28. Juni 2022

#neustartkultur, Projektbesuch

Mein Besuch im Kulturrevier Radbod – Aus Kohle wird Kultur

Wo früher Steinkohle gefördert wurde, locken heute zahlreiche Kulturveranstaltungen Besucher*innen auf das Gelände des Kulturreviers Radbod. Die ehemalige Zeche ist seit 2001 ein Ort des künstlerischen Schaffens und kulturellen Austausches. Förderreferent Ingo hat das soziokulturelle Zentrum im westfälischen Hamm besucht.

Als ich im Kulturrevier Radbod eintreffe, empfängt mich ein reges Treiben. Die Vorbereitungen für ein Street Food Festival laufen. Die Essensstände sind im Aufbau oder heizen schon die Öfen vor. Das alte Backsteingebäude mit Industriecharme wirkt robust, aber durch große Fenster und viel Freifläche drum herum sehr freundlich und einladend. Man spürt sofort, hier ist ein Ort für Partys, Kultur und alle möglichen Veranstaltungen. In strahlendem Sonnenschein, der alte Förderturm wirft seinen Schatten auf das Gelände, werde ich sehr herzlich von den Betreibern Lisa Wothe und Sven Kirner begrüßt. Bei lockerer Gesprächsatmosphäre und Kaffee vergeht die Zeit wie im Flug.

Förderatelier mit Entfaltungsmöglichkeiten

Ich bin sehr neugierig auf die geförderten Investitionen. Nach einem kurzen Kennenlernen gehen wir durch das alte Gebäude voller interessanter Ecken und Winkel. Im Erdgeschoss betrachten wir die Veranstaltungsräume und Gastronomie. "Hier werden regelmäßig Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Partys, Aufführungen und Workshops angeboten", berichtet Sven Kirner.

LüftungsanlageBei "Radbod liest!" verwandelt sich die Gastronomie des Kulturreviers in ein schummrig-schönes Wohnzimmer

© Jugend und Kultur e.V.

In der oberen Atelieretage betrachten wir – oder betrachten uns – großformatige Portaits, die noch von der letzten Ausstellung dort aufgehängt sind. Hier arbeiten mehrere namhafte lokale Künstler*innen. In regelmäßigen Abständen finden Ausstellungen statt und einmal im Jahr laden die Künstler*innen interessierte Besucher*innen zum „Tag der Offenen Ateliers“ ein. Besonders stolz ist man im Kulturrevier auf das „Förderatelier“, in dem aufstrebende Künstler*innen vollkommen miet- und kostenfrei Entfaltungsmöglichkeiten finden. Leider sind die Räume während meines Besuchs unbenutzt, aber die Schilderungen Kirners von erfolgreichen Ausstellungen und Workshops in dieser Etage lassen mich die Stimmung bei Normalbetrieb erspüren.

Radbod rockt!

Jeder Winkel des Baus wird genutzt, nicht zuletzt als Proberäume für Bands der Region. Regelmäßig präsentieren sich die ansässigen Bands bei Konzerten der Reihe „Radbod Rockt“ auf der Bühne Unser Rundgang endet auf dem Außengelände auf dem sich mittlerweile ein buntes kulinarisches Angebot und erste Besucher*innengruppen tummeln. Hier locken verschiedene Feste, Festivals oder auch Märkte Besucher*innen an.

Open Air-Festival Run for CoverDie AC/DC-Coverband "AB/CD" beim Open Air-Festival "Run for Cover"

© Jugend und Kultur e.V.

Bei kalten Getränken im Sonnenschein erfahre ich von Lisa Wothe noch mehr über die Arbeit des Kulturreviers Radbod: "Wir legen Wert darauf, Besucher jeden Alters anzusprechen und auf Abwechslung und Vielfalt. Etwa 15.000 Besucher*innen nehmen an den jährlich über 100 Veranstaltungen des Kulturreviers teil. Vom Heavy Metal-Nachwuchskonzert bis hin zum Seniorentanz, es ist für jede*n etwas dabei". Da man mich hier so entspannt empfängt und Wetter und Gerüche passen, kommt bei mir tatsächlich Festival-Atmosphäre auf. Und es freut mich, dass wir über NEUSTART KULTUR - Programm das Kulturzentrum dabei unterstützen, den Veranstaltungen nach der Corona-Pause neues Leben einzuhauchen und neue Formate zu entwickeln.

Pandemie bedeutet auch: Man weiß nie, was als nächstes kommt

Wie überall hat auch hier die Pandemie große Probleme mit sich gebracht. Mit viel Engagement und Herzblut wird hier Kultur gemacht und die Herausforderungen schienen vorerst übergroß. Es konnten jedoch durch den Erstantrag NEUSTART KULTUR - Zentren u. a. Bühnenelemente finanziert werden, die flexibel die vorhandene Bühne ergänzen oder auch für Veranstaltungen in den Außenbereich nutzbar sind. Auf dieser Veranstaltungsfläche bieten seitdem Tische und Stühle feste Sitzplätze und damit genügend Abstände zwischen den Besucher*innen. Im Sommer draußen – an kühleren Tagen drinnen – können alle Neuanschaffungen flexibel genutzt werden und für jedes Veranstaltungsformat passend arrangiert werden. Die schlauen Konzepte und kreativen Lösungen des Teams machten mit überschaubaren Investitionen vieles möglich. Die Arbeit und verschiedene Veranstaltungen konnten weitergehen.

Dennoch brachte die Pandemie eine sich ständig verändernde Situation hervor und dauert schlicht viel länger, als zu erwarten war. Das bringt auch neue Schwierigkeiten und erfordert weitere Investitionen. Deshalb nutzte das Kulturrevier die Möglichkeit einer Aufstockung bei NEUSTART KULTUR - Zentren, um die Beleuchtung des Außengeländes zu optimieren. Nun sind mehr Veranstaltungen auch schon im Frühjahr und Spätherbst auf dem Außengelände möglich, da für sichere und ansprechende Beleuchtung in allen Ecken gesorgt ist.

Trotz guter Kooperation ist die finanzielle Ausstattung des Kulturreviers nie fürstlich gewesen. Deshalb freut es mich, dass wir diesen besonderen Kulturort – soweit im Rahmen von NEUSTART KULTUR möglich – unterstützen können. Mit ihrer Professionalität und immer der richtigen Idee zur richtigen Zeit werden die Betreibern bestimmt noch lange viele schöne Erlebnisse ermöglichen. Ich bin sicher, der Optimismus und die Tatkraft werden hier nicht so schnell ausgehen.

Ein Herzlicher Dank gilt dem Team für ihr Engagement und ihre Freundlichkeit bei meinem Besuch.


Autor: Ingo Nachtigall

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