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5. September 2023

#neustartkultur, Magazin SOZIOkultur

Wohlfühlen und Netzwerken für mehr Resilienz – das Auerworld Festival

Von: Katrin Kalinkus

Das Auerworld Festival in Thüringen ist ein rein ehrenamtlich organisiertes Festival in dörflicher Umgebung. Katrin hat das Team bei den Festivalvorbereitungen besucht und sich mit Organisator Silvan Haselbach über die Durchhaltestrategien während der Pandemie unterhalten.

Das Auerworld Festival wird seit 1999 von einer „tatkräftigen, unkomplizierten und bunt gemischten“ ehrenamtlichen Truppe realisiert. Das familienorientierte Sommer Open-Air im dörflichen Auerstedt in Thüringen ist von Jahr zu Jahr gewachsen und begrüßt mittlerweile rund 1.500 Besucher*innen.

„Das Auerworld Festival ist ein kleines Familienfestival, wo Menschen gemeinsam Räume gestalten, in denen  sie sich zuhause fühlen. Wir haben ein Banner, auf dem „Willkommen zuhause“ steht. Und das ist das Bild vom Auerworld: die Leute sind hier, sie sind im Garten, in der Natur, das Festival steht für Vielfalt, für Leichtigkeit, für einfach nur da sein und genießen. Für Kunst und Kultur. Für vieles. Mit vielen Kindern!“, lacht Silvan Haselbach, einer der Hauptorganisator*innen.


Silvan Haselbach gehört zu den Hauptorganisator*innen des Auerworld Festivals
© Silvan Haselbach

Die Teammitglieder und zahlreichen Helfer*innen leben in ganz Deutschland verstreut. Jedes Jahr kommen sie angereist, um das Festivalgelände herzurichten, Rasen zu mähen, Strom zu legen, Sitzgelegenheiten zu reparieren und sich um die Organisation des Programms, Ticketverkaufs, der Anreise und des Zeltplatzes zu kümmern.


Sitzgelegenheiten, Wiese, der Weidenpalast und vieles mehr müssen jedes Jahr auf dem Festivalgelände wieder in Ordnung gebracht werden © Katrin Kalinkus

Motivation aufrecht halten und in Kontakt bleiben: das Wohlfühlwochenende

All die helfenden Hände sind ein immens wichtiger Teil des Festivals. Ohne sie könnte das Auerworld in der Form nicht stattfinden, wäre es nicht in der Lage gewesen stetig zu wachsen und das gute Gefühl von Gemeinschaft zu verbreiten. Doch als durch die Pandemie die Festivals in den Jahren 2020 und 2021 abgesagt werden mussten, war das ein schwerer Schlag für das Team. Motivation, Optimismus, sowie auch den Kontakt zueinander aufrecht zu halten, wurden zur großen Herausforderung, erzählt Silvan: „Die festivalfreien Jahre haben das Kern-Orga-Team ziemlich ausgedünnt, wodurch die wenigen verbliebenen Menschen sehr viel zu tun hatten und teils ausgebrannt sind.“

Damit sich das Netzwerk nicht verliert und das Team weiterhin an das Fortbestehen des Festivals glauben konnte, musste man sich etwas einfallen lassen. Eine Durchhaltestrategie musste her, die in Form eines Wohlfühl-Wochenendes umgesetzt wurde: „Die Idee gab es schon länger, da auch in der Vergangenheit so etwas schon einmal gemacht worden ist. In den letzten Jahren hatten wir aber keine Kapazitäten mehr, so etwas wieder zu organisieren, die Festival-Arbeit hatte uns alle im Griff. Im dritten Corona-Jahr Jahr hat dann doch jemand einfach einen Ort organisiert und wir konnten die Übernachtungskosten über eine NEUSTART KULTUR-Förderung abrechnen. Prinzipiell ist die Idee dahinter, dass wir uns alle im Orga-Team mal treffen wollen, um eben nicht nur mit Koordinierungs- und Planungsarbeit Zeit zu verbringen, sondern um unsere private Freundschaft zueinander zu festigen, damit danach die gemeinsame Arbeit am Projekt auch wieder besser funktioniert. Sonst treffen wir uns immer nur zu Mitgliederversammlungen und Arbeits-Wochenenden, wo das Festival im Mittelpunkt steht, und nicht die sozialen Aspekte der Team-Mitglieder untereinander.“


Beim Wohlfühl-Wochenende konnte das Festival-Team private Kontakte stärken
© Auerworld Festival e.V.

Das Wohlfühl-Wochenende tat seine Wirkung, die Bindungen im Team und das Gemeinschaftsgefühl wurden nachhaltig gestärkt, gemeinsam motivierte man sich am Ball zu bleiben und das Festival weiterhin gemeinschaftlich voranzutreiben. Man besprach außerdem, wie es mit dem Festival inhaltlich weitergehen soll, wofür es steht, und entwickelte eine gemeinsame Zukunftsvision. Der emotionale Nutzen für das Team war so groß, dass man beschloss auch im Folgejahr ein Wohlfühl-Wochenende zu organisieren und diese teambildende Maßnahme beizubehalten. „Alle beschäftigt ja stets die Frage, warum man den ganzen, teils stressigen, Aufwand immer macht. Wenn die Beziehungen zwischen den Mitgliedern von „Arbeit“ auf „private Freundschaften“ erweitert werden, steigt die Motivation erheblich.“

Während des gemeinsamen Wochenendes kam im Team eine regelrechte Klassenausflugstimmung auf, es gab aber auch viel Raum für spontane Ausflüge, Zeit für Gespräche und gemeinsame Entspannung. „Es wurde ein Haus gebucht, wo wir mit ca. 20-30 Menschen übernachten konnten an einem Ort, an dem wir auch gemeinsam etwas erleben können. Eingeladen waren erst einmal die aktiven Orga-Team-Menschen, es konnten aber auch andere Vereins- oder Team-Menschen mitkommen. Ein paar Menschen planten das gemeinsame Essen und der Rest entwickelte sich vor Ort. Ein Ausflug in die Therme, mehrere Wanderungen, Spieleabende etc. Es wurden explizit keine Festival-Orga-Themen eingeplant“, so Silvan.

„Das Wohlfühl-Wochenende hat dazu geführt, dass alle Anwesenden selbstständig überlegt haben, wie sie sich persönlich einbringen möchten und welche Bereiche sie unterstützen können. Beim nächsten offiziellen Orga-Treffen waren dann die meisten der notwendigen Posten bereits besetzt. Wir hoffen sehr, dass wir es auch zukünftig immer schaffen ein Wohlfühl-Wochenende zu organisieren und zu finanzieren“.


Es gibt viel zu tun: Jedes Jahr stellt das ehrenamtliche Team ein viertägiges Festivalprogramm zusammen und realisiert es © Auerworld Festival e.V.

Das Höme-Netzwerk für Festivalbetreibende

Ein weiteres, über das Team hinausgehende Netzwerk, das Festivals wie dem Auerworld über die Pandemie half und darüber hinaus weiterhin unterstützt, ist das Netzwerk Höme. Das Netzwerk aus Festivalbetreibenden ermöglicht Austausch und stellt Publikationen, eine Eventplanungs-App, sowie ein Ticketverkaufsystem zur Verfügung, mit dem Anliegen, Veranstaltungen nachhaltiger und fairer zu gestalten. Silvan und sein Team haben von Höme recht spät erfahren, nutzen das Netzwerk aber nun, um ihre Kartenverkäufe zu organisieren, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.

„Höme ist ein Zusammenschluss aus aktiven und ehemaligen Festivalveranstaltenden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Festivalbranche fairer und fortschrittlicher zu gestalten, Wissen zugänglich zu machen und Austausch untereinander zu ermöglichen. Teil des Netzwerks sind inzwischen über 200 verschiedene Festivals“, so Johannes Jacobi, ein Mitbegründer des Netzwerks.


Nachhaltiges Veranstalten gelangt immer mehr ins Bewusstsein von Festivalbetreibenden
© Auerworld Festival e.V.

Höme erarbeitet gemeinsam mit NGOs Produkte zu Themen wie nachhaltiges Veranstalten oder sozialer Gerechtigkeit. Vorhandenes Wissen wird gebündelt, Kontakte untereinander hergestellt. Eine eigene App hilft bei der Umsetzung eines Festivals und die eingenommenen Ticketgebühren finanzieren die Produkte und Publikationen. Das Auerworld Festival profitiert vom Netzwerk vor allem wegen des Austauschs und der technischen Möglichkeiten, so Silvan. „Warum das Rad neu erfinden? Man kann bei Problemen über Höme andere Festivals konsultieren und von deren Wissen und Erfahrung lernen. Auch die App wird für uns auch ein großer Nutzen sein. Letztes Jahr hatten wir eine Eventplaner-App, welche nur schlecht für ein Festival zu nutzen war, deswegen machen wir uns große Hoffnungen auf die Höme-App, damit wir unsere Gäste noch besser informieren können.“

Autor*innen

  Katrin Kalinkus Öffentlichkeitsarbeit NEUSTART KULTUR katrin.kalinkus@soziokultur.de

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