23. August 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Das Jugendzentrum Aurich

Von:  Tobias Voigt
In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort.
Dieser Gastbeitrag stammt von:
Das Jugendzentrum Aurich – Schlachthof besteht seit 1980 in der heutigen Form und ist seit jeher wegen seines vielfältigen Veranstaltungs- und Kulturangebots überregional bekannt. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit Aurich setzt sich für Toleranz und Gleichberechtigung ein. Fremdenfeindliche, rassistische, homophobe und undemokratische Strukturen werden nicht geduldet, im Gegenteil sind interkulturelle sowie toleranzfördernde Angebote die Regel. Partizipation und Bürger-/Jugenbeteiligung stehen im Vordergrund.

Das Jugendzentrum fungiert als Teil des Familienzentrum Aurich, welches im Förderprogramm Mehrgenerationenhaus und als Ehrenamtsagentur aktiv ist. Hier engagieren sich mehr als 60 Vereine, Gruppen, Initiativen, Selbsthilfegruppen, Kulturangebote und Bündnisse in den Handlungsfeldern Begegnung, Bildung, Beratung und Betreuung.

Von: Sandra Grau, Leitung Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR

Die Veranstaltungshalle des JUZ bietet unter normalen Bedingungen Raum für eine Vielzahl von Events für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen. Aufgrund der Corona-Krise ergibt sich nun jedoch die Notwendigkeit, auch alternative Veranstaltungsorte – vor allem Outdoor – zu erschließen, um den unterschiedlichen pandemiebedingten Vorgaben gerecht werden zu können und Kultur dennoch zu leben.

Der schöne Innenhof des Jugendzentrums bietet hierfür durch seine charmante Atmosphäre genau den richtigen Rahmen. Unser Konzept macht aus unserem Hof einen Outdoor-Veranstaltungsbereich, der durch flexible und mobile Gestaltungsmöglichkeiten (Möbel, Bühne, Licht und Technik) ein breites Spektrum an neuen und alten Veranstaltungsformaten ermöglicht.

Der charmante Innenhof mit Baumbestand bietet vielfältige Möglichkeiten für Outdoor-Veranstaltungen.

Der charmante Innenhof mit Baumbestand bietet vielfältige Möglichkeiten für Outdoor-Veranstaltungen.

Foto © Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR

NEUSTART direkt nach dem Lockdown – Aktionstage Mehrgenerationenhaus mit „Puppets in Minutes“ und „La Jazz“

Eingeweiht wurde der neue Innenhof schließlich bei den bundesweiten „Aktionstagen Mehrgenerationenhaus“ im Jugend-und Familienzentrum Aurich. Am Samstag, dem 29. Mai 2021 wurden am Morgen die Loungemöbel mit den orangefarbenen Sitzkissen aufgebaut, die Stehtische und Hocker im Innenhof verteilt und die mobilen Bühnenelemente für die Eröffnungsshow platziert. Pünktlich mit den ersten Lockerungen nach dem Lockdown, der die erste Jahreshälfte 2021 überschattet hatte, konnte somit der neu gestaltete Innenhof endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Das Bühnenprogramm wurde von den „Puppets in Minutes“ gestaltet – einem ebenfalls über NEUSTART KULTUR geförderten, pandemiegerechten mobilen Figurentheaterprogramm aus Aurich – gemeinsam mit dem Ensemble „La Jazz“, die eine bunte Show mit Marionetten und Musik zeigten. Das altersgemischte Publikum zeigte sich begeistert: Von der Möglichkeit, endlich wieder zusammenkommen zu dürfen, von der unterhaltsamen Mischung aus Poesie und Comedy des Programms und vom neuen Charme des Innenhofs des Jugendzentrums Aurich. An diesem Nachmittag zeigten sich nun erstmals die vielfältigen Perspektiven für einen NEUSTART KULTUR im Jugendzentrum Aurich, der insbesondere Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien zu Gute kommen soll.

Auftritt der „Puppets in Minutes“ bei der Eröffnungsveranstaltung des neu gestalteten Innenhofs.

Auftritt der „Puppets in Minutes“ bei der Eröffnungsveranstaltung des neu gestalteten Innenhofs.

Foto © Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR

NEUSTART der offenen Kinder- und Jugendarbeit am 01.06.2021 – Begeisterung durch chilligen Loungeflair im Außenbereich

Das neue Außenmobiliar kam bei den Besucher*innen sehr gut an: „Nach dem langen Lockdown wirkt das wie ein kleiner Urlaub“. Ein Bestuhlungsmix aus Sitzhockern, Lounge- Ecken und verschiedene Sitzkissen ermöglichen den Kindern und Jugendlichen, sich in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen, Freunde zu treffen, neue (kulturelle) Ideen zu entwickeln und ein wenig Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen.

NEUSTART Jugendbeteiligung JUGA – Jugend gestaltet Aurich

Auch bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „JUGA – Jugend gestaltet Aurich“ am 25.06.2021 kam das flexibal nutzbare zum Einsatz. Paletten Möbel, Stehtische, Hocker und verschiedene Sitzkissen ermöglichten es Jugendlichen, in gemütlicher Atmosphäre über ihre individuellen Vorstellungen, Sorgen und Wünsche für die Zukunft der Stadt Aurich zu sprechen. Gerade nach bzw. in der Corona-Krise sind neue Ideen und Beteiligungsformate relevant, um Entwicklungsmöglichkeiten kennenzulernen und zu nutzen. Kulturelles Entwicklungspotential stand bei der Ideenentwicklung im Vordergrund.

Das über NEUSTART KULTUR geförderte Mobiliar wird sowohl Indoor als auch auch Outdoor eingesetzt.

Auch das Format „JUGA – Jugend gestaltet Aurich“ wurde durch das über NEUSTART KULTUR geförderte Mobiliar wieder möglich.

Foto © Jugend- und Familienzentrum Aurich AöR

JUGA – Jugend gestaltet Aurich geht am 16.07.2021 in die nächste Runde

Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung „JUGA – Jugend gestaltet Aurich“ wurde bereits im Anschluss an den Termin ein neues Treffen vereinbart, bei welchem sich die interessierten Jugendlichen speziell zu dem Thema Kultur und Freizeitangebote austauschen sollten.
Neben dem bereits erprobten Mobiliar, welches sowohl Outdoor als auch Indoor eingesetzt wurde, kamen – passend zum inhaltlichen Schwerpunkt der Veranstaltung – auch erstmalig die aufblasbare Kinoleinwand sowie der Beamer zum Einsatz. Dank NEUSTART KULTUR konnten alle Beteiligten diesen produktiven und kreativen Tag bei einem gemeinsamen Filmabend ausklingen lassen.

Geplant sind viele weitere Angebote und Veranstaltungen, bei denen auch noch weiteres angeschafftes Ausstattungsmobiliar wie die Outdoor-Lichtanlage, das Outdoor-Thekenhäuschen, die Feuerschalen und die Pelletheizöfen eingesetzt werden. Wir freuen uns über die Möglichkeiten, die sich uns durch die Förderung im Rahmen des Förderprogramms NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur eröffnen und sagen auch im Namen unserer Besucher*innen und Gäste DANKE!!!

Ihr Beitrag in #projektstimmen!

Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier.

Wir freuen uns auf Ihre Stimme!

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13. September 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Die SCHOTTE in Erfurt

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Juliane Kolata | Schotte e.V. Die SCHOTTE in Erfurt ist ein Kinder- und Jugendtheater mit angeschlossenem theaterpädagogischen Zentrum. Als kulturelle Bildungs- und Freizeiteinrichtung gibt sie Kindern ab 10 Jahren und Jugendlichen bis 27 Jahren die Möglichkeit, sich im Theaterspiel auszuprobieren. Mit ihren Spieler:innen arbeitet das Team der SCHOTTE künstlerisch und pädagogisch über viele Jahre hinweg und ermöglicht ihnen so, ihre kreativen und darstellerischen Fähigkeiten auf der Bühne in hoher Qualität und mit großem Spielspaß zu zeigen. Im Regelfall bestreiten bis zu 15 Inszenierungsgruppen den ganzjährigen Spielplan. Jede Inszenierung läuft etwa 3 Jahre. Jährlich sehen ca. 20.000 Zuschauer jeden Alters die Vorstellungen der SCHOTTE. Die SCHOTTE konnte sich deutschlandweit als anerkanntes Jugendtheater etablieren, ist im Bereich des Amateurtheaters ein gefragter Partner und unterstützt auf vielfältige Weise auch das Schultheater. Sie ist öffentlich anerkannt als Träger der freien Jugendhilfe. Von: Juliane Kolata, Schotte e.V. Auf eine Minute! – Das SCHOTTE- Minutentheater Seit Beginn der Pandemie konnten viele unserer Gruppen auf unserer Bühne im Haus nicht mehr aufführen – Uminszenierungen auf den nötigen Mindestabstand waren auf Grund der Gruppengröße nicht möglich. Um unsere Darsteller:innen dennoch wieder ins Spiel zu bringen und für sie das Theater als sinn- und selbstwertstiftendes Freizeitangebot zu erhalten, entwickelten wir im Rahmen der Förderung durch NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur verschiedene pandemiekonforme Spielformate. [caption id="attachment_2169" align="aligncenter" width="1024"] Die SCHOTTE in Erfurt ist ein Jugendtheater und theaterpädagogisches Zentrum, das auch soziokulturell wirkt.Foto © Schotte e.V.[/caption] Eines davon war das sogenannte "Minutentheater", ein Straßentheaterformat à la „delivery on demand“ – oder anders: „Die Zuschauer machen Pling - und dann startet das Ding!“ Alle interessierten Darsteller:innen ließen wir kurze Monologe oder Dialoge aus ihren Inszenierungen in ihrer jeweiligen Rolle zeigen - auf kleinen Bühnen, mit Abstand, unter freiem Himmel. Das vorbeischlendernde Publikum war aufgefordert, die jeweiligen Figuren per Fußklingel „zum Spielen zu bringen“. In der Mix-Version unseres Minutentheaters lieferten sich so zeitgleich zum Beispiel Sommernachtstraums Puck und Oberon ein zauberhaftes Wortgefecht, klagte Hamlets Ophelia den Zuschauern ihr Liebesleid oder holte Moby Dicks Kapitän Ahab zum vermeintlich letzten Schlag gegen den weißen Wal aus. [caption id="attachment_2150" align="aligncenter" width="1024"] Bei der Mix-Version des Minutentheaters ergaben sich spannende Wortgefechte zwischen berühmten Figuren der Theatergeschichte.Foto © Schotte e.V.[/caption] Die Zuschauer:innen schienen mal vergnügt, mal nachdenklich, auch ernsthaft bewegt ob dieser kleinen Theater-Kostproben. Deutlich zu spüren war, dass sowohl Spieler:innen als auch Zuschauer:innen die so lang entbehrte gegenseitige Anwesenheit sichtlich genossen. „Jetzt weiß ich, was die ganze Zeit gefehlt hat“, äußerte sich zum Beispiel eine gerührte Zuschauerin. Einer unserer Spieler gab zu: „Ich hatte ganz vergessen, dass Spielen so viel Spaß macht.“ Überraschend war die Resonanz auf das Projekt jedoch auch für uns, denn was wir als “Notlösung“ geboren hatten, entpuppte sich als hervorragende Möglichkeit, um auch „theaterfremdes“ Publikum zu erreichen. [caption id="attachment_2152" align="aligncenter" width="1024"]Die SCHOTTE möchte das Format "Minutentheater" auch in Zukunft auf den Straßen Erfurts zeigen.Foto © Schotte e.V.[/caption] Während unseres Antigone-Minutentheaters gab es solch ein Beispiel: Eine Gruppe von Jugendlichen lief vor der Aufführung an den bereits präparierten Minibühnen vorbei. Laut lasen sie sich die Namen der Figuren vor. Nur einer aus der Gruppe erinnerte sich dunkel, dass er in der Schule schon mal etwas über „dieses Antigone“ gehört hatte – kam bei der Nacherzählung jedoch ins Stocken und bemühte dann sogar sein Handy, um die Erinnerung wieder aufzufrischen. Wir rechneten nicht damit sie wiederzusehen, doch offensichtlich war ihr Interesse geweckt: Kurz nachdem die Minutentheater-Vorstellung begonnen hatte, kehrte die Gruppe zurück, um sich dann akribisch durch alle Monologe „hindurch zu klingeln“. Ein toller Erfolg. [caption id="attachment_2151" align="aligncenter" width="1024"] Die Zuschauer:innen reagierten mal vergnügt, mal nachdenklich, auch ernsthaft bewegt auf die kleinen Theater-Kostproben.Foto © Schotte e.V.[/caption] Und eine weitere kleine Beobachtung machten wir während dieses Minutentheaters: Ein älteres Pärchen klingelte mehrfach den Dialog zwischen Antigone und Kreon an. Die Figuren stritten darin um die Grundlage rechtschaffenden Handelns: Moral oder Gesetz?! Die Intimität und Nähe des Theatermoments und vielleicht auch das Thema selbst trieben den beiden Zuschauenden auf offener Straße die Tränen in die Augen. Auch für die beiden Darsteller war dies ein emotionaler Moment und eine kostbare Erfahrung, die sie so während einer Vorstellung im Haus, allein auf Grund der dortigen räumlichen Distanz, nicht gemacht hätten. Wir sind sehr dankbar dafür, dass sich unsere Minutentheater eines so großen Zuspruchs erfreuen und werden sie deshalb wohl auch in Zukunft immer mal wieder auf die Straße bringen – womöglich auch wenn der Spielbetrieb auf der Bühne wieder läuft. Die Förderungen im Rahmen von NEUSTART KULTUR machten die vielen zusätzlichen Proben – zunächst digital und später auch vor Ort – möglich. Die Alternative, gemeinsam auf der Straße zu agieren, wieder in ihre Rollen schlüpfen zu dürfen und die Aufregung vor und die Freude nach dem Auftritt zu teilen, hat unsere Darsteller:innen nach langer Pause wieder neu verbunden. Darüber sind wir wirklich froh. Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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1. September 2021
#neustartkultur, #pressemeldung

Pressemeldung – Bundesverband Soziokultur fördert erneut pandemiegerechte Programmarbeit

Berlin, 01.09.21: Heute hat der Bundesverband Soziokultur die Ausschreibung von NEUSTART KULTUR in der Fördermaßnahme Programm 2 veröffentlicht. Die Antragstellung für NEUSTART KULTUR - Programm 2 ist ab dem 15.09.2021 möglich. Im Vorfeld bietet der Bundesverband öffentliche Videokonferenzen zur Antragsberatung an und hilft bei Fragen zur Antragstellung per E-Mail und Telefon weiter. Die Ausschreibung sowie weitere Informationen zu NEUSTART KULTUR - Programm 2 gibt es unter soziokultur.neustartkultur.de/programm2. Bundesgeschäftsführerin Ellen Ahbe erwartet großes Interesse: „Die erneute Ausschreibung bildet voraussichtlich die letzte Möglichkeit für finanzielle Unterstützung der Programmarbeit im Jahr 2022 durch unseren Verband. Ich hoffe, dass diesmal auch kleinere Einrichtungen die Entwicklung neuer, pandemiegerechter Formate und die Anpassung bestehender Angebote über NEUSTART KULTUR fördern lassen. Gerade in überwiegend ehrenamtlich geführten Organisationen erfordern die interne Abstimmung und die Beratung zu förderrechtlichen Bestimmungen seitens unseres Verbandes zeitlichen Vorlauf, den wir diesmal einräumen konnten.“ Programm 2 ist die Neuauflage der im vergangenen Jahr vom Bundesverband Soziokultur durchgeführten NEUSTART KULTUR Förderung zur Stärkung kultureller und soziokultureller Programmarbeit unter Pandemiebedingungen. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) stellt dafür erneut 15 Millionen Euro zur Verfügung. Antragsberechtigt sind Kulturzentren, soziokulturelle Zentren und weitere Einrichtungen und Initiativen mit kulturellem Schwerpunkt und entsprechendem Aktivitätsprofil – auch dezentrale Träger. Einzelunternehmer*innen, die eine entsprechende Kultureinrichtung betreiben, können ebenfalls einen Antrag stellen. Die Förderung der Programmarbeit umfasst einzelne Veranstaltungen sowie kontinuierliche Angebote wie Kurse, Workshops und offene Treffs. Dabei werden Grundkosten, aktivitätsbezogene Kosten und Personalkosten für die Planung, Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Programmarbeit unter Pandemiebedingungen gefördert. Einrichtungen, die bereits eine NEUSTART KULTUR Förderung erhalten haben, können erneut eine Förderung ihrer Programmarbeit beantragen.
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16. August 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Das KOMM-Haus in Leipzig

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Birgit Grunewald | KOMM-Haus Leipzig Das KOMM-Haus ist ein soziokulturelles Zentrum im Wohnkomplex 8 in Leipzig Grünau. Das Zentrum ist offen für alle Menschen unabhängig von ihrer sozialen, kulturellen oder religiösen Herkunft und versteht sich als ein Begegnungs- und Kommunikationsort für Bürger, Familien, Vereine und Institutionen aus Grünau und darüber hinaus. Ziel ist die Schaffung eines Orts für Kunst, Kultur und Bildung. Ebenso bietet das Zentrum einen Nachbarschaftstreff, den Freizeittreff »Wilde 11« und einen Treffpunkt für Selbsthilfegruppen. Das Soziokulturelle Zentrum "KOMM-Haus" wird betrieben durch die VILLA gGmbH für Jugend, Kultur & Soziales in Leipzig. Von: Birgit Grunewald, Öffentlichkeitsarbeit Soziokulturelles Zentrum "Die VILLA" Unser Soziokulturelles Zentrum »KOMM-Haus« in Leipzig Grünau, einem Sozialen Brennpunkt ganz im Westen von Leipzig, steht für Gemeinschaft, Kultur und Engagement. Der Stadtteil leidet unter mehreren Herausforderungen. Eine davon: Im Umkreis gibt es keine Gaststätte oder ähnliches. Diesen Mangel thematisieren unsere Besucher*innen und die Bewohner*innen des Stadtteils immer wieder. Mit unserer Mitmach-Pizzeria gingen wir dieses Thema an. Unsere Idee: Zusammen mit den Bewohner*innen organisieren wir einen temporären Gemeinschaftsort in Grünau. So verwandelte sich im Juni 2021 wieder eine Brachfläche in eine Freiluft-Pizzeria mit traditionellem holzbefeuerten Pizzaofen. An einer Theke belegte sich jeder seine Pizza und ließ diese backen. Die originelle Gestaltung des Ofens und die bunten Sitzmöglichkeiten luden zum Kontakt und Gespräch zwischen den Besucher*innen ein. Die Freiluft-Pizzeria ist dabei auch ein prima Ort für kulturelle Aktivitäten: Konzerte, Lesungen und Workshops fanden hier statt und erreichten Menschen, welche sonst vielleicht das KOMM-Haus nicht besuchen. Die Rollen der Organisatoren und Besucher*innen waren fließend: Bewohner*innen übernahmen das Pizza backen; wir kamen ins Gespräch mit anderen Akteur*innen. Die Pizza und deren Belag sowie die Getränke konnten gegen eine Spende erworben werden. [caption id="attachment_1567" align="aligncenter" width="886"] Zahlreiche Künstler*innen spielten 2021 bei der Mitmach-PizzeriaFoto © KOMM-Haus Leipzig[/caption] Warum wählten wir als Mittel Pizza? Pizza bietet viele Anschlussmöglichkeiten: Alle mögen sie, sie lässt sich individuell belegen und eine Pizza wird gern geteilt. Dadurch ist es möglich, mit einfachen Mitteln und ohne mitgebrachte Fähigkeiten etwas zum Gemeinschaftserlebnis beizutragen. Das gemeinsame Kochen und Essen ist ein ideales Werkzeug für niederschwellige und gemeinschaftliche Erlebnisse im öffentlichen Raum. Es ist anknüpfungsfähig für jede Altersstufe, benötigt keine Sprachkenntnisse und weist im Falle der auf Spendenbasis basierenden Pop-Up Pizzeria keine monetäre Einschränkung auf. Unser Anliegen ist es, Impulse für Grünau zu setzen. Wir greifen den Bedarf der Bewohner*innen nach einer Gastronomie auf und geben einen temporären Lösungsvorschlag. Wir beziehen die Besucher*innen direkt in die Arbeit ein und lassen sie erleben, dass Engagement etwas verändern kann. Mit einem Pop-Up-System laden wir innerhalb des Stadtteils zum Begegnen und Verweilen ein und ermöglichen auf diese Weise Kultur. Wir gestalten öffentliche Orte und erreichen niederschwellig die vielfältigen Bewohner*innen von Grünau. Bereits im vergangenen Jahr fand die Mitmach-Pizzeria an einem anderen Ort in Grünau zum ersten Mal statt. Damals noch etwas improvisierter. Es zeigte sich, dass die Idee sehr großen Anklang fand und sehr gut in die Corona-Situation passte. Die Open-Air Situation auf einer vergleichsweise großen Fläche ermöglicht Aktivitäten mit wenigen Pandemie-Einschränkungen. Auch in diesem Jahr war unsere Mitmach-Pizzeria eine der ersten größeren kulturellen Aktivitäten in Grünau. [caption id="attachment_1568" align="aligncenter" width="886"] Die mobile Pizzeria ist auf einem umgebauten PKW-Anhänger installiert, auf dem Pizza-Ofen, Kühlschrank und Waschbecken Platz finden.Foto © KOMM-Haus Leipzig[/caption] Dafür entwickelten wir mithilfe der Förderung im Rahmen des Förderprogramms NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur unsere Idee noch einmal weiter. Entstanden ist eine mobile Pizzeria. Auf einem PKW-Anhänger installierten wir einen robusten Pizzaofen, welcher zünftig mit Holz geheizt wird. Dazu gibt es Kühlschränke für den Teig, ein Waschbecken und die Möglichkeit, einiges an Material zu verstauen. Zusammen mit einem mobilen Tresen für das Belegen der Pizzen und flexibler Möblierung können wir die Pizzeria mit relativ geringem Aufwand wieder aktivieren. So machte die Förderung unsere Mitmach-Pizzeria fit für die Zukunft. Zahlreiche Künstler*innen spielten 2021 bei der Mitmach-Pizzeria. Wir eröffneten feierlich bei Pizza und Getränk den Grünauer Kultursommer, ein großes Angebot, an welchem wir uns mit beteiligen. Neben unterschiedlichen Workshops zu Umweltthemen oder Nachhaltigkeit gab es in den Tagen der Pizzeria Musik von Thomas Katrozan, Franz Belger & Isabel Korda, Markus Dietrich, Carolin Greiner, CarPoSol, Mayakan, Savannah Soul, Maria Schüritz und Weltwärts. Ihr Beitrag in #projektstimmen! Um das in unserem Blog entstehende bunte Mosaik aus Portraits und Geschichten weiter zu vergrößern, laden wir alle geförderten Projekte dazu ein, einen eigenen Blogbeitrag auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Weiter Informationen finden Sie hier. Wir freuen uns auf Ihre Stimme!
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26. Juli 2021
#neustartkultur

Finanzierungsvielfalt im Programm NEUSTART KULTUR

Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 2/21 des Magazins SOZIOkultur. Die Bedeutung von Drittmitteln und der Einsatz kommunaler Kulturförderung. Eine Analyse der Drittmittel im Förderprogramm NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur zeigt: Querfinanzierungen haben für Kultureinrichtungen eine große Relevanz. Mit Hilfe von Drittmitteln aus diversen Quellen entstehen Finanzierungsmodelle, die die Spielräume für Kultureinrichtungen im Rahmen bestehender Förderprogramme erweitern. Dabei spielt die kommunale Kulturförderung eine wichtige Rolle. Von: Jana Mießner und Tobias Voigt Das Förderprogramm Seit Mitte 2020 verwaltet der Bundesverband Soziokultur e.V. die beiden Fördermaßnahmen „Zentren“ (Programmteil „Pandemiebedingte Investitionen“) und „Programm“ (Programmteil „Erhaltung und Stärkung der Kulturinfrastruktur“) im Rahmen des von der Beauftragten für Kultur und Medien aufgelegten Förderprogramms NEU-START KULTUR. Mit Hilfe der Förderung werden (sozio-)kulturelle Einrichtungen und Initiativen bei Weiterbetrieb und Wiedereröffnung in Zeiten der Corona-Pandemie unterstützt. Während im Bereich „Zentren“ investive Maßnahmen wie der Einbau von Schutzvorrichtungen, der Ausbau der digitalen Infrastruktur oder die Modernisierung von Sanitäranlagen im Fokus stehen, sollen durch die Förderung im Bereich „Programm“ Kulturarbeit und -angebote auch unter unwirtschaftlichen Pandemiebedingungen ermöglicht werden. Festbetragsfinanzierung Das auf Bundesebene aufgelegte Förderprogramm NEUSTART KULTUR wird als nicht rückzahlbarer Zuschuss in Form einer Festbetragsfinanzierung gewährt. Bei dieser Form der Finanzierung wird im Zuge der Antragsprüfung ein fixer maximaler Förderbetrag bewilligt. Der entscheidende Vorteil für die Kultureinrichtungen ist, dass Erhöhungen der eigenen Deckungsmittel keine reduzierende Auswirkung auf die Zuwendungshöhe haben. Am Beispiel des Lagerhalle e.V. aus Osnabrück wird deutlich, was dies in der Praxis bedeutet: Im Bereich „Zentren“ hatte das soziokulturelle Zentrum einen Antrag für den Einbau einer Raumluftanlage gestellt und bewilligt bekommen. Die Anlage soll den regelmäßigen Luftaustausch in den Räumlichkeiten gewährleisten, zu einer Reduktion der Aerosole beitragen und damit einen sicheren Kulturbetrieb auch unter Pandemiebedingungen möglich machen. Die Kosten für eine Investition dieser Größenordnung überstiegen jedoch die im Bereich „Zentren“ mögliche Maximalfördersumme von 100 000 Euro. Die einzige Möglichkeit zur Umsetzung des Vorhabens war eine deutliche Erhöhung des Eigenanteils. Durch die Bedingungen des Förderprogramms war eine solche Erhöhung möglich – ohne Auswirkungen auf die Zuwendungshöhe. Eine Analyse der Daten zeigt: Unter den über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderten Projekten ist der Lagerhalle e.V. nicht das einzige Projekt mit erhöhtem Eigenanteil. Obwohl die geforderte Mindesthöhe des Eigenanteils bei zehn Prozent liegt, macht dieser im Bereich „Zentren“ durchschnittlich elf Prozent aus. Im Bereich „Programm“ werden durchschnittlich sogar knapp 15 Prozent Eigenanteil eingebracht. [caption id="attachment_1492" align="aligncenter" width="1024"] Dank der Drittmittel von Land und Kommune wurde die Finanzierung einer neuen Lüftungsanlage im Rahmen des Förderprogramms NEUSTART KULTUR erst möglich. Die Anlage soll einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz leisten, wenn sich die Türen der Lager-halle bald wieder für Besucher*innen öffnen.Foto © Jens Meier / Lagerhalle e.V.[/caption] Drittmittel zur Deckung des Eigenanteils Das Einbringen des Eigenanteils im Rahmen von Förderprogrammen stellt im soziokulturellen Bereich insbesondere kleinere Kultureinrichtungen und Initiativen in der Praxis oft vor große Herausforderungen. Eine Erhöhung des Eigenanteils aus Eigenmitteln ist für viele Einrichtungen erst recht nicht möglich. Für diese Projekte wird der Zugang zu Förderprogrammen mit Eigenanteil erleichtert, wenn dafür neben Eigenmitteln auch Drittmittel erlaubt sind. Für den Lagerhalle e.V. erklärte sich das Land Niedersachsen zur Kofinanzierung bereit und öffnete so den Weg zur Realisierung der neuen Lüftungsanlage. Insgesamt bringen 20 Prozent der Letztempfänger*innen Drittmittel ein und bestreiten damit knapp 25 Prozent des eingebrachten Eigenanteils. Drittmittel werden dabei auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene oder von weiteren Dritten wie Stiftungen sowie über Sponsoring oder zweckgebundene Spenden eingeworben. In vielen Bundesländern wurden sogar explizite Kofinanzierungsprogramme aufgelegt, um den Kultureinrichtungen beim Einbringen ihres Eigenanteils unter die Arme zu greifen. Die Bedeutung kommunaler Kulturförderung Kommunale Kulturförderung spielt für viele (sozio-)kulturelle Zentren eine wichtige Rolle, weil deren institutionelle Finanzierung auf kommunaler Ebene angesiedelt ist oder weil kommunale Kulturfördertöpfe oft mit einem geringeren verwaltungstechnischen Aufwand genutzt werden können. Bundes- und Landesförderungen sind, obwohl sie höhere Fördersummen versprechen, für kleinere Kultureinrichtungen wegen fehlender zuwendungsrechtlicher Kenntnisse, geringer personeller Ressourcen für die Antragstellung oder des oftmals zu hohen einzubringenden Eigenanteils oft nicht nutzbar. Das Förderprogramm NEUSTART KULTUR ist eine Unterstützung, die allen Einrichtungen in Zeiten der Corona-Pandemie zugutekommen soll. Dazu tragen die geringe Eigenanteilsquote ab zehn Prozent und die Möglichkeit, diese durch Drittmittel zu stemmen, bei. Die eingebrachten kommunalen Mittel beim Förderprogramm NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur stammen aus verschiedenen Töpfen. Neben institutionellen oder allgemeinen Projektfördertöpfen sind das auch spezielle Förderungen für beispielsweise investive Maßnahmen, Corona-Hilfeprogramme der Kommune oder Kofinanzierungen. [caption id="attachment_1490" align="aligncenter" width="1024"] Am 10. Juni 2021 wurde das Kernstück der Lüftungsanlage geliefert und mit Hilfe eins Krans auf das Dach des Hauses gehoben.Foto © Mieke Winkler / Lagerhalle e.V.[/caption] Beim Lagerhalle e.V. reichten die Mittel von Land und Bund für den Ausbau der Lüftungsanlage in allen Räumlichkeiten nicht aus. So stand zur Entscheidung, das Vorhaben auf weniger Räume zu beschränken und damit die Kosten zu reduzieren oder weitere Mittel einzuwerben. Die Kommune entschied sich nach umfangreichen Gesprächen mit der Kultureinrichtung, das Projekt so zu unterstützen, dass es in vollem Umfang durchgeführt werden kann. Dafür gewährt die Stadt einen Zuschuss, der die Differenz zwischen Bundes- sowie Landesförderung und den Kosten der Anlage deckt. Mit dieser Entscheidung würdigt die Stadt Osnabrück zum einen das Bemühen des Lagerhalle e.V. um die Einwerbung von Fördermitteln, zum anderen erkennt sie damit die Bedeutung der Kultureinrichtung für die Stadt und deren Bürger*innen an. "In der Lagerhalle schlägt das Herz der Soziokultur in Osnabrück. Ich bin deshalb froh, dass der Rat der Stadt die Initiative des Kulturausschusses aufgegriffen hat, den städtischen Anteil aufzustocken. Dass jetzt die Sanierung aller Räume möglich wird, ist im Interesse der Kultur und der Stadt. Zumal es sich um ein städtisches Gebäude handelt, für das die Lagerhalle erhebliche Drittmittel nach Osnabrück eingeworben hat." SEBASTIAN BRACKE (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Vorsitzender des Kulturausschusses des Rates der Stadt Osnabrück Fazit Die dargestellten Daten und Beispiele zeigen: Drittmittel können – insbesondere bei Festbetragsfinanzierung – Synergien zwischen diversen Finanzierungsquellen herstellen und so die Handlungsspielräume für Kultureinrichtungen und Initiativen im Rahmen bestehender Förderprogramme deutlich erweitern. Kommunale Kulturförderung spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle und empfiehlt sich durch die oft leichte Zugänglichkeit und Bekanntheit. Gerade wenn Kommunen die Bedeutung der Kulturarbeit erkennen und bereits in der Vergangenheit eine enge Zusammenarbeit stattgefunden hat, wie bei dem Lagerhalle e.V., ergeben sich neue Finanzierungsmodelle, die auch kleinen Kultureinrichtungen mit geringen Eigenmitteln die Umsetzung großer Vorhaben ermöglichen können.
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