lagerhalle e.V. reichten die Mittel von Land und Bund für den Ausbau der Lüftungsanlage in allen Räumlichkeiten nicht aus. So stand zur Entscheidung, das Vorhaben auf weniger Räume zu beschränken und damit die Kosten zu reduzieren oder weitere Mittel einzuwerben. Die Kommune entschied sich nach umfangreichen Gesprächen mit der Kultureinrichtung, das Projekt so zu unterstützen, dass es in vollem Umfang durchgeführt werden kann. Dafür gewährt die Stadt einen Zuschuss, der die Differenz zwischen Bundes- sowie Landesförderung und den Kosten der Anlage deckt. Mit dieser Entscheidung würdigt die Stadt Osnabrück zum einen das Bemühen des Lagerhalle e.V. um die Einwerbung von Fördermitteln, zum anderen erkennt sie damit die Bedeutung der Kultureinrichtung für die Stadt und deren Bürger*innen an. "In der Lagerhalle schlägt das Herz der Soziokultur in Osnabrück. Ich bin deshalb froh, dass der Rat der Stadt die Initiative des Kulturausschusses aufgegriffen hat, den städtischen Anteil aufzustocken. Dass jetzt die Sanierung aller Räume möglich wird, ist im Interesse der Kultur und der Stadt. Zumal es sich um ein städtisches Gebäude handelt, für das die Lagerhalle erhebliche Drittmittel nach Osnabrück eingeworben hat." SEBASTIAN BRACKE (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Vorsitzender des Kulturausschusses des Rates der Stadt Osnabrück Fazit Die dargestellten Daten und Beispiele zeigen: Drittmittel können – insbesondere bei Festbetragsfinanzierung – Synergien zwischen diversen Finanzierungsquellen herstellen und so die Handlungsspielräume für Kultureinrichtungen und Initiativen im Rahmen bestehender Förderprogramme deutlich erweitern. Kommunale Kulturförderung spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle und empfiehlt sich durch die oft leichte Zugänglichkeit und Bekanntheit. Gerade wenn Kommunen die Bedeutung der Kulturarbeit erkennen und bereits in der Vergangenheit eine enge Zusammenarbeit stattgefunden hat, wie bei dem Lagerhalle e.V., ergeben sich neue Finanzierungsmodelle, die auch kleinen Kultureinrichtungen mit geringen Eigenmitteln die Umsetzung großer Vorhaben ermöglichen können.
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19. Juli 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Das Glasperlenspiel in Asperg

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Klaus Bühlmeyer | Glasperlenspiel Asperg Das Glasperlenspiel in Asperg e.V. ist ein eingetragener, gemeinnütziger Kulturverein mit eigener Amateurtheaterbühne in Asperg bei Ludwigsburg / Stuttgart. Der vor über 30 Jahren gegründete Verein hat knapp 200 Mitglieder und bietet ca. 150 Veranstaltungen pro Jahr in den Bereichen Theater, Kabarett, Chanson, Kinderveranstaltungen, Klassik, Musik und Jazz. Die Leitung (Vorstand) und Organisation des Spielbetriebs (Abendkasse, Vorverkauf, Theke und Technik) werden komplett durch ehrenamtliche Kräfte abgedeckt. Die Einnahmen fließen in die Gestaltung des Kulturprogramms und in den Erhalt der Institution "Das Glasperlenspiel in Asperg". Von: Klaus Bühlmeyer, Schatzmeister des Kulturvereins Das Glasperlenspiel in Asperg e.V. #Frische Luft im Theater Über die Programme „Neustart – Sofortprogramm für Coronabedingte Investitionen für Kultureinrichtungen“ und „Neustart Kultur – Zentren“ war es uns möglich, die Lüftungs- und Klimaanlagen in Theatersaal und Foyer auf einen modernen und sicheren Stand zu bringen. Ein herzliches Dankeschön hierfür. #Lockdown 1 Coronabedingt hatten wir vom 15. März bis Mitte September 2020 geschlossen. Wir haben am 11. September 2020 – nach sechsmonatiger Spielpause – mit unserem Herbstprogramm begonnen. Dank der finanziellen Unterstützung durch „Neustart – Sofortprogramm für Corona-bedingte Investitionen für Kultureinrichtungen“ konnten wir alle Hygienemaßnahmen, die für eine Wiedereröffnung geplant waren, umsetzen: Dies war u.a. die Verkleidung mit Plexiglas für Abendkasse / Vorverkauf und für die Theke. Auch die Tische zur Besuchersteuerung im Theatersaal sowie die Stehtische zur Besuchersteuerung in der Pause im Freien konnten realisiert werden. Zudem haben wir die Lüftungsanlage überarbeiten lassen: Es wurde ein leistungsstärkerer Motor zur Erhöhung der Abluftleistung eingebaut; die Steuerungselektronik für die Zu- und Abluft wurde aktualisiert; zudem wurden Filterelemente zur Reinigung der Zuluft verbaut. [caption id="attachment_1498" align="aligncenter" width="1024"]Mindestens bis zur Sommerpause Mitte August 2021 bietet das Glasperlenspiel eine coronataugliche Bestuhlung von 30% an.Foto © Sabine Geiger[/caption] #Lüftungsanlagen - Sicherheit im Theater Die genannten Maßnahmen stellen einen wesentlichen Baustein unseres Hygienekonzepts dar. Vom Publikum wurde das Gesamtkonzept im September 2020 positiv gewürdigt. Die Rückmeldungen vom Publikum waren durchweg positiv – alle Besucher hatten ein sehr gutes und sicheres Gefühl, sich während der Veranstaltungen im Innenraum des Glasperlenspiels aufzuhalten. #Lockdown 2 Aufgrund steigender Inzidenzen und neuer Virusmutationen wurden die Theater ab Anfang November 2020 erneut geschlossen. Dieses Mal sollte der Lockdown bis Juni 2021 dauern. In dieser Zeit beantragten wir über „Neustart Kultur – Zentren“ die Modernisierung der bestehenden Klimaanlagen in Theatersaal und Foyer mit Reduktion der Aerosol- und Virusbelastung. #Virusreduktion und Energieeffizienz Von April bis Mai 2021 wurden die neuen Klimaanlagen in Theatersaal und Foyer eingebaut. Die bestehenden Klimaanlagen waren bereits 25-30 Jahre alt, und so war eine Modernisierung, gerade im Hinblick auf die Virusreduktion, äußerst sinnvoll. Die neuen Klimaanlagen sind zudem energieeffizienter und geräuschärmer, sowohl im Innenraum als auch in der Umgebung der beiden Außengeräte. [caption id="attachment_1500" align="aligncenter" width="1024"]Seit dem 16. Juni 2021 wird die Bühne des Glasperlenspiels wieder bespielt.Foto © Sabine Geiger[/caption] #Klimaanlage - Sicherheit Mit der Maßnahme „Modernisierung der Klimaanlage mit Reduktion der Aerosol- und Virusbelastung“, welche über „Neustart Kultur – Zentren“ finanziert wurde, tragen wir zur nachhaltigen Reduktion von Ansteckungsgefahren (insbesondere mit dem SARS-CoV-2-Virus) bei. Unsere Kleinkunstbühne wird somit dauerhaft attraktiv für unsere Gäste. #Spielbetrieb ab Juni 2021 Am 16. Juni 2021 haben wir den Spielbetrieb im Glasperlenspiel wieder aufgenommen. Das bestehende Hygienekonzept wurde hierzu um die neuen Vorgaben ergänzt: Wir bieten (mindestens) bis zur Sommerpause Mitte August 2021 eine 30% Bestuhlung an. Somit entfällt bei Inzidenzstufe 1 die 3G Regel, ab Inzidienzstufe 2 müssen die Besucher den entsprechenden Coronanachweis an der Abendkasse vorlegen. [caption id="attachment_1499" align="aligncenter" width="1024"]Premiere „Arthur und Claire“ - Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte von Stefan Vögel. Regie: Margarete VolzFoto © Mark Schuler[/caption] #Juhu, es geht weiter Wir sind guter Dinge, dass wir nun dauerhaft den Spielbetrieb in unserer Innenraumbühne aufnehmen können - natürlich unter Einhaltung des Hygienekonzepts und gerne mit eingeschränkter Platzanzahl. Bis Jahresende haben wir rund 80 Veranstaltungen geplant, darunter drei Theater-Eigenproduktionen über unsere eigene Amateurtheaterbühne. Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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