standard-logo logo

23. August 2022

#neustartkultur, Projektbesuch

Was bedeutet Würde für dich? Eine interkulturelle, künstlerische Biographiearbeit des k:ulturladens und der m:edienwerkstatt Huchting

Von: Xenia Žunić

Auf dem Sodenmattseefest im Bremer Stadtteil Huchting präsentieren ortsansässige Vereine und Einrichtungen am Samstag vor den Sommerferien sich und ihre Arbeit. Die m:edienwerkstatt Huchting ist mit einem Autoanhänger vor Ort, den sie zur Medienstation mit LED-Wand ausgebaut haben.

Über 150 Fragen zum Thema Würde sind in den Workshops zusammengekommen, die vom k:ulturladen und der m:edienwerkstatt Huchting in Kooperation durchgeführt wurden. Die Teilnehmenden haben sich dem Thema WÜRDE von unterschiedlichen Seiten angenähert. Aus der ganz persönlichen Fragestellung „Was bedeutet Würde für dich?“ sind schließlich Einzelportraits entstanden, die unterschiedliche Sichtweisen, Erfahrungen und Geschichten zum Ausdruck bringen. „Künstlerische Biographiearbeit“, fasst Vera Zimmermann vom k:ulturladen Huchting den Grundsatz der Arbeit im Quartier zusammen und Claudius Joecke von der m:edienwerkstatt fügt hinzu: „Dieses Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen unterschiedlicher Religions- und Kulturzugehörigkeit in ihrer Würde mit ihren Werten in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen.“

LED-WandDie geförderte LED-Wand macht Menschen in ihrer Würde sichtbar

Würde sichtbar machen

Unterstützt wird die Arbeit seit kurzem durch einen Medienanhänger, der unterschiedlich genutzt werden kann. Auf dem Stadtteilfest am Sodenmattsee kommt erstmalig auch die auf dem Anhänger installierte LED-Wand zum Einsatz, die mit der Unterstützung des Förderprogramms NEUSTART KULTUR - Zentren 2 angeschafft werden konnte. Die Festbesucher*innen können darauf die erarbeiteten Portraits mit persönlichen Statements zum Thema WÜRDE sehen. Wie zum Beispiel von der 1975 in Ghana geborenen Stella B. A.: „WÜRDE bedeutet für mich, meine WERTE leben zu können – Familie, Empathie und Respekt, aber auch selbst auf meine Bedürfnisse zu achten und mir meiner Kraft bewusst zu sein.“

Ein mobiler Ort im Außenraum

„Diese Bildqualität könnte von einem Beamer bei Tageslicht niemals erreicht werden“, erklärt Tristan Rusch von der m:edienwerkstatt. Der Anhänger hat aber noch mehr zu bieten: Module, die heute als Zuschauerbänke vor dem Anhänger stehen, können auch als Sitzgruppe im Anhänger aufgebaut werden, so dass hier ein kleiner Raum entsteht, in dem in Kleingruppen zusammengearbeitet werden kann. Ein mobiler Ort im Außenraum also, an dem Menschen zusammenkommen, diskutieren und neue Medienbeiträge entstehen können. Gerade die Nutzung des Außenraums wurde während der Corona-Pandemie notwendig – hier können Abstandsregelungen am besten eingehalten und die Ansteckungsgefahr reduziert werden.

Bühne SodenmattseefestDas Stadtteilorchester „insan…popular“ auf dem Sodenmattseefest, moderiert von Claudius Joeke

Vertrauen ermöglicht Begegnung

Das Netzwerk mit dem die m:edienwerkstatt in Huchting kooperiert, kommt nun schon seit 23 Jahren hier zum Sodenmattseefest zusammen. Eine langjährige Zusammenarbeit, die durch seine Kontinuität eine Vertrauensbasis geschaffen hat und gerade deshalb Begegnungen von Menschen mit unterschiedlicher Altersstruktur und Biographie unkompliziert ermöglicht. Heute spielt z. B. das interkulturelle Stadtteilorchester des k:ulturladen „insan…popular“, das mit verschiedenen Musiker*innen im Quartier kooperiert und damit Lieder aus unterschiedlichen Kulturen und Sprachen auf die Bühne bringt. Auch der Ortsamtsleiter Christian Schesselmann ist regelmäßiger Gast beim Musizieren. Einen besonderen Vertrauensbeweis erbringt an diesem Tag die Ayasofya Moschee von Huchting, die trotz des Opferfestes, das traditionell innerhalb der Familie gefeiert wird, mit einem Stand vertreten ist und Leckereien anbietet. Die Qualität der Zusammenarbeit im Quartier wird auch durch die Vielstimmigkeit deutlich, die in den Medienbeiträgen der m:edienwerkstatt entsteht: Hier kommen Neubremer*innen ebenso zu Wort wie Akteur*innen der Lokalpolitik.


Weitere Informationen

Wer mehr von der m.edienwerkstatt hören möchte, ist eingeladen, sich die Podcastreihe (R)EINHÖREN eine interkulturelle Podcastreihe von, mit und für Migrant:innen anzuhören, die im Rahmen von NEUSTART KULTUR-Programm 2 entsteht.

Vom 25.8. bis zum 4.9.2022 veranstaltet der k:ulturladen Huchting eine Ausstellung zum Thema WÜRDE, in der 103 Menschen porträtiert werden.

Autor*innen

  Xenia Žunić Stellv. Projektleitung „Zentren 2“ NEUSTART KULTUR xenia.zunic@soziokultur.de

Ähnliche Artikel

 
25. Januar 2024
#neustartkultur

„Wir bauen uns ein Förderportal“ – Fallmanagement und Förderantragsverwaltung mit CiviCRM 

Beratungsprozesse dokumentieren, Anträge verwalten, den Projektfortschritt im Blick behalten und Berichte erstellen – all diese Aufgaben können mit CiviCRM umgesetzt werden. Das Modul CiviCase ist für das Fallmanagement in gemeinnützigen Organisationen entwickelt worden. Der Bundesverband Soziokultur hat damit ein Portal zur [...]

Mehr lesen
 
11. Januar 2024
#neustartkultur, SOZIOKULTOUR

SOZIOKULTOUR: Das Maßstabwerk – neuer Kulturort im ländlichen Raum

In Schweina, einem idyllischen Ort im Thüringer Wald, wurden ganze zwei Jahre lang in einer leerstehenden Pfeifenfabrik Boden verlegt, Sanitäranlagen installiert, Elektrik erneuert, verputzt und gestrichen. Aline Burghardt und ihr Team hatten mit Unterstützung des Schweinaer Bürgermeisters die Vision, ein [...]

Mehr lesen
 
11. Januar 2024
#neustartkultur, SOZIOKULTOUR

SOZIOKULTOUR: Sommercamp auf Kilombo Kleinow

Auf Kilombo Kleinow, einem neu hergerichteten Gutshaus in der Uckermark, können Kinder aus Berlin - viele davon aus Unterkünften für Geflüchtete - eine Woche ihrem Alltag entkommen. Umgeben von Pferden, Eseln, Hunden und Katzen lernen sie in täglichen Workshops Trommeln, [...]

Mehr lesen
 
10. Januar 2024
#neustartkultur, SOZIOKULTOUR

SOZIOKULTOUR: Upcycling und Empowerment im Lastenlabor

Im Projekt 'Lastenlabor' des Berliner Vereins Kulturlabor Trial & Error sind zehn Erwachsene in die Kunst des Schweißens eingeweiht worden. In gemeinschaftlicher, intensiver – und oft auch schweißtreibender Arbeit – hat die Gruppe aus den zusammengeschweißten Teilen drei fahrtüchtige Lastenräder [...]

Mehr lesen