20. Mai 2021
#neustartkultur, #portrait

Fit für die Zukunft – der Kunsthof Friedrichsrode macht sich bereit für den NEUSTART

Von:  Tobias Voigt

Der im weiten ländlichen Raum zwischen den Städten Nordhausen und Mühlhausen gelegene Kunsthof Friedrichsrode lädt die Menschen der Umgebung seit knapp 30 Jahren zu gelebter kultureller Vielfalt ein – als kulturelle Bildungsstätte, Veranstaltungsort und Schullandheim. Doch im Lockdown ist es in dem sonst so lebendigen Ort der Begegnung still geworden. Fördermittel aus NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur machen Investitionen möglich, die den Hof fit für die Zukunft machen sollen. Doch noch ist unklar, wie diese Zukunft aussehen wird und wann die Türen wieder für Besucher*innen geöffnet werden können.

Mitten im Kern eines 70-Seelen-Dorfs im Norden Thüringens befindet sich der Kunsthof Friedrichsrode. Im Laufe der Jahre seit seiner Gründung im Jahr 1993 hat sich das soziokulturelle Zentrum nicht nur einen festen Platz im Leben und Herzen der Dorfbewohner*innen erarbeitet, sondern mit seinem diversen Angebots-Mix aus kultureller Bildung, Kunsthandwerk und Veranstaltungen auch überregionale Wahrnehmung und Strahlkraft erlangt.

Der Innenhof des Kunsthof Friedrichsrode – Im Lockdown ist es in dem sonst so lebendigen Ort der Begegnung still geworden.

Foto © Kulturland Hainleite e. V. / T. Kümmel

Der Hof besteht aus zwei Gebäudekomplexen mit historischer Bausubstanz und einem großzügigen Außengelände. Neben den Aufenthalts-, Speise- und Übernachtungsräumen beherbergt das Ensemble künstlerische Werkstätten, Räume für Seminare und Workshops sowie eine Theaterbühne.

Die Angebote des Kunsthofs richten sich an alle Altersgruppen, vorrangig jedoch an Kinder und Jugendliche. Vor der Pandemie besuchten jährlich mehr als 10.000 Nutzer*innen den Kunsthof Friedrichsrode und seine Veranstaltungen. Der Hof bietet Raum für Klassenfahrten, Kindergeburtstage, Mehrtagesprojekte, Kreativurlaube und -freizeiten sowie Workshops für Erwachsene. Daneben lädt der Kunsthof die Menschen der Region als Veranstaltungsort zu Ausstellungen, Konzerten und Theateraufführungen ein. Beim „Kunstmarkt“ an jedem dritten Samstag im Juni, dem wichtigsten Event des Jahres, verwandelt sich das gesamte Dorf in eine pulsierende Kunstmeile mit über 100 Kunsthandwerkern, Bands, Straßenkünstlern, Ausstellungen und Theater.

Doch den überregional bekannten und beliebten Kunstmarkt musste der Kulturland Hainleite e.V., welcher auch Träger des Kunsthofs ist, nach 2020 – dem dreißigsten Jubliläumsjahr – nun zum zweiten Mal schweren Herzens absagen. Die nach wie vor dynamische Pandemielage macht die Planung und Durchführung von Veranstaltungen dieser Größenordnung zurzeit unmöglich. Corona-Krise und Lockdown bestimmen den Alltag im Kunsthof Friedrichsrode. Im dem sonst so lebendigen Ort der Begegnung ist es still geworden.

Seit fast 30 Jahren ist der Kunsthof Friedrichsrode fester Bestandteil des kleinen Dorfs in Thüringen.

Foto © Kulturland Hainleite e. V. / T. Kümmel

Als sich Thomas Kümmel im Februar 2020 für die Leitung des Kunsthofs entschied, konnte er nicht ahnen, dass vor allem die Bewältigung von Problemen, die mit Begriffen wie „Pandemie“ und „Lockdown“ zusammenhängen, im Mittelpunkt seiner neuen Tätigkeit stehen würde. Als der zuvor als Kulturagent tätige Hallenser schließlich im Juni 2020 seine Zweitwohnung in Friedrichsrode bezog und seine Arbeit aufnahm, bestand seine erste Aufgabe in der Ausarbeitung eines umfassenden Infektionsschutzkonzeptes für die unterschiedlichen Angebotsformate des Kunsthofes.

Dieses Konzept war die Grundlage für die schrittweise Wiederaufnahme des Betriebs ab Juli 2020. Über die Sommerferien kehrte das kulturelle Leben allmählich in den Kunsthof zurück. Auch Gruppen- und Klassenfahrten wurden unter Auflagen wieder möglich. Im September und Oktober traute sich das Team des Kulturzentrums sogar die Ausrichtung von größeren Veranstaltungen zu. Dank Sicherheitsmaßnahmen wie Einlasskontrollen und Verlagerung von Angeboten nach draußen konnte beispielweise die ursprünglich für Juni geplante Ausstellungseröffnung der 11. Jugend-Kunst-Biennale auf dem Gelände des Kunsthofs verspätet stattfinden.

Doch bereits im November mussten die Türen des Kunsthofs im Zuge des nächsten Lockdowns erneut schließen. Seitdem steht das kulturelle Leben wieder still.

Die Umsatzausfälle, die der Kunsthof seitdem verkraften muss, sind enorm. Im November mussten drei der Mitarbeiter*innen zum wiederholten Mal in Kurzarbeit gehen. Der in Normalzeiten bis zu 70 Prozent über Umsätze aus Beherbergung, Bildungsangeboten und Veranstaltungen eigenfinanzierte Kunsthof hätte die Gehälter ansonsten nicht mehr bezahlen können. Einer Beantragung von November- und Dezemberhilfe standen bürokratische Hürden im Weg. Der Trägerverein Kulturland Hainleite e.V. wandte sich deshalb mit einem Spendenaufruf an die Nutzer*innen. Mit Erfolg: Über 13.000 Euro kamen in kurzer Zeit über die Kampagne zusammen, der überwiegende Teil davon ergab sich aus zahlreichen Kleinspenden zwischen 10 und 50 Euro. „Das Echo auf die Spendenkampagne seit November hat uns echt überwältigt und sehr geholfen, die laufenden Betriebskosten der letzten drei Monate aufzufangen.“, schreibt das Team Anfang des Jahres auf der eigenen Homepage.

Doch die Betriebskosten liefen weiter, während die Spendengelder schon bald wieder aufgebraucht waren. Umso größer war die Erleichterung, als der Bundesverband Soziokultur e.V. den Zuwendungsbescheid für die Fördermittel aus NEUSTART KULTUR schickte.

Mit Hilfe der Förderung in Höhe von knapp 34.000 Euro aus dem Förderbereich „Zentren“ kann sich der Kunsthof Friedrichsrode nun auf die Wiedereröffnung unter Pandemiebedingungen vorbereiten und gleichzeitig veraltete Infrastruktur erneuern, um den Hof auch über die Pandemie hinaus fit für die Zukunft zu machen.

Die Bauarbeiten laufen an: Dank der Förderung kann die teils veraltete Infrastruktur des Hofs erneuert werden.

Foto © Kulturland Hainleite e. V. / T. Kümmel

Neben der Anschaffung von Barrieren zur Besuchersteuerung wurden über die Fördermittel Türen und Fenster erneuert, um eine bessere Belüftung und Abtrennung der Räume im Sinne des Infektionsschutzes zu ermöglichen. Darüber hinaus wurde in Ausstattung für Open-Air-Veranstaltungen investiert: Neue akkubetriebene Lautsprecher, Funkgeräte, Sonnenschirme, Stühle und Pavillons sollen es zukünftig erlauben, einen großen Teil der Angebote auf das weitläufige Außengelände zu verlagern. Eine zusätzliche Töpferscheibe wird es möglich machen, dass in Zukunft mehrere Kleingruppen oder Einzelpersonen in der Werkstatt parallel töpfern können.

Neben dem Förderprogramm NEUSTART KULTUR hat der Verein auch Anträge bei anderen Landes- und Bundesprogrammen gestellt. Hier wartet man derzeit noch auf Antwort. Für die staatlichen Hilfsgelder ist Thomas Kümmel dankbar, sieht aber auch Probleme: Die Beantragung von Fördermitteln als auch die Umsetzung der Förderung sowie deren formelle Abwicklung erfordern viel Fachkompetenz und Zeit – Ressourcen, die nicht jedes Kulturzentrum im Krisenmodus zur Verfügung hat.

Aktuell läuft der Betrieb im Kunsthof auf absoluter Sparflamme. Die meisten Investitionen sind bereits abgeschlossen, das neue Equipment liegt für den ersten Einsatz bereit. Doch noch ist unklar, wann und unter welchen Bedingungen die Türen wieder für Besucher*innen geöffnet werden können. Die damit verbundene Machtlosigkeit und Unsicherheit machen das Warten auf die Wiedereröffnung für Thomas Kümmel und sein Team zum zermürbenden Marathon.

Zum Glück ist der Kontakt zum Publikum nie abgerissen. Über seinen Newsletter und die Social-Media-Kanäle auf Facebook und Instagram steht der Kunsthof Friedrichsrode in direktem Austausch mit den Nutzer*innen. „Als wir vor kurzem den Kunstmarkt abgesagt haben, standen die Telefone nicht mehr still. Das zeigt mir, dass die Menschen uns nicht vergessen haben. Sie warten darauf, dass es endlich wieder losgeht.“, berichtet Thomas Kümmel.

Teil der geförderten Investitionen: Eine neue Töpferscheibe.

Foto © Kulturland Hainleite e. V. / T. Kümmel

Da auch Beherbergungen auf längere Frist nur sehr eingeschränkt möglich und beispielsweise Klassenfahrten bis zum Sommer in Thüringen ganz verboten sind, gab es in den letzten Wochen viele Absagen für das Schullandheim. Doch auch hier zeigt sich, dass die Menschen nicht so einfach aufgeben: „Bei jeder Absage fragen die Menschen direkt nach einem neuen Termin für die zweite Jahreshälfte.“, sagt Thomas Kümmel. Auch wenn er persönlich nicht daran glaubt, dass es ein einfaches Zurück zur alten Normalität geben wird – das große Interesse der Menschen gibt ihm und seinem Team Hoffnung für die Zukunft.


Kulturland Hainleite e. V.
In Friedrichsrode 14
99713 Helbedündorf / OT Friedrichsrode

Website: www.kunsthof-friedrichsrode.de
Facebook: www.facebook.com/Kunsthof.Friedrichsrode

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26. Juli 2021
#neustartkultur

Finanzierungsvielfalt im Programm NEUSTART KULTUR

Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 2/21 des Magazins SOZIOkultur. Die Bedeutung von Drittmitteln und der Einsatz kommunaler Kulturförderung. Eine Analyse der Drittmittel im Förderprogramm NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur zeigt: Querfinanzierungen haben für Kultureinrichtungen eine große Relevanz. Mit Hilfe von Drittmitteln aus diversen Quellen entstehen Finanzierungsmodelle, die die Spielräume für Kultureinrichtungen im Rahmen bestehender Förderprogramme erweitern. Dabei spielt die kommunale Kulturförderung eine wichtige Rolle. Von: Jana Mießner und Tobias Voigt Das Förderprogramm Seit Mitte 2020 verwaltet der Bundesverband Soziokultur e.V. die beiden Fördermaßnahmen „Zentren“ (Programmteil „Pandemiebedingte Investitionen“) und „Programm“ (Programmteil „Erhaltung und Stärkung der Kulturinfrastruktur“) im Rahmen des von der Beauftragten für Kultur und Medien aufgelegten Förderprogramms NEU-START KULTUR. Mit Hilfe der Förderung werden (sozio-)kulturelle Einrichtungen und Initiativen bei Weiterbetrieb und Wiedereröffnung in Zeiten der Corona-Pandemie unterstützt. Während im Bereich „Zentren“ investive Maßnahmen wie der Einbau von Schutzvorrichtungen, der Ausbau der digitalen Infrastruktur oder die Modernisierung von Sanitäranlagen im Fokus stehen, sollen durch die Förderung im Bereich „Programm“ Kulturarbeit und -angebote auch unter unwirtschaftlichen Pandemiebedingungen ermöglicht werden. Festbetragsfinanzierung Das auf Bundesebene aufgelegte Förderprogramm NEUSTART KULTUR wird als nicht rückzahlbarer Zuschuss in Form einer Festbetragsfinanzierung gewährt. Bei dieser Form der Finanzierung wird im Zuge der Antragsprüfung ein fixer maximaler Förderbetrag bewilligt. Der entscheidende Vorteil für die Kultureinrichtungen ist, dass Erhöhungen der eigenen Deckungsmittel keine reduzierende Auswirkung auf die Zuwendungshöhe haben. Am Beispiel des Lagerhalle e.V. aus Osnabrück wird deutlich, was dies in der Praxis bedeutet: Im Bereich „Zentren“ hatte das soziokulturelle Zentrum einen Antrag für den Einbau einer Raumluftanlage gestellt und bewilligt bekommen. Die Anlage soll den regelmäßigen Luftaustausch in den Räumlichkeiten gewährleisten, zu einer Reduktion der Aerosole beitragen und damit einen sicheren Kulturbetrieb auch unter Pandemiebedingungen möglich machen. Die Kosten für eine Investition dieser Größenordnung überstiegen jedoch die im Bereich „Zentren“ mögliche Maximalfördersumme von 100 000 Euro. Die einzige Möglichkeit zur Umsetzung des Vorhabens war eine deutliche Erhöhung des Eigenanteils. Durch die Bedingungen des Förderprogramms war eine solche Erhöhung möglich – ohne Auswirkungen auf die Zuwendungshöhe. Eine Analyse der Daten zeigt: Unter den über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderten Projekten ist der Lagerhalle e.V. nicht das einzige Projekt mit erhöhtem Eigenanteil. Obwohl die geforderte Mindesthöhe des Eigenanteils bei zehn Prozent liegt, macht dieser im Bereich „Zentren“ durchschnittlich elf Prozent aus. Im Bereich „Programm“ werden durchschnittlich sogar knapp 15 Prozent Eigenanteil eingebracht. [caption id="attachment_1492" align="aligncenter" width="1024"] Dank der Drittmittel von Land und Kommune wurde die Finanzierung einer neuen Lüftungsanlage im Rahmen des Förderprogramms NEUSTART KULTUR erst möglich. Die Anlage soll einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz leisten, wenn sich die Türen der Lager-halle bald wieder für Besucher*innen öffnen.Foto © Jens Meier / Lagerhalle e.V.[/caption] Drittmittel zur Deckung des Eigenanteils Das Einbringen des Eigenanteils im Rahmen von Förderprogrammen stellt im soziokulturellen Bereich insbesondere kleinere Kultureinrichtungen und Initiativen in der Praxis oft vor große Herausforderungen. Eine Erhöhung des Eigenanteils aus Eigenmitteln ist für viele Einrichtungen erst recht nicht möglich. Für diese Projekte wird der Zugang zu Förderprogrammen mit Eigenanteil erleichtert, wenn dafür neben Eigenmitteln auch Drittmittel erlaubt sind. Für den Lagerhalle e.V. erklärte sich das Land Niedersachsen zur Kofinanzierung bereit und öffnete so den Weg zur Realisierung der neuen Lüftungsanlage. Insgesamt bringen 20 Prozent der Letztempfänger*innen Drittmittel ein und bestreiten damit knapp 25 Prozent des eingebrachten Eigenanteils. Drittmittel werden dabei auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene oder von weiteren Dritten wie Stiftungen sowie über Sponsoring oder zweckgebundene Spenden eingeworben. In vielen Bundesländern wurden sogar explizite Kofinanzierungsprogramme aufgelegt, um den Kultureinrichtungen beim Einbringen ihres Eigenanteils unter die Arme zu greifen. Die Bedeutung kommunaler Kulturförderung Kommunale Kulturförderung spielt für viele (sozio-)kulturelle Zentren eine wichtige Rolle, weil deren institutionelle Finanzierung auf kommunaler Ebene angesiedelt ist oder weil kommunale Kulturfördertöpfe oft mit einem geringeren verwaltungstechnischen Aufwand genutzt werden können. Bundes- und Landesförderungen sind, obwohl sie höhere Fördersummen versprechen, für kleinere Kultureinrichtungen wegen fehlender zuwendungsrechtlicher Kenntnisse, geringer personeller Ressourcen für die Antragstellung oder des oftmals zu hohen einzubringenden Eigenanteils oft nicht nutzbar. Das Förderprogramm NEUSTART KULTUR ist eine Unterstützung, die allen Einrichtungen in Zeiten der Corona-Pandemie zugutekommen soll. Dazu tragen die geringe Eigenanteilsquote ab zehn Prozent und die Möglichkeit, diese durch Drittmittel zu stemmen, bei. Die eingebrachten kommunalen Mittel beim Förderprogramm NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur stammen aus verschiedenen Töpfen. Neben institutionellen oder allgemeinen Projektfördertöpfen sind das auch spezielle Förderungen für beispielsweise investive Maßnahmen, Corona-Hilfeprogramme der Kommune oder Kofinanzierungen. [caption id="attachment_1490" align="aligncenter" width="1024"] Am 10. Juni 2021 wurde das Kernstück der Lüftungsanlage geliefert und mit Hilfe eins Krans auf das Dach des Hauses gehoben.Foto © Mieke Winkler / Lagerhalle e.V.[/caption] Beim Lagerhalle e.V. reichten die Mittel von Land und Bund für den Ausbau der Lüftungsanlage in allen Räumlichkeiten nicht aus. So stand zur Entscheidung, das Vorhaben auf weniger Räume zu beschränken und damit die Kosten zu reduzieren oder weitere Mittel einzuwerben. Die Kommune entschied sich nach umfangreichen Gesprächen mit der Kultureinrichtung, das Projekt so zu unterstützen, dass es in vollem Umfang durchgeführt werden kann. Dafür gewährt die Stadt einen Zuschuss, der die Differenz zwischen Bundes- sowie Landesförderung und den Kosten der Anlage deckt. Mit dieser Entscheidung würdigt die Stadt Osnabrück zum einen das Bemühen des Lagerhalle e.V. um die Einwerbung von Fördermitteln, zum anderen erkennt sie damit die Bedeutung der Kultureinrichtung für die Stadt und deren Bürger*innen an. "In der Lagerhalle schlägt das Herz der Soziokultur in Osnabrück. Ich bin deshalb froh, dass der Rat der Stadt die Initiative des Kulturausschusses aufgegriffen hat, den städtischen Anteil aufzustocken. Dass jetzt die Sanierung aller Räume möglich wird, ist im Interesse der Kultur und der Stadt. Zumal es sich um ein städtisches Gebäude handelt, für das die Lagerhalle erhebliche Drittmittel nach Osnabrück eingeworben hat." SEBASTIAN BRACKE (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Vorsitzender des Kulturausschusses des Rates der Stadt Osnabrück Fazit Die dargestellten Daten und Beispiele zeigen: Drittmittel können – insbesondere bei Festbetragsfinanzierung – Synergien zwischen diversen Finanzierungsquellen herstellen und so die Handlungsspielräume für Kultureinrichtungen und Initiativen im Rahmen bestehender Förderprogramme deutlich erweitern. Kommunale Kulturförderung spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle und empfiehlt sich durch die oft leichte Zugänglichkeit und Bekanntheit. Gerade wenn Kommunen die Bedeutung der Kulturarbeit erkennen und bereits in der Vergangenheit eine enge Zusammenarbeit stattgefunden hat, wie bei dem Lagerhalle e.V., ergeben sich neue Finanzierungsmodelle, die auch kleinen Kultureinrichtungen mit geringen Eigenmitteln die Umsetzung großer Vorhaben ermöglichen können.
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19. Juli 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: Das Glasperlenspiel in Asperg

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Klaus Bühlmeyer | Glasperlenspiel Asperg Das Glasperlenspiel in Asperg e.V. ist ein eingetragener, gemeinnütziger Kulturverein mit eigener Amateurtheaterbühne in Asperg bei Ludwigsburg / Stuttgart. Der vor über 30 Jahren gegründete Verein hat knapp 200 Mitglieder und bietet ca. 150 Veranstaltungen pro Jahr in den Bereichen Theater, Kabarett, Chanson, Kinderveranstaltungen, Klassik, Musik und Jazz. Die Leitung (Vorstand) und Organisation des Spielbetriebs (Abendkasse, Vorverkauf, Theke und Technik) werden komplett durch ehrenamtliche Kräfte abgedeckt. Die Einnahmen fließen in die Gestaltung des Kulturprogramms und in den Erhalt der Institution "Das Glasperlenspiel in Asperg". Von: Klaus Bühlmeyer, Schatzmeister des Kulturvereins Das Glasperlenspiel in Asperg e.V. #Frische Luft im Theater Über die Programme „Neustart – Sofortprogramm für Coronabedingte Investitionen für Kultureinrichtungen“ und „Neustart Kultur – Zentren“ war es uns möglich, die Lüftungs- und Klimaanlagen in Theatersaal und Foyer auf einen modernen und sicheren Stand zu bringen. Ein herzliches Dankeschön hierfür. #Lockdown 1 Coronabedingt hatten wir vom 15. März bis Mitte September 2020 geschlossen. Wir haben am 11. September 2020 – nach sechsmonatiger Spielpause – mit unserem Herbstprogramm begonnen. Dank der finanziellen Unterstützung durch „Neustart – Sofortprogramm für Corona-bedingte Investitionen für Kultureinrichtungen“ konnten wir alle Hygienemaßnahmen, die für eine Wiedereröffnung geplant waren, umsetzen: Dies war u.a. die Verkleidung mit Plexiglas für Abendkasse / Vorverkauf und für die Theke. Auch die Tische zur Besuchersteuerung im Theatersaal sowie die Stehtische zur Besuchersteuerung in der Pause im Freien konnten realisiert werden. Zudem haben wir die Lüftungsanlage überarbeiten lassen: Es wurde ein leistungsstärkerer Motor zur Erhöhung der Abluftleistung eingebaut; die Steuerungselektronik für die Zu- und Abluft wurde aktualisiert; zudem wurden Filterelemente zur Reinigung der Zuluft verbaut. [caption id="attachment_1498" align="aligncenter" width="1024"]Mindestens bis zur Sommerpause Mitte August 2021 bietet das Glasperlenspiel eine coronataugliche Bestuhlung von 30% an.Foto © Sabine Geiger[/caption] #Lüftungsanlagen - Sicherheit im Theater Die genannten Maßnahmen stellen einen wesentlichen Baustein unseres Hygienekonzepts dar. Vom Publikum wurde das Gesamtkonzept im September 2020 positiv gewürdigt. Die Rückmeldungen vom Publikum waren durchweg positiv – alle Besucher hatten ein sehr gutes und sicheres Gefühl, sich während der Veranstaltungen im Innenraum des Glasperlenspiels aufzuhalten. #Lockdown 2 Aufgrund steigender Inzidenzen und neuer Virusmutationen wurden die Theater ab Anfang November 2020 erneut geschlossen. Dieses Mal sollte der Lockdown bis Juni 2021 dauern. In dieser Zeit beantragten wir über „Neustart Kultur – Zentren“ die Modernisierung der bestehenden Klimaanlagen in Theatersaal und Foyer mit Reduktion der Aerosol- und Virusbelastung. #Virusreduktion und Energieeffizienz Von April bis Mai 2021 wurden die neuen Klimaanlagen in Theatersaal und Foyer eingebaut. Die bestehenden Klimaanlagen waren bereits 25-30 Jahre alt, und so war eine Modernisierung, gerade im Hinblick auf die Virusreduktion, äußerst sinnvoll. Die neuen Klimaanlagen sind zudem energieeffizienter und geräuschärmer, sowohl im Innenraum als auch in der Umgebung der beiden Außengeräte. [caption id="attachment_1500" align="aligncenter" width="1024"]Seit dem 16. Juni 2021 wird die Bühne des Glasperlenspiels wieder bespielt.Foto © Sabine Geiger[/caption] #Klimaanlage - Sicherheit Mit der Maßnahme „Modernisierung der Klimaanlage mit Reduktion der Aerosol- und Virusbelastung“, welche über „Neustart Kultur – Zentren“ finanziert wurde, tragen wir zur nachhaltigen Reduktion von Ansteckungsgefahren (insbesondere mit dem SARS-CoV-2-Virus) bei. Unsere Kleinkunstbühne wird somit dauerhaft attraktiv für unsere Gäste. #Spielbetrieb ab Juni 2021 Am 16. Juni 2021 haben wir den Spielbetrieb im Glasperlenspiel wieder aufgenommen. Das bestehende Hygienekonzept wurde hierzu um die neuen Vorgaben ergänzt: Wir bieten (mindestens) bis zur Sommerpause Mitte August 2021 eine 30% Bestuhlung an. Somit entfällt bei Inzidenzstufe 1 die 3G Regel, ab Inzidienzstufe 2 müssen die Besucher den entsprechenden Coronanachweis an der Abendkasse vorlegen. [caption id="attachment_1499" align="aligncenter" width="1024"]Premiere „Arthur und Claire“ - Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte von Stefan Vögel. Regie: Margarete VolzFoto © Mark Schuler[/caption] #Juhu, es geht weiter Wir sind guter Dinge, dass wir nun dauerhaft den Spielbetrieb in unserer Innenraumbühne aufnehmen können - natürlich unter Einhaltung des Hygienekonzepts und gerne mit eingeschränkter Platzanzahl. Bis Jahresende haben wir rund 80 Veranstaltungen geplant, darunter drei Theater-Eigenproduktionen über unsere eigene Amateurtheaterbühne.
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8. Juli 2021
#neustartkultur, #portrait

Neue Formate der Bildungsarbeit – Die Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid

Die Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid ist ein interdisziplinär arbeitendes Fort- und Weiterbildungsinstitut der kulturellen Kinder- und Jugendbildung mit vielfältigem Themenspektrum, weit verzweigtem Netzwerk, großer Reichweite und langer Tradition. Im Zuge der Corona-Lockdowns musste die Akademie neue Konzepte entwickeln und ihre Bildungsangebote in die digitale Welt übersetzen. Dabei setzte sie auf die Kraft der Partizipation: Im digitalen Raum wurden gemeinsam mit Teilnehmer*innen neue Kursformate erdacht und ausprobiert. Gleichzeitig machte die Förderung durch NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur Investitionen zur Verbesserung des Infektionsschutzes vor Ort möglich. Seit Kurzem kann die Akademie ihre Türen wieder für Besucher*innen öffnen und einen kreativen Mix aus Präsenz- und Onlineveranstaltungen anbieten. Die Akademie der Kulturellen Bildung ist das zentrale Fort- und Weiterbildungsinstitut für Fachkräfte der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie liegt in einer der reizvollsten Gegenden des Bergischen Landes und grenzt unmittelbar an das Naturschutzgebiet Wupper – ein lebhaftes und inspirierendes Umfeld für Gäste und Besucher*innen. Der Verein qualifiziert seit 1958 im gesamten Themenspektrum der Kulturarbeit: Musik, Medien, Tanz, Theater, Literatur, Bildende Kunst, Baukultur, Performance, Spiel sowie Sozialpsychologie und Beratung. Die Betonung von Langfristigkeit und Nachhaltigkeit der Fort- und Weiterbildungen, spartenübergreifende Konzepte, Partizipation, Diversität sowie ein intensiver Praxisbezug – das Leitbild der Akademie zeugt von dem besonderen Selbstverständnis und den hohen Qualitätsstandards des Instituts. [caption id="attachment_1444" align="aligncenter" width="1024"] Akademie der kulturellen Bildung - Unter den Bedingungen des Lockdowns musste zunächst vieles neu gedacht werden. So auch die Besuchersteuerung im Gebäude.Foto © Akademie der Kulturellen Bildung[/caption] Die Akademie der Kulturellen Bildung ist Teil eines weit verzweigten Netzwerks von Institutionen und Personen aus dem Feld der Kulturellen Bildung – auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Darüber hinaus gestaltet die Akademie im Rahmen von Fachtagungen, Theoriebildung, Forschung, Konzeptentwicklung und Fachdiskurs die außerschulische kulturelle Bildungslandschaft aktiv mit. Das Themenspektrum des Kursangebots ist sehr breit und reicht von Workshops zum Baustoff Lehm bis hin zu Kreativkursen zum Thema „Protest“ („Die Ästhetik des Widerstands in der Bildenden Kunst“). Dabei ist das Tätigkeitsfeld der Akademie nicht auf das Bildungsangebot beschränkt. Unter anderem als Heimat des "Deutschen Kinder- & Jugendfilmzentrums" engagiert sie sich auch in der Kinder- und Jugendarbeit. Als Anlaufstelle für viele Kulturschaffende etablierte sich die Akademie als zentraler Knotenpunkt für Beratung, Austausch und Vernetzung verschiedenster Institutionen und stellt ihre Räumlichkeiten kostengünstig Kultureinrichtungen zur Verfügung. Als besonders wichtiges und aktuelles Thema behandelt die Akademie beispielsweise die millieuübergreifende kulturelle Bildung. Die Pandemie macht deutlich: Bereits bekannte Spannungsfelder verschärfen sich. Sogenannte „bildungsferne“ Bevölkerungsteile drohen abgehängt zu werden. Welche Konzeptansätze haben das Potenzial, junge Menschen aus unterschiedlichen Milieus gemeinsam künstlerisch-kreativ tätig werden zu lassen und trotz unterschiedlicher Lebenswelten zur Entwicklung von gegenseitigem Interesse und Verständnis beizutragen? Das ist eine der zentralen Fragen, die in der Jahrestagung 2020 erörtert wurden. Die Vorträge der Jahrestagung sowie viele weitere Inhalte werden im Sommer 2021 der interessierten Öffentlichkeit über eine digitale Wissensplattform zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise vermittelt die Akademie nachhaltig Wissen und verwebt Präsenzveranstaltungen sinnvoll mit Online-Angeboten. [caption id="attachment_1446" align="aligncenter" width="1024"] „Wir haben unsere Fortbildungsangebote unter den Aspekten digital, kontaktarm und kontaktstark neu systematisiert und neue Formate gestaltet bzw. angepasst“, sagt Akademie-Direktorin Prof. Dr. Susanne Keuchel.Foto © Akademie der Kulturellen Bildung[/caption] Im Zuge der Corona-Pandemie und des Lockdowns musste die Akademie der Kulturellen Bildung Fort- und Weiterbildungen sowie Tagungen digitalisieren, verschieben oder absagen. Mit digitalen Kursen versuchte die Akademie in den Wochen des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 die Aussetzung des Kursbetriebs vor Ort zu kompensieren und bot ihren Teilnehmer*innen zunächst kostenfreie Zugänge zur Fort- und Weiterbildung an. Die digitalen Kurse waren als gemeinsamer Experimentierraum gedacht, um interaktive Online-Angebote auf die Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmer*innen und ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zuzuschneiden. Die neuen Formate evaluierte die Akademie im Sommer 2020 und integrierte sie während des zweiten Lockdowns in ihr Programm. „Wir haben unsere Fortbildungsangebote unter den Aspekten digital, kontaktarm und kontaktstark neu systematisiert und neue Formate gestaltet bzw. angepasst“, sagt Akademie-Direktorin Prof. Dr. Susanne Keuchel. „Wir haben die Chance genutzt, um unser Fortbildungskonzept nicht nur im Kontext einer zeitgemäßen Transformation weiterzuentwickeln, sondern auch vor dem Hintergrund, dass wir mit weiteren Wellen der Pandemie rechnen müssen bzw. Pandemien uns auch zukünftig treffen könnten.“ Während der Pandemie hat die Akademie der Kulturellen Bildung ihre Webseite um zusätzliche digitale Funktionen erweitert. In digitalen Kurs- und Gruppenräumen haben die Teilnehmer*innen nun die Möglichkeit, sich über Video und Audio zu treffen, auszutauschen und gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Interaktive Lernplattformen, die erlauben, synchron und asynchron kooperativ zu arbeiten, sollen folgen. Hierbei legt die Akademie Wert auf datenschutzkonforme Infrastrukturen. Im Rahmen des Förderprogramms NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur konnte die Akademie ihre Präsenzformate unter Pandemiebedingungen neu aufstellen. In Vorbereitung auf eine für Besucher*innen und Dozent*innen sichere Wiedereröffnung nach dem Lockdown wurde in einer Größenordnung in zusätzliche Schutz- und Hygienemaßnahmen investiert, die ohne die Fördergelder nicht denkbar gewesen wäre. Einerseits wurde für das Team Ausstattung für dezentrale Arbeitsplätze benötigt, um die Bürotätigkeiten ohne Ansteckungsgefahr fortzusetzen. Andererseits herrschte vor Ort Bedarf an vielfältigen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, Schnelltests und Raumluftreinigern. [caption id="attachment_1441" align="aligncenter" width="1024"] Akademie der kulturellen Bildung - Der erste Kurs nach der Wiedereröffnung übt sich beim Essen im Social Distancing.Foto © Akademie der Kulturellen Bildung[/caption] Heute freut sich die Akademie, nach der Schließungsphase den öffentlichen Betrieb wieder aufnehmen zu können. Die Fort- und Weiterbildungen finden mit dem bewährten Schutzkonzept statt, das die existierenden Hygiene- und Gesundheitsbestimmungen für Gäste und Mitarbeiter*innen berücksichtigt. Das vom Bundesverband Soziokultur e. V. umgesetzte Förderprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien war für die Akademie eine große Hilfe. Die Förderung hat nicht nur einen hochwertigen Infektionsschutz für alle Teilnehmenden und das eigene Personal ermöglicht sondern auch dabei geholfen, neue Konzepte, Formate und Plattformen zu entwickeln, die das Angebot der Akademie noch weit in die Zukunft hinein bereichern werden. So wurde die Akademie in die Lage versetzt, auch langfristig auf mögliche Veränderungen der Pandemiesituation zu reagieren. Die Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW Küppelstein 34 42857 Remscheid Tel.: +49 21917940 Email: info@kulturellebildung.de Website: www.kulturellebildung.de/ Facebook: www.facebook.com/AkademieDerKulturellenBildung/
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1. Juli 2021
#neustartkultur, #projektstimmen

#projektstimmen: kreativ:LABOR der Kulturetage Oldenburg

In unserer Blogkategorie #projektstimmen kommen über NEUSTART KULTUR beim Bundesverband Soziokultur geförderte Projekte selbst zu Wort. Dieser Gastbeitrag stammt von: Susan Mertineit | kreativ:LABOR der Kulturetage gGmbH Oldenburg Die Kulturetage gGmbH ist ein soziokulturelles Zentrum in Oldenburg. Als Schnittstelle für Stadt und Region gestaltet das Team des Zentrums ein spartenübergreifendes Kulturangebot für unterschiedliche Bevölkerungskreise und Altersgruppen, setzt innovative Impulse, stärkt interkulturelle Vernetzung und bereichert die Lebensqualität in Oldenburg nachhaltig. Mit ca. 60.000 Besucher*innen und über 500 Veranstaltungen jährlich ist das soziokulturelle Zentrum eine der größten Kultureinrichtungen (4000 qm) in Oldenburg. Hinzu kommen ca. 80.000 Besucher*innen bei Open-Air Veranstaltungen des Oldenburger Kultursommers. Das Kreativ:LABOR in der Kulturetage sind Räume, Menschen und eine Plattform für kreatives Engagement. Pioniergeist wird unterstützt und ein Experimentierfeld geschaffen und zur Verfügung gestellt zur Unterstützung von gesellschafltichem Wandel hin zu einer sozial gerechteren und ökologisch tragfähigeren Welt. Von: Susan Mertineit, Möglichmacherin des kreativ:LABORs PLATZ:schaffen KUNST | KULTUR | ZUKUNFTSFRAGEN Mit der Unterstützung durch NEUSTART KULTUR konnten wir uns aufmachen und den (Park-)Platz hinter der Kulturetage als einen temporären Kulturplatz umgestalten — einen lebendigen und öffentlichen Ort für Kunst, Kultur und Zukunftsfragen, auch und gerade in Pandemiezeiten. Ab Juni 2021 finden an den Wochenenden und bei Anbruch der Dunkelheit Draußen-Kino und bunte Vorabendprogramme mit Musik, Literatur und Kleinkunst statt. Das rettet unser Kino, das schafft Aufführungsmöglichkeiten für Soloselbständige, das gibt uns Unabhängigkeit von unseren Indoor-Räumen. #kooperation Im Sommer 2020 haben im Rahmen des Arbeitskreises “Corona: Wir lassen uns nicht unterkriegen, bestehend aus kreativ:LABOR, Kulturetage gGmbH, Medienbüro e.V. und Jugendmigrationsdienst e.V., unsere Nöte, Wünsche, Erfahrungen und mögliche Perspektiven ausgewertet. Ergebnis: Wir haben Ziele für einen zu gestaltenden Kulturplatz (auf unserem Parkplatz) und Anforderungen an mobiles Outdoor-Equipment formuliert. #covid-19 Mit COVID-19 und den notwendigen Einschränkungen des kulturellen Angebotes im Indoor-Bereich hat die Weiterentwicklung der Aufenthalts- und Veranstaltungsfläche auf dem Platz hinter der Kulturetage eine neue Dynamik erfahren. Im Hinblick auf verschärfte Sicherheitsanforderungen haben wir ein zukunftsweisendes und flexibles Konzept für die Nutzung des Platzes hinter der Kulturetage als Open-Air-Spielfläche entwickelt. [caption id="attachment_1418" align="aligncenter" width="1024"] Kulturetage Oldenburg / kreativ:LABOR - Ab Juni 2021 finden auf neu gestalteten "Kulturplatz" an den Wochenenden und bei Anbruch der Dunkelheit Draußen-Kino und bunte Vorabendprogramme mit Musik, Literatur und Kleinkunst statt.Foto © Rike Schroer[/caption] #ohnemoosnichtslos Mit Neustart Kultur hat die Bundesregierung im Sommer 2020 ein umfassendes Rettungs- und Zukunftsprogramme für den Kultur- und Medienbereich geschaffen, um den Kulturbetrieb und die kulturelle Infrastruktur dauerhaft zu erhalten. Über die vom Bundesverband Soziokultur ausgereichte Förderung können wir über 90% der Kosten unseres Vorhabens finanzieren und freuen uns, mit dem Umbau des Kulturplatzes beginnen zu können. #container Um eine flexible Nutzung des Platzes zu gewährleisten, werden ein 20ft Seecontainer als offener Bühnenraum für unterschiedliche Formate sowie ein 10ft Container als Kassenhäuschen, Kiosk und Infopoint ausgebaut und aufgestellt. Darüber hinaus markiert ein mobiler und schöner Zaun das Kulturareal in Abgrenzung zu den Parkmöglichkeiten und reguliert die Besucher*innenführung und die Feuerwehrzufahrten durch ausgewiesene Ein- und Ausgänge. [caption id="attachment_1399" align="aligncenter" width="1024"] Kulturetage Oldenburg / kreativ:LABOR - Über NEUSTART KULTUR finanzierte Container sollen als Kassenhäuschen, Kiosk und Infopoint genutzt werden.Foto © Holger de Graf / BauCon Vertriebs GmbH & Co.KG[/caption] #zaun Für die Pläne des Zauns haben wir den Metallbaumeister Hans-Jürgen Raabe beauftragt. Hans Jürgen hat sich total ins Zeug gelegt und den Zaun zu seiner Herzensangelegenheit gemacht. In Anlehnung an ein geschmiedetes maritimes Kunstwerk bekam der Zaun eine netzartige, wellenförmige Anmutung. Fest verankerter, etwa 80 cm tiefe Bodenhülsen mit Betonsockelt trotzen der Windlast und sorgen für einen flexiblen Auf- und Abbau des Gestänges. Danke an Profil, die Schlosserei – ein schöner Zaun! #behördengänge Ideen und Pläne müssen zunächst dem Bauordnungsamt für Leib und Leben vorgelegt werden, um das geltende Baurecht auf dem Platz zu klären. Der Oldenburger Bereichsleiter Matthias Wagner stand uns beratend zur Seite und hat uns mit wertvollen Tipps versorgt. Für Bodenarbeiten und Konstruktion des Zauns müssen Sondergenehmigungen beim Tiefbauamt eingeholt werden. Architektin aus dem Wasserturm, Sandra Giese, fertigt maßstabsgerechte Pläne inkl. aller verborgenen Unwegsamkeit auf dem Platz. Das Tiefbauamt zeigte sich bemüht, die Kunst- und Kulturlandschaft nicht hängen zu lassen; jedoch könne eine Genehmigung nur in Absprache mit der Feuerwehr hinsichtlich des Brandschutzes ausgestellt werden. Die Feuerwehr wies uns an, das Gewicht der Zaunelemente zu reduzieren und die Zufahrt auf den Platz zu vergrößern. Anfang Februar erhielten wir die Zusage, das Projekt umsetzen zu können. [caption id="attachment_1403" align="aligncenter" width="1024"]Das kreativ:LABOR-Team: von links: Alexandra Meier, Rike Schroer, Susan MertineitFoto © Jörg Hemmen[/caption] #barrierefreiheit Lange haben wir gewartet bzw. ging es häufig nur sehr langsam voran, doch nun sind wir auf dem besten Weg in Richtung eines barrierefreien kreativ:LABORs. Bereits im letzten Jahr wurde der Fahrstuhl in dem dafür vorgesehenen Schacht installiert. Nun erhielt der Fahrstuhl endlich den letzten Feinschliff. Dank NEUSTART KULTUR begannen die Bauarbeiten für eine rollstuhlgerechte Sanitäranlage im 1. OG des Hauses. Wir freuen uns auf viele tolle Formate und Veranstaltungen, welche wir aufgrund des Umbaus ermöglichen können! #shopping Um den Platz optimal bespielen zu können, sind neben den Containern auch verhältnismäßig kleinere Anschaffungen vorgesehen. Uns ist besonders wichtig, dass all diese Dinge mobil und flexibel einsetzbar sind, um Kunst & Kultur an unterschiedlichen Orten möglich zu machen. So haben wir uns mit anderen Initiativen zusammengetan, um gemeinsam dieselben Kopfhörer zu bestellen, damit in Summe auch für größere Veranstaltungen ausreichend zur Verfügung stehen. Zudem Stühle und Tische für pandemiebedingte Picknick-Formate; LED-Lichter, um den Platz schöner zu machen; sowie einen individuell gestalteten Technik- und Projektionsanhänger. Unglaublich, dass manche Lieferzeiten sich immer wieder verzögern – Corona, Panamakanal…. Aber die Vorfreude war und ist riesig. #shipping Unsere Container wurden per LKW von BauCon geliefert. Am 10. Mai rollten die beiden ausgebauten Container auf den Platz hinter der Kulturetage. Keine zwei Stunden später standen sie bereits an Ort und Stelle und luden zur ersten improvisierten Lesung auf dem Kulturplatz ein. [caption id="attachment_1415" align="aligncenter" width="1024"]Improvisierte Lesung im gerade erst gelieferten ContainerFoto © Susan Mertineit / kreativ:LABOR[/caption] Es fehlt noch der letzte Feinschliff, bevor es im Juni mit Programm losgehen kann. Michael Olsen von Kunstbauten Olsen wird noch einige Anpassungen vor Ort vornehmen. Er fertigt einen Tresen für den Kiosk-Container auf Maß und auch der Zaun wir eine passende Plane erhalten. Auch muss die gesamte Elektrik nach dem Transport von einem Meister durchgemessen und abgestempelt werden und wir haben ordentlich geschwitzt, als die Erdungskabel 3m in die Erde gebuddelt und geschlagen werden mussten. Aber wir haben großartige Spannungswerte und haben alle Zertifikate bekommen. #Kunst, Kultur und Zukunftsfragen Am 03. Juni konnten wir mit den Veranstaltungen starten. Alle Verordnungen waren uns gnädig, alle Hygienekonzepte wurden eingereicht und es gab das "Go!" – und eine saftige Rechnung – von den kommunalen Ordnungsbehörden. Schaut auf unsere Webseite – es gibt eine Reihe von Veranstaltungen vom kreativ:LABOR und ein Umfangreiches Programm vom cine K und dem Medienbüro Oldenburg e.V. Einen riesen Dank an das Team von NEUSTART KULTUR und unsere tolle Beraterin Katharina. Bis hierhin sind wir supergut und glücklich gekommen. Nun hoffen wir noch auf Support und Unterstützung bei der Abrechnung und Berichtslegung.
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